Susanne Schenk folgt als Generalsekretärin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) auf Mario Fischer - Feierliche Amtsübergabe am Montag in Wien
Wien, 28.04.2026 (KAP) Bei einem feierlichen Gottesdienst in der Lutherkirche in Wien-Währing wurde am Montagabend die neue Generalsekretärin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Susanne Schenk, in ihr Amt eingeführt. Sie übernimmt das Leitungsamt von Mario Fischer, der im Gottesdienst feierlich entpflichtet wurde. Fischer leitete als Generalsekretär die Geschäftsstelle der GEKE seit 2019 und wechselt nun an das Konfessionskundliche Institut in Bensheim in Deutschland.
Der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) gehören 96 lutherische, reformierte, unierte und methodistische Kirchen in Europa und Übersee an. Die GEKE hat ihren Sitz seit 2007 in Wien. Mit Susanne Schenk übernimmt eine Theologin der Evangelischen Landeskirche in Württemberg das Amt der Generalsekretärin. Sie war zuvor als Ökumenereferentin mit Schwerpunkt auf interkonfessionellen Dialogen und europäischen Kirchenbeziehungen tätig.
"Christus ist mitten unter uns - oft unerkannt, und doch geht er mit uns auf dem Weg." - Diesen Leitgedanken der biblischen Emmaus-Erzählung stellten Fischer und Schenk ins Zentrum ihrer Dialogpredigt, die sie an verschiedenen Stationen der Kirche hielten. "Christen sind die, die sich auf den Weg machen, sie sind gemeinsam auf dem Weg", sagte Fischer. Und die Verantwortung, zu der Christen gerufen seien, sei eher "Weggemeinschaft statt Herrschaftsanspruch", meinte Schenk. An der Emmaus-Geschichte zeige sich: "Aus Verwirrung wird Verstehen."
Es brauche diesen "Weg hinunter in unseren Alltag, damit uns bewusst wird, wie eine Einsicht unser Leben und unseren Alltag verändert", betonte Fischer. "Eine Gemeinschaft, die vom Himmel gespeist wird, trägt bis in die Tiefe. Auch ganz unten", bekräftigte Schenk. Sie werde lebendig im geschwisterlichen Miteinander und in der Weggemeinschaft, die sich auch in "beglückenden Zusammenkünften über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg" zeige, ebenso wie im Leben einer einzelnen Gemeinde vor Ort.
An der Kanzel hoben Fischer und Schenk die Vielfalt kirchlicher Traditionen hervor. Unterschiedliche Zugänge zu Christus seien keine Gegensätze, sondern Ausdruck gelebter Einheit: "Alle suchen Christus mit Ernst - und alle auf ihre Weise."
Bei der Einführung würdigte der Württemberger Bischof Ernst-Wilhelm Gohl die neue Generalsekretärin als "kluge Theologin, die Menschen in wunderbarer Weise zugewandt ist". Zugleich sei Schenk "ausgewiesene Ökumene-Expertin", die die GEKE als "Netzwerk der Verständigung und Versöhnung" weiterentwickeln werde. Mario Fischer dankte Gohl für seinen "unermüdlichen Einsatz" in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern, die er "gestärkt und vertieft" habe.
Bischöfin Richter würdigt GEKE
Die Geschäftsstelle der GEKE hat seit 2007 ihren Sitz in Wien. Von hier aus entwickelt sie ihre Tätigkeit für 96 Mitgliedskirchen mit insgesamt 40 Millionen Mitgliedern. Darin liegen enorme "diplomatische Chancen und Aufgaben", meinte die österreichische evangelisch-lutherische Bischöfin Cornelia Richter in ihrem Grußwort. Die GEKE biete ein "unverzichtbares Forum, weil sie vom aktiven und aufrichtigen Austausch lebt, weil wir in ihr voneinander lernen können, uns gegenseitig beraten und unterstützen".
In Krisenzeiten würden Kirchen und Religionsgemeinschaften "Gott sei Dank immer wieder eine tragende und dem Frieden dienende Rolle einnehmen", erklärte die Bischöfin, "sie helfen dabei, für einzelne Menschen und für die Gesellschaft als Ganzes Sinn, Gemeinschaft und Resilienz zu finden". Es sei wichtig, "selbstbewusst und aktiv" auf globale ebenso wie auf regionale Herausforderungen zuzugehen, dazu gehöre auch die Überzeugung, "dem drohenden neuen Fundamentalismus und der Tendenz zur Radikalisierung standzuhalten".
Dem scheidenden Generalsekretär dankte die Bischöfin, dass er die GEKE "mit beeindruckender Umsicht und Zukunftsorientierung" geführt habe. Richter dankte auch der neuen Generalsekretärin, die die Agenden "nahtlos weiterführen" und die "hohe Bedeutung der GEKE für Österreich und Europa theologisch und politisch nachhaltig zur Geltung bringen" werde.
Frieden und Zusammenhalt in Europa
Der Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Frank-Dieter Fischbach, betonte die Bedeutung der Ökumene für Frieden und Zusammenhalt in Europa. Angesichts wachsender nationaler Abschottung und gesellschaftlicher Polarisierung sei das gemeinsame christliche Zeugnis unverzichtbar und die Bedeutung ökumenischer internationaler Zusammenarbeit "nicht zu unterschätzen".
Martin Fischer, Vertreter des Kultusamtes im Bundeskanzleramt, hob die institutionelle Entwicklung der GEKE in Wien hervor. Besonders die Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts im Jahr 2019 habe die operative Handlungsfähigkeit entscheidend gestärkt. Der Staat Österreich sehe es als "großes Renommee", dass sich der Sitz der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa in Wien befinde, so der Vertreter des Kultusamtes.
Ins Amt eingeführt wurde Susanne Schenk durch die Präsidentin der GEKE, Rita Famos (Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) gemeinsam mit den Ko-Präsidenten Bischof Marko Tiitus (Estnische Kirche) und dem Theologen Prof. Georg Plasger (D). Die Liturgie gestaltete die österreichische evangelisch-lutherische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler gemeinsam mit der stellvertretenden Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, sowie mehreren Vertreterinnen und Vertretern aus GEKE-Mitgliedskirchen.