An der feierlichen Amtseinführung nahmen u.a. Präsident Pavel und Kardinal Schönborn teil - Pribyl: Als Bischof Brücken bauen und kirchliche Erneuerung vorantreiben - Schönborn: Besonders auf jene Stimmen hören, die unbequeme Wahrheiten aussprechen
Prag, 25.04.2026 (KAP) Mit einem Festgottesdienst im Veitsdom hat am Samstag die Erzdiözese Prag ihren neuen Erzbischof Stanislav Pribyl willkommen geheißen. Papst Leo XIV. hatte den 54-jährigen bisherigen Bischof von Leitmeritz (Litomerice) und früheren Bischofskonferenz-Generalsekretär im Februar zum Nachfolger von Jan Graubner (77) an der Spitze der tschechischen Hauptstadt-Diözese ernannt. An der feierlichen Amtseinführung nahm u.a. der tschechische Präsident Petr Pavel, der Apostolische Nuntius, Erzbischof Jude Thaddeus Okolo, sowie der Wiener Kardinal Christoph Schönborn und zahlreiche weitere Würdenträger und Vertreter der anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie des öffentlichen Lebens teil.
In seiner Predigt unterstrich der neue Erzbischof Pribyl seine Bereitschaft und seinen Wunsch, "Brücken" zwischen Tradition, Glaube und moderner, säkularer Gesellschaft zu bauen. Als Bischof sei es seine Aufgabe, Kirche und Menschen gleichermaßen zu dienen und auch die Gemeinschaft innerhalb der eigenen Diözese zwischen Priestern und Laien zu stärken. Glaube, Bildung, Authentizität und missionarische Offenheit seien "Grundlage jeder kirchlichen Erneuerung", so Pribyl.
Seine eigene Firmung 1983 im Prager Veitsdom durch den damaligen Prager Erzbischof Frantisek Tomásek (1899-1992) bezeichnete Pribyl als Beginn seiner eigenen Berufungsgeschichte. Im Rückblick erkenne er seither deutlich eine Spur göttlicher Führung - eine Spur, der er auch künftig weiter folgen wolle, so Pribyl.
Schönborn: Vertrauen zwischen Hirte und Herde
Kardinal Christoph Schönborn, den Pribyl um Grußworte gebeten hatte, weil er ihn als Vorbild bischöflicher Amtsführung erachtet, unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung des "Vertrauens zwischen Hirte und Herde": "Gegenseitiges Vertrauen, aufeinander hören, beides ist wesentlich", so Schönborn.
Der Auftrag, aufeinander zu hören, ergehe jedoch letztlich an jeden Christen: "Wir können alle voneinander lernen, wenn wir aufeinander hören. Was Christsein heute heißt, das lernen wir auf diesem Weg". Abschließend gab Schönborn dem neuen Erzbischof den persönlichen Rat, besonders auf jene Stimmen zu hören, die auch unbequeme Wahrheiten aussprechen.
Nuntius: Kirche an einer historischen Weggabelung
Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Okolo, überbrachte Grüße von Papst Leo XIV. Er bezeichnete die aktuelle Situation der Kirche in Tschechien als "wichtige Knotenstelle" ihrer Geschichte. Mit dem Amtsantritt Pribyls und dem Abschied seines Vorgängers gehe eine Ära zu Ende. Zugleich verwies er auf die Herausforderungen einer technisierten Gesellschaft, die aber trotz aller Schwierigkeiten vom Heiligen Geist begleitet werde. Die Zukunft verlange Glaubensmut, Ausdauer und Einheit im Gebet, so Okolo.
Präsident Pavel: Staat und Kirche im Dialog
Präsident Petr Pavel beschränkte sich auf kurze, protokollarische Worte. Er gratulierte Erzbischof Pribyl zu seiner neuen Aufgabe und unterstrich die Bedeutung eines respektvollen und konstruktiven Verhältnisses zwischen Staat und Kirche. Die Zusammenarbeit müsse auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamer Verantwortung für die Gesellschaft beruhen.
Der feierlichen Amtseinführung ging eine mehrtägige Novene voraus, die als geistliche Vorbereitung auf den Amtsantritt diente. Im Mittelpunkt standen Gebet, Besinnung und die Bitte um den Heiligen Geist für den neuen Erzbischof sowie die gesamte Erzdiözese. Diese spirituelle Vorbereitung unterstrich den Charakter des Wechsels nicht als rein organisatorischen Akt, sondern als geistliches Ereignis innerhalb der Kirche.
Ordensmann und leidenschaftlicher Organist
Der 54-jährige Stanislav Pribyl ist der 38. Erzbischof von Prag und 26. Primas von Böhmen. Er wurde 1996 zum Priester geweiht und ist Mitglied des Redemptoristen-Ordens, dessen Provinzial er von 2002 bis 2011 war. Von 2004 bis 2008 war Pribyl Caritaspräsident der Erzdiözese Prag. Neben Doktortiteln in Theologie und Kunstgeschichte hat der Geistliche auch einen Master-Abschluss in Ökonomie und Management.
2009 kehrte Pribyl als Generalvikar in seine nordböhmische Heimatdiözese Litomerice zurück. Ab 2016 war er Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz, bevor ihn ernannte Papst Franziskus (2013-2025) Ende 2023 zum neuen Diözesanbischof von Litomerice ernannte. Die Bischofsweihe fand am 2. März 2024 statt. Seit April 2025 ist Pribyl auch stellvertretender Bischofskonferenz-Vorsitzender.
Pribyl vorerst auch Diözesanadministrator in Litomerice
Das Diözesangebiet der Erzdiözese Prag umfasst den Zentralraum um die tschechische Hauptstadt, wo nach kirchlichen Angaben rund 580.000 Katholiken unter den 2,4 Millionen Einwohnern leben. In seiner bisherigen Diözese Leitmeritz fand dieser Tage ein Gottesdienst zum Abschied Pribyls als Diözesanbischof statt. Seiner Heimatdiözese bleibt Pribyl aber vorerst auch als Übergangs-Administrator bis zur Ernennung eines neuen Bischofs erhalten.
Künftiger Erzbischof von Prag will auf mehr familiäre Strukturen im kirchlichen Leben setzen und betont dazu die Rolle von Ständigen Diakonen und deren Ehefrauen