Türkei: Orthodoxer Patriarch von Antiochien besuchte Erdbebengebiet
27.04.202612:35
Türkei/Kirche/Erdbeben/Orthodoxe/Bischofsweihe
Kirchlicher Wiederaufbau im Zentrum der Gespräche von Patriarch Johannes X. Yazigi mit politisch Verantwortlichen - Patriarch feierte in Kirchenruinen Gedenkgottesdienst für Erdbebenopfer von 2023 - Weihe eines neuen Bischofs für antiochenische Christen in der Türkei
Ankara, 27.04.2026 (KAP) Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien, Johannes X. Yazigi, hat dieser Tage die türkische Provinz Hatay besucht. Dabei traf er u. a. mit dem Gouverneur der Provinz, Mustafa Masatli, zusammen. Wichtigster Anlass des Besuchs des Patriarchen war der kirchliche Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben von 2023 und die dafür notwendige Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden, wie das Portal "syriacpress" berichtete. Zudem weihte der Patriarch auch Archimandrit Paul Orduluoglu zum neuen Bischof von Tarsus in Mersin.
Das orthodoxe Patriarchat von Antiochien hat erst 2025 im Südosten der Türkei die neue Diözese errichtet, zu der die Provinzen Adana, Mersin und Alexandretta (Hatay) gehören. Ausgenommen ist die Stadt Antakya, also das antike Antiochia als historisches Zentrum des Patriarchats von Antiochien. Die Änderung der Verwaltungsstruktur erfolgt laut einer Mitteilung des Patriarchats auf Bitten der Gläubigen in der Region und sei von der pastoralen Sorge um sie getragen. Damit soll die christliche Gemeinschaft vor Ort gestärkt werden, die u. a. auch schwer an den Folgen des Erdbebens von 2023 zu leiden hat.
Patriarch Johannes traf bei seinem aktuellen Besuch in der Erdbebenregion u. a. mit dem Stadtrat von Antakya zusammen. Der Patriarch hob dabei die 2.000-jährige Geschichte des Christentums in der Region hervor und betonte, dass im antiken Antiochia (heute Antakya) jene Menschen, die sich zu Jesus Christus bekannten, erstmals als "Christen" bezeichnet wurden.
Im Februar 2023 erschütterte ein verheerendes Erdbeben den Süden der Türkei und Teile Nordsyriens. Zehntausende Menschen starben. Auch die christliche Minderheit in der Region Hatay wurde schwer getroffen. Nach Schätzungen leben dort mittlerweile nur mehr rund 10.000 orthodoxe Christinnen und Christen. Bis auf die in den Fels gehauene Petruskirche bei Antakya wurden alle Kirchen zerstört. Aber auch die Petruskirche wurde beschädigt und benötigt Restaurierungsarbeiten, wovon sich der Patriarch bei einem Besuch vor Ort laut "syriacpress" überzeugen konnte. Er feierte zudem mit den orthodoxen Gläubigen der Region in Antakya in der teilweise zerstörten griechisch-orthodoxen Kathedrale einen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Erdbebens.
Der Wiederaufbau der zerstörten Kirchen in der Region wird vermutlich noch viele Jahre dauern. Derzeit werden Zelte oder private Räume als Gebetsräume genutzt. Deshalb wird von den orthodoxen Christinnen und Christen das ehemalige Georgskloster in Altinözü Sarilar in der Nähe von Antakya zu einem Gemeindezentrum mit einer Kirche umgebaut. Dazu wurde ein eigenes Solidaritätskomitee gegründet. In Deutschland bemüht sich der "Zentralrat zur Förderung und Schutz der Kultur der Rum-Orthodoxen Christen von Antiochien" um die Finanzierung des Projekts (weitere Infos: https://zerocha.org/).
Die orthodoxen Christinnen und Christen in der Region Hatay gehören zum Patriarchat von Antiochien, einem der fünf großen altkirchlichen Patriarchate (neben Rom, Konstantinopel, Alexandria und Jerusalem). Die Gläubigen des Patriarchats feiern die byzantinische Liturgie (meist) in arabischer Sprache. In Österreich gibt es zwei etablierte Gemeinden der antiochenischen Kirche: in Wien und in Hall (Tirol). Zwei weitere kleine Gemeinden sind inzwischen auch in Linz und Salzburg entstanden.