ABC zu einem Jahr Leo XIV.: Was unter dem Amerikaner anders ist
30.04.202611:56
Vatikan/Papst/Kirche/Gesellschaft
Ein Papst zwischen Smartwatch und Mozzetta - Von Severina Bartonitschek
Vatikanstadt, 30.04.2026 (KAP) Leo XIV. setzt Grenzen und öffnet zugleich Türen: Mit dem gebürtigen US-Amerikaner, der am 8. Mai 2025 zum Papst gewählt wurde, weht ein neuer Regierungsstil durch die Weltkirchenverwaltung im Vatikan. Und auch persönlich macht Leo XIV. vieles anders als sein Vorgänger Franziskus. Ein Überblick in fast vollständiger ABC-Form:
A wie Apostolischer Palast: Der Papst lebt wieder in seinem Palast. Nachdem Vorgänger Franziskus eine Wohnung im vatikanischen Gästehaus vorgezogen hat, zieht Leo XIV. wieder in die vorgesehenen Papstgemächer - nach zehn Monaten Sanierungsarbeiten. Eine Änderung soll es im "Appartamento" aber wohl doch gegeben haben: Das päpstliche Schlafzimmer liegt jetzt eine Etage höher, unterm Dach.
A wie Augustinus/Augustiner: Bis 2013 leitete Leo XIV. den Augustinerorden, verbrachte zuvor viele Jahre als Ordensmann in Peru. Ein Erbe aus dieser Zeit sind die Zitate des Namensgebers seiner Gemeinschaft in vielen Ansprachen und Predigten. Vom 13. bis 15. April besucht Leo XIV. die alte Wirkungsstätte des heiligen Augustinus von Hippo in Algerien.
B wie Boomer: Mit Leo XIV. ist nun auch die Leitung der katholischen Kirche mit einem Boomer besetzt. Er war einer der sehr vielen Nachkommen in der späten Nachkriegszeit, deren Generation darum den Namen "Baby-Boomer" trägt. Er wurde am 14. September 1955 als Robert Francis Prevost in Chicago geboren und hat noch zwei ältere Brüder.
B wie Berater: Jeder Papst braucht Berater, und er wechselt sie je nach Erfahrung auch wieder aus. Aktuell setzt Leo XIV. hauptsächlich auf Vertraute aus dem Augustinerorden und von den Salesianern Don Boscos. Zwei enge Beraterinnen sind Ordensfrauen.
C wie Castel Gandolfo: Von Franziskus verpönt, von Leo XIV. geliebt: Er verbringt regelmäßige Auszeiten in der päpstlichen Sommerresidenz nahe Rom. Üblicherweise von Montag auf Dienstag genießt er die Abgeschiedenheit in den weitläufigen Gärten der Anlage.
D wie Diözese Rom: Qua Amt ist der Papst auch Bischof von Rom. Dass Leo XIV. diese Aufgabe ernst nimmt, zeigt sich bei Pfarrbesuchen und mit der Rücknahme der Strukturreform von 2023. Damals hatte sein Vorgänger Franziskus die Diözese neu geordnet. Anfang des Jahres ernannte Leo XIV. zudem gleich vier neue Weihbischöfe. Damit hat Rom mehr Bischöfe als jede andere Diözese in Europa.
E wie Enzyklika: Mit Spannung wird das erste höchstrangige Lehrschreiben von Leo XIV. erwartet. Mehrfach verschob er das Datum seiner Veröffentlichung. Beobachter erwarten die Enzyklika, die sich mit Künstlicher Intelligenz und ihren Folgen befassen soll, nun im Mai.
F wie Frauen: Zuletzt beschrieb eine vatikanische Studiengruppe die Frauenfrage in der katholischen Kirche als dringlich. Ein klares Votum für Frauen in Weiheämtern blieb jedoch bisher aus. Die baldige Einführung eines Frauendiakonats ist unter Leo XIV. nicht zu erwarten. Wie sein Vorgänger setzt er mehr auf weibliche Führungskräfte in der Verwaltung.
G wie Gericht: Gerade noch predigte der Papst die Relevanz der Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit auch im Vatikan, da wurde ein vatikanischer Jahrhundertprozess teilweise wieder aufgerollt. Bei dem Verfahren rund um eine Londoner Immobilie wurde erstmals ein Kardinal zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Querelen um den Prozess beschäftigen den Zwergstaat seit Jahren.
H wie Heiliges Jahr: Die enge Taktung der Jubiläums-Veranstaltungen bestimmte die ersten sieben Monate von Leos XIV. Amtszeit. Schon einen Tag nach dem "Giubileo" rief er dann seine Kardinäle zu Beratungen in Rom zusammen: Beim Konsistorium berieten 170 Männer in Rot über Mitbestimmung und Glaubensverkündigung. Ein weiteres Treffen soll Ende Juni folgen.
I wie Internet: Wo Franziskus eine analoge Armbanduhr trug, befindet sich bei Leo XIV. eine Smartwatch. Im Internet ist der Papst auf vielen Kanälen aktiv. Und auch zum Sprachenlernen soll sich Leo XIV. einer App bedienen. Eine Person mit einem Profil, das zu seinen Daten passt, übt nachts Deutsch.
I wie Interviews: Genau ein langes Interview hat Leo XIV. in seinem ersten Amtsjahr gegeben, bei seinem Vorgänger häuften sich Gespräche mit Pressevertretern. Doch führte der Amerikaner, wohl eher aus Versehen, eine informelle Fragegelegenheit für Medien in Castel Gandolfo ein. Dann wollte er sich wieder davon zurückziehen. Doch so ganz klappte das nicht, und so gibt er den dort wartenden Journalisten noch immer Statements, nun aber meist knapp und inhaltlich überschaubar.
J wie Jung: Leo XIV. wurde im Alter von 69 Jahren zum Papst gewählt. Damit ist er deutlich jünger als seine Vorgänger Franziskus (mit 76) und Benedikt XIV. (mit 78). Entsprechend fit wirkt der sportbegeisterte US-Amerikaner, die Sorgen um die Papst-Gesundheit der letzten Jahre sind vergessen. Noch jünger bei Amtsantritt war Johannes Paul II. mit 58 Jahren. Er fuhr regelmäßig Ski in den Bergen.
K wie Kirche in Deutschland: Die erhofft sich ein Einlenken des Vatikans bei der Frage nach mehr Mitbestimmung von Laien in der Kirche. In seiner Zeit als Leiter der Bischofsbehörde nahm Leo XIV. an den Gesprächen mit deutschen Vertretern regelmäßig teil. Die neue Synodalkonferenz wartet noch auf Zustimmung. Allzu sehr von der Weltkirche abweichenden Reformforderungen aus Deutschland erteilte er aber bereits eine Absage.
L wie Lateran: Die Lateranbasilika ist Leos XIV. Bischofskirche in Rom. Anders als Franziskus, der Gefängnisse und Flüchtlingsheime zu Gründonnerstag besuchte, nahm Leo XIV. die traditionelle Fußwaschung dort vor - wie bereits viele seiner Vorgänger.
M wie Mozetta: Mochte es Franziskus besonders schlicht, kehrt Leo XIV. zu prunkvolleren liturgischen Gewändern zurück. Gleich bei seiner ersten Vorstellung als Papst trug er beispielsweise eine rote Satin-Mozetta über dem weißen Talar. Die Zeitschrift "Vogue" zählte ihn zu den 55 bestgekleideten Persönlichkeiten des Jahres 2025.
M wie Missbrauch: Hier schlägt der aktuelle Papst andere Töne an als sein Vorgänger. Neben der Fürsorge für Betroffene mahnt er auch einen gerechten Umgang mit Beschuldigten und mit Tätern an.
P wie Personal: Bislang hat Leo XIV. erst wenige Personalentscheidungen in seiner Weltkirchenverwaltung getroffen. Er besetzte seine alte Stelle in der Bischofsbehörde neu, den freigewordenen Posten im Dikasterium für Gesetzestexte bekleidet nun ein Australier. Der Mann für die Armenfürsorge ist jetzt ein Mitbruder aus dem Augustinerorden. Weitere vier Behördenleiter haben das Rücktrittsalter von 75 Jahren überschritten und sind bald "fällig".
P wie Politik: Leo XIV. setzt wieder auf die Vatikan-Diplomatie im Hintergrund. Er vermeidet die symbolhaften Aktionen und mitunter harten Verurteilungen seines Vorgängers. Allerdings wurde er mit seiner scharfen Kritik an US-Präsident Donald Trump und dessen Vernichtungs-Drohung gegen den Iran außergewöhnlich deutlich.
R wie Reisen: Zwar ging auch Leo XIV. mit seinem Besuch im Libanon und der Afrikareise an die Ränder der Welt. Aber er besuchte im Frühjahr auch schon das Fürstentum Monaco und reist Anfang Juni nach Spanien.
R wie Reformen: Das größte Reformprojekt seines Vorgängers, die Weltsynode zu mehr Mitbestimmung aller Katholiken, führt Leo XIV. weiter. Ansonsten scheint er einige Entscheidungen seines Vorgängers, etwa in der Frage der alten Liturgie, revidieren zu wollen. Im Oktober will er mit Bischöfen über Franziskus' Reform zu Ehe und Familie debattieren.
S wie Sprachen: Mit Leo XIV. sind mehr Sprachen in den Vatikan eingezogen. Neben seiner Muttersprache Englisch spricht der Papst fließend Italienisch und Spanisch. Auf Französisch schlägt er sich passabel, sein Deutsch ist ausbaufähig.
S wie Schweizergarde: Üben kann er Deutsch mit seinem neuen Kammerdiener. Der Ex-Schweizergardist stammt aus dem Kanton Sankt Gallen in der Schweiz.
T wie Traditionalisten: Vereinnahmen lässt sich Leo XIV. weder von progressiven noch von konservativen Kirchenkräften. Traditionalisten setzten zu Beginn große Hoffnungen in den Amerikaner, was die breitere Zulassung der sogenannten Alten Messe angeht. Doch noch ist offen, was er dazu plant. Auf jeden Fall setzt er auf Dialog mit allen "Lagern" seiner Kirche.
U wie USA: Lange galt ein katholisches Kirchenoberhaupt aus den USA als unmöglich. Doch mit Leo XIV. bestieg der erste "Ami" den Papstthron. Stereotyp amerikanisch ist er allerdings nicht. Besonders geprägt haben ihn seine vielen Jahre als Ordensmann und Bischof in Peru.
V wie Vorgänger: Trotz des Revidierens einiger Entscheidungen von Franziskus zeigt er sich mehrheitlich in Kontinuität mit seinem direkten Vorgänger. Ihn wie auch die Päpste davor erwähnt er stets wohlwollend bis liebevoll.
Z wie zaghaft in die Zukunft: Seine Aufgaben geht Leo XIV. überlegt und ohne Hektik an. Bei seinem Versuch, möglichst alle Beteiligten mit ins Boot zu holen, wirkt er jedoch mitunter zögerlich. Aber in seinem Alter hat er als Papst wohl noch viel Z wie Zeit.
(Weitere Meldungen und Hintergründe zum ersten Jahrestag der Wahl von Papst Leo XIV. im Kathpress-Dossier unter www.kathpress.at/ein-jahr-papst-leo)
Ordensmann und Papst-Biograf Batlogg in Interview mit Kirchenzeitungen: Leo XIV. ist nach nach einem Jahr nun "hineingewachsen ins Amt" - "Einen Papst Leo gäbe es nicht ohne Franziskus" - Thema Synodalität bleibt auch unter Leo wichtig