"Verein der Freunde religiöser Bildung" präsentierte in Wien Publikation über Lebenswege von 19 Theologen nach dem Konzil
Wien, 29.04.2026 (KAP) Mit einer gut besuchten Veranstaltung im Stephanisaal in Wien hat der "Verein der Freunde religiöser Bildung" vergangene Woche aktuelle Publikationen präsentiert und seine 25-jährige Entwicklung nachgezeichnet. Im Zentrum stand die Buchvorstellung des Bandes "Mensch, was ist aus Dir geworden. 19 Persönlichkeiten der Jahrgänge 1946-1948 erzählen ihren Weg zum Theologiestudium in Wien und ihren Lebensweg danach", moderiert von Paul M. Zulehner.
Der Verein wurde 2001 von einem kleinen Initiativkreis gegründet, der die gesellschaftliche Bedeutung des Religionsunterrichts stärker sichtbar machen wollte. Ziel war es, "der großen gesellschaftlichen Akzeptanz des Gegenstandes eine juristische Form zu verleihen" und bewusst zivilgesellschaftliche Stimmen einzubinden. Zu den prägenden Persönlichkeiten der Anfangszeit zählten unter anderem Johannes Huber, Gerhard Weis sowie Walter Rechberger. Schon früh wurde die Initiative auch kirchlich wahrgenommen: Kardinal Franz König sprach damals von "einem ganz wichtigen Signal im Sinn des II. Vatikanums".
Religionsdialog, Schülerkalender und Buchreihe
In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein von einer Plattform zur Unterstützung des katholischen Religionsunterrichts hin zu einem breiter aufgestellten Forum für religiöse Bildung insgesamt. In Abstimmung mit anderen Kirchen erfolgte zunächst eine Öffnung in ökumenische Richtung, später auch eine stärkere interreligiöse Zusammenarbeit. Seit 2016 wird verstärkt auf Kooperationen zwischen den abrahamitischen Religionen gesetzt, parallel zu Entwicklungen in der Lehrerbildung und im schulischen Religionsunterricht.
Zu den bekanntesten Projekten zählt ein interreligiöser Schülerkalender, der zwischen 2004 und 2014 in großer Auflage erschien und europaweit verbreitet wurde. Mit rund 1,2 Millionen kostenfrei verteilten Exemplaren entwickelte sich dieser zu einer der erfolgreichsten Initiativen des Vereins.
Seit 2019 gibt der Verein zudem die wissenschaftliche Reihe "Religion & Bildung" heraus. Inzwischen liegen zwölf Bände vor, die Themen aus Theologie, Pädagogik und Zeitgeschichte behandeln. Bei der aktuellen Veranstaltung wurden mehrere Neuerscheinungen vorgestellt, darunter ein zweibändiges Werk zum Verhältnis von Schule, Kirche und Staat, ein Band zur Geistes- und Theologiegeschichte des 19. Jahrhunderts sowie Studien zur Geschichte theologischer Institutionen.
Erinnerungsprojekt gegen die "Geschichtsvergessenheit"
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der biografische Sammelband "Mensch, was ist aus Dir geworden?", herausgegeben von Martin Jäggle und Christine Mann. Darin schildern 19 Theologen ihre Lebenswege, die in einer Zeit des Umbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil begannen. Die Beiträge zeigen, wie traditionelle Laufbahnen hinterfragt und neue berufliche Wege eingeschlagen wurden - von kirchlichen Tätigkeiten bis hin zu Engagements in Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft.
Die Herausgeber verweisen darauf, dass solche Erinnerungsprojekte helfen könnten, "neuere und zugleich vertiefte Sichtweisen auf die Vergangenheit" zu gewinnen. Zugleich solle damit einer zunehmenden "Geschichtsvergessenheit" entgegengewirkt werden. Moderator Zulehner griff diesen Gedanken auf und stellte eine offene Frage: "Wer wird wohl an die Katholisch-Theologische Fakultät die Frage stellen: Und was ist aus Dir geworden?"
Angesichts des großen Interesses ist für Herbst eine weitere Präsentation geplant, bei der zusätzliche Autorinnen und Autoren zu Wort kommen und den begonnenen Austausch fortsetzen sollen, so die Veranstalter.