Vier-Augen-Gespräch und gemeinsames Gebet im Apostolischen Palast im Vatikan - Papst erinnert an gemeinsamen Friedensauftrag der beiden Kirchen - Mullally: "Wir müssen immer Brücken bauen, niemals Mauern"
Vatikanstadt/Rom, 27.04.2026 (KAP) Sarah Mullally, Erzbischöfin von Canterbury und erstes weibliches Oberhaupt der Anglikanischen Gemeinschaft, ist am Montag von Papst Leo XIV. in Audienz empfangen worden. Bei der Begegnung im Apostolischen Palast würdigte der Papst die gemeinsamen Anstrengungen der beiden Kirchen für ihren vor 60 Jahren aufgenommenen Dialog, wie der Vatikan am Mittag mitteilte.
Zugleich erinnerte er an den gemeinsamen Friedensauftrag der beiden Kirchen. "Während unsere leidende Welt den Frieden Christi dringend benötigt, schwächen die Spaltungen unter Christen unsere Fähigkeit, diesen Frieden wirksam zu verkünden", so der Papst. Es gelte, sich unermüdlich im Sinne ihrer Einheit dafür einzusetzen, "alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die die Verkündigung des Evangeliums behindern".
Es wäre "ein Skandal", wenn Anglikaner und Katholiken nicht weiter daran arbeiteten, ihre Differenzen zu überwinden, "so unüberbrückbar sie auch erscheinen mögen", führte Leo aus. Sie sollten im Vertrauen auf den Heiligen Geist den "gemeinsamen Weg in Freundschaft und Dialog fortsetzen", schloss der Papst.
Mullally: "Wir müssen immer Brücken bauen, niemals Mauern"
Sie seien beide dazu berufen, "das Evangelium mit neuer Klarheit zu leben und zu verkünden", wandte sich Mullally laut Mitteilung der anglikanischen Kirche an Papst Leo. "Angesichts unmenschlicher Gewalt, tiefer Spaltung und rascher gesellschaftlicher Veränderungen müssen wir weiterhin eine Geschichte voller Hoffnung erzählen: dass jedes menschliche Leben unendlichen Wert hat, weil wir kostbare Kinder Gottes sind; dass die Menschheitsfamilie dazu berufen ist, als Schwestern und Brüder zu leben, sagte die Erzbischöfin. "Wir müssen daher gemeinsam für das Gemeinwohl arbeiten - immer Brücken bauen, niemals Mauern."
Ausdrücklich würdigte Mullally "die vielen vertrauensvollen Beziehungen" zwischen den beiden Kirchen; diese seien "Zeichen eines gemeinsamen Vertrauens in das Evangelium Jesu Christi". Der Dialog zwischen Anglikanern und Katholiken wird unter anderem durch die Arbeit der Internationalen Anglikanisch-Katholischen Kommission (ARCIC) und der Internationalen anglikanisch-römisch-katholischen Kommission für Einheit und Mission (IARCCUM) gepflegt.
Erste Auslandsreise der Erzbischöfin von Canterbury
Nach dem Vier-Augen-Gespräch von Papst Leo XIV. mit Erzbischöfin Mullally fand ein gemeinsames Gebet der beiden in der Kapelle von Papst Urban VIII. im Apostolischen Palast statt.
Mullally (64), langjährige Bischöfin von London, war am 25. März in ihr Amt als Erzbischöfin von Canterbury eingeführt worden. Der aktuelle, mehrtägige Besuch in Rom ist ihre erste Auslandsreise. Er findet 60 Jahre nach der Begegnung von Papst Paul VI. (1963-78) mit dem damaligen Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey, statt, die damals vereinbarten, zum ersten Mal seit der Reformation einen formellen Dialog zwischen Anglikanern und Katholiken aufzunehmen.
Gebet an den Apostelgräbern
Erzbischöfin Mullally hält sich seit Samstag in Rom auf. Zur Delegation der Erzbischöfin gehört auch der römisch-katholische Erzbischof von Westminster, Charles Phillip Richard Moth.
Sie hatte an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus im Petersdom bzw. in St. Paul vor den Mauern gebetet, wie Lambeth Palace in London mitteilte. In der Basilika im Süden Roms wurde am 24. März 1966 das erste formelle ökumenische Dokument zwischen den beiden Kirchen unterzeichnet.
Die Erzbischöfin trifft in Rom außerdem Vertreter der Vatikanbehörde zur Förderung der Einheit der Christen. Am Montagabend hält sie einen Gottesdienst in der Kirche St. Ignatius von Loyola. Dabei soll Bischof Anthony Ball, Direktor des Anglikanischen Zentrums in Rom, als Vertreter des Erzbischofs von Canterbury beim Heiligen Stuhl eingesetzt werden.
Am Dienstag besucht Mullally Flüchtlingsinitiativen beider Kirchen: im Joel Nafuma Refugee Centre (JNRC) in der anglikanischen Kirche St. Paul innerhalb der Mauern und bei der Gemeinschaft Sant'Egidio.