St. Virgil Direktor Jakob Reichenberger warnt vor Verlust des Miteinanders: "Das Riesenthema, das uns momentan überall betrifft, ist dieses fehlende Miteinanderreden und dieses Vereinzeln von Meinungen"
Salzburg, 30.04.2026 (KAP) Das Salzburger Bildungszentrum St. Virgil feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen. Direktor Jakob Reichenberger sieht die Einrichtung als "Seismographen" für gesellschaftliche Entwicklungen und warnt zugleich vor wachsender Polarisierung: "Das Riesenthema, das uns momentan überall betrifft, ist dieses fehlende Miteinanderreden und dieses Vereinzeln von Meinungen", sagte er in einem Interview mit der Salzburger Kirchenzeitung "Rupertusblatt" (aktuelle Ausgabe). Das Bildungszentrum der Erzdiözese Salzburg veranstaltet jährlich rund 1.200 Programme mit etwa 30.000 Gästen. Zum Jubiläum findet am Donnerstag (30. April) ein Festakt sowie eine öffentliche Feier mit Ausstellungen und künstlerischem Programm statt.
Gegründet 1976 im Umfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils, sollte St. Virgil laut Reichenberger zur Bildung und "Emanzipation im Glauben" beitragen sowie persönliche Entwicklung fördern. Früh habe man auf Schwerpunkte wie Frauenbildung und interreligiösen Dialog gesetzt. "In beiden Bereichen war St. Virgil ein Stück weit Vorreiter", so der aktuelle Hausherr. Heute verstehe sich das Haus als Ort, der gesellschaftliche und kirchliche Bedarfe aufgreift und in Bildungsangebote übersetzt.
Dialog fördern
Als aktuelles zentrales Anliegen formulierte Reichenberger, gesellschaftliche Gräben überbrücken zu wollen: "Auch mal zu streiten, sich aber trotzdem in die Augen schauen zu können", so Reichenberger über die Zielrichtung von Dialogformaten, die Menschen aus unterschiedlichen "Bubbles" zusammenbringen sollen. Neben Bildung und Begegnung bleibe auch das Thema Spiritualität eine tragende Säule: Sie gebe "Wurzeln" und sei Teil eines pastoralen Verständnisses von Erwachsenenbildung. "Wir versuchen, im christlichen Kontext von der Kontemplation bis zu anderen Formen eine gute Bandbreite abzubilden und sehen die Erwachsenenbildung auch als Teil eines pastoralen Wirkens", so der Leiter des Bildungshauses.
Ort der Gemeinschaft
"Menschen, die zu uns kommen, suchen dieses Erlebnis der Gemeinsamkeit", so Reichenberger, der zudem die Vernetzung mit anderen Anbietern von Erwachsenenbildung betonte. Auch wenn digitale Angebote wichtig seien, könnten diese persönliche Begegnung nicht ersetzen. St. Virgil positioniere sich daher bewusst als Präsenzort, an dem Lernen, Austausch und Gemeinschaft zusammenkommen, sagte Reichenberger.
Zugleich beobachte er einen "Wissensverlust", "dem wir mit Bildungsangeboten begegnen. Damit uns nicht jede Thematik sofort aus der Bahn wirft". Bildungsangebote sollten helfen, Menschen auf Lebenssituationen vorzubereiten und Orientierung zu geben.