Erzbischof Pribyl sieht sich in erstem Fernsehinterview nach seiner Amtseinführung als Vertreter einer "mittleren Position" und will dialogoffen sein - "Nur ein Verrückter würde sich nach diesem Posten sehnen"
Prag, 26.04.2026 (KAP) Der neue Prager Erzbischof Stanislav Pribyl hat den Wiener Kardinal Christoph Schönborn als sein Vorbild in Fragen der Amtsführung und Haltung bezeichnet. Schönborn sei ein "Mann der Mitte", der über Jahrzehnte hinweg unterschiedliche Strömungen in der Kirche zusammengehalten hat. So wolle er selber sein Amt als Vertreter einer "mittleren Position" anlegen: "Ich will nicht in irgendwelche Schubladen gesteckt werden", sagte Pribyl in einem Interview für das Tschechische Fernsehen, das im Anschluss an seine Amtseinführung am Samstag, 25. April, ausgestrahlt wurde.
In einer polarisierten kirchlichen Situation wolle er auf Ausgleich setzen. Sein Amt verstehe er daher auch als Dienstamt: "Nur ein Verrückter würde sich nach diesem Posten sehnen", so Pribyl unter Verweis auf die ständige öffentliche Beobachtung, unter der man stehe - und die Erwartungshaltung, sich auch zu politischen Fragen zu äußern. Hier werde er jedoch zurückhaltend auftreten: "Von mir wird keine technische Politik erwartet, sondern eine wertmäßige Orientierung".
Kritik an politischer Instrumentalisierung der Religion
Beispiele der künftigen Gratwanderung stellten etwa die in dem Interview angesprochenen Themen LGBTIQ+ und Familie dar: Einerseits bete er "für alle Menschen" und halte die Einordnung in sexuelle Kategorien für "zweitrangig". Andererseits sei die kirchliche Lehre in Fragen der "Ehe für alle" eindeutig und lehne dies ab. Die Ehe sollte der Beziehung von Mann und Frau vorbehalten bleiben und ein geschützter Raum für die Erziehung von Kindern sein.
Kritisch zeigte sich Pribyl gegenüber jeder Form der Instrumentalisierung von Religion - etwa durch US-Präsident Donald Trump. "Einen Messias in der Politik finden wir nicht", sagte der neue Prager Erzbischof. Auftrag der Kirche sei es, den Menschen Orientierung in einer unübersichtlicher werdenden Welt zu bieten - allerdings ohne dabei Druck auszuüben. Insbesondere junge Menschen würden rasch das Interesse verlieren, wenn man zu forsch auftrete. Stattdessen gelte es, persönliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen - nicht zuerst im digitalen Raum, sondern "offline": "Das Leben des Glaubens ist ein Offline-Leben", mahnte Pribyl abschließend.
An der feierlichen Amtseinführung nahmen u.a. Präsident Pavel und Kardinal Schönborn teil - Pribyl: Als Bischof Brücken bauen und kirchliche Erneuerung vorantreiben - Schönborn: Besonders auf jene Stimmen hören, die unbequeme Wahrheiten aussprechen