Batlogg zu Papst Leo: "Der Löwe zeigt endlich Zähne"
30.04.202611:50
Österreich/Vatikan/Papst/Kirche/Leute/Leo/Batlogg
Ordensmann und Papst-Biograf Batlogg in Interview mit Kirchenzeitungen: Leo XIV. ist nach nach einem Jahr nun "hineingewachsen ins Amt" - "Einen Papst Leo gäbe es nicht ohne Franziskus" - Thema Synodalität bleibt auch unter Leo wichtig
Wien/Vatikanstadt, 30.04.2026 (KAP) Ein Jahr nach Amtsantritt am 8. Mai 2025 ist Papst Leo XIV. "hineingewachsen ins Amt" und zeigt Profil. Hatte man unter Robert Francis Prevost anfänglich ein "Pontifikat der leisen Töne" vermutet, so werde er inzwischen "direkter und lockerer", zieht der Ordensmann und Papst-Biograf P. Andreas Batlogg eine erste positive Jahresbilanz. Gerade im Rahmen der jüngsten Afrikareise und der zeitgleich von US-Präsident Donald Trump geäußerten Kritik am Papst habe dieser Profil gewonnen: "Gegen die martialische Kriegsrhetorik des US-Präsidenten grenzt sich Papst Leo deutlich ab. Er zeigt, dass er ein Global Player ist. In diesem Sinn hat er die Feuertaufe bestanden. (...) Aus meiner Sicht zeigt der Löwe endlich Zähne", sagte Batlogg im Gespräch mit der Kooperationsredaktion der Kirchenzeitungen.
Gewiss sei Leo "nicht so spontan, impulsiv und unkonventionell" wie sein Vorgänger Franziskus - er pflege bewusst einen "anderen Stil", bleibe aber inhaltlich nah an Franziskus: "Wenn er klar benennt, dass die Welt von wenigen Tyrannen dominiert wird, die das Völkerrecht missachten, dass Geschäftsleute statt Diplomaten an den Verhandlungstischen sitzen, dass man doch Flüchtlinge nicht schlechter als Haustiere behandeln dürfe, ist er inhaltlich nahe an dem, was Franziskus vertreten hat."
Ohne Franziskus kein Papst Leo
Überhaupt sieht der Ordensmann eine enge Verbindung zwischen den beiden Päpsten - etwa ganz praktisch im Blick auf die Ernennung von Prevost zum Kardinal: "Einen Papst Leo gäbe es nicht ohne Franziskus. Franziskus hat ihn 2023 aus Peru in den Vatikan geholt. Das hätte er nicht machen müssen. Franziskus machte ihn zum Kardinal und brachte ihn somit ins Konklave."
Positiv hob Batlogg im Interview außerdem hervor, dass Leo aufgrund seiner langjährigen bischöflichen Tätigkeit in Peru "beide Welten" kenne und daher auch "einen schärferen Blick auf die Klimaproblematik oder die Generationengerechtigkeit" habe als andere. Außerdem spreche er viele Sprachen und wirke mit seinen 70 Jahren "recht jung und fit".
Synodalität: Bleibendes Thema der Kirche im 21. Jahrhundert
"Sehr wichtig" sei Leo außerdem das von Franziskus eröffnete Thema der Synodalität. "Er wird wie Franziskus keinen Zweifel daran lassen, dass Synodalität 'sub et cum petro' stattfindet, also mit und unter dem Papst." Papst Leo sei ein guter Zuhörer, aber er wolle dabei die Zügel in der Hand behalten - "und ich glaube, das ist jetzt genau das, was wir brauchen", so Batlogg weiter. Synodalität stelle ein "probates Mittel" dar, um Kirche zu gestalten. Es gehe dabei allerdings "nicht um eine andere Kirche, sondern um Kirche anders."
Bei all dem - und auch bei der angekündigten ersten Enzyklika von Papst Leo XIV. - gehe es dem Papst stets um die Frage, wie die Kirche im 21. Jahrhundert aufgestellt sein sollte: "Wir können ja nicht mit Antworten von vorgestern auf Problematiken von heute und morgen oder übermorgen reagieren. Und da wirkt er auf mich sehr fit, sehr wach, sehr sensibel."
Der Ordensmann und Theologe Andreas Batlogg stammt aus Österreich. Er war u.a. Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Seit 2025 lebt er in Wien. 2025 veröffentlichte er die erste deutschsprachige Biografie von Papst Leo XIV. im Herder-Verlag.
(Weitere Meldungen und Hintergründe zum ersten Jahrestag der Wahl von Papst Leo XIV. im Kathpress-Dossier unter www.kathpress.at/ein-jahr-papst-leo)