In Jerusalem tätiger Benediktiner in Sorge über anhaltenden Schwund einheimischer Christen und anhaltende Diskriminierung
München/Jerusalem, 29.04.2026 (KAP/KNA) Der Benediktinerpater Nikodemus Schnabel sorgt sich um die Zukunft des Christentums im Nahen Osten. Zwar blieben die heiligen Stätten bestehen, doch womöglich gebe es künftig kein reguläres christliches Leben mehr, sagte der Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem. Das teilte das katholische Hilfswerk "Kirche in Not" am Mittwoch in München mit. "Meine Sorge ist, dass das Heilige Land zu einer Art 'christlichem Disneyland' werden könnte", sagte Schnabel demnach.
Der Abt ergänzte: "Der Ort, an dem die wichtigsten Ereignisse unseres Glaubens stattgefunden haben, läuft Gefahr, seine einheimischen Christen zu verlieren." Christen aller Konfessionen machten vor Ort weniger als zwei Prozent der Bevölkerung aus.
Für die einheimischen Christen geht es dem Ordensmann zufolge vor allem ums wirtschaftliche Überleben. Damit christliche Familien im Heiligen Land blieben, sei die Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen nötig.
Mutterschaft als Verbrechen
Schnabel kritisierte zudem, dass viele christliche Arbeitsmigranten in Israel unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt seien. Er sprach von eingezogenen Pässen, eingeschränkten Möglichkeiten des Arbeitgeberwechsels, Familientrennungen und einem rechtlichen Rahmen, der in der Praxis die Mutterschaft mancher ausländischer Arbeitnehmerinnen bestrafe.
"In den Augen des Systems kann die 'kriminellste' Handlung darin bestehen, Ja zum Leben zu sagen", sagte Schnabel mit Blick auf Frauen, die sich gegen eine Abtreibung entscheiden. Sie riskierten dadurch, gemeinsam mit ihren Kindern in eine irreguläre Situation zu geraten.
Weder Israeli noch Palästinenser
Der Abt berichtete überdies von einer wachsenden Feindseligkeit gegenüber Christen seitens extremistischer jüdischer Gruppen. Es gebe Anspucken auf offener Straße, Vandalismus, Brandstiftung, Schändung und Hassgraffiti. Mitglieder der israelischen Regierung hätten solche Haltungen legitimiert oder begünstigt.
Der Benediktiner verwies darauf, dass viele Christen im Heiligen Land weder in der israelischen noch in der palästinensischen nationalen Erzählung als zugehörig wahrgenommen würden. Vor dem Hintergrund wachsender Polarisierung bekräftigte Schnabel die Haltung der Ortskirche: "Wir sind weder proisraelisch noch propalästinensisch, sondern pro Mensch."