Caritas-Präsidentin Tödtling-Musenbichler: Mehr als jeder zweite Langzeitarbeitslose armutsgefährdet - Bundesmittel rasch zu Maßnahmen bringen, mehr Angebote für Wiedereinstieg und Valorisierung des Arbeitslosengeldes
Wien, 30.04.2026 (KAP) Am "Tag der Arbeitslosen" (30. April) hat die Caritas auf die zunehmend schwierige Lage für arbeitssuchende Menschen in Österreich hingewiesen. Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler zeichnete ein besorgniserregendes Bild und forderte rasche politische Maßnahmen. "Die Lage am Arbeitsmarkt ist angespannt, die Zahl der arbeitssuchenden Personen steigt - und gleichzeitig stehen viele vor massivem finanziellen Druck durch hohe Lebenshaltungskosten", erklärte sie.
Besonders kritisch sei die Situation für Langzeitbeschäftigungslose. "Von aktuell mehr als 100.000 Betroffenen ist über die Hälfte armutsgefährdet", betonte Tödtling-Musenbichler. Zudem gebe es "einen überdurchschnittlichen Anstieg bei arbeitslosen Frauen", was zusätzliche sozialpolitische Herausforderungen mit sich bringe.
Die von der Bundesregierung angekündigten zusätzlichen Mittel von 100 Millionen Euro für den Arbeitsmarkt wertete die Caritas-Präsidentin als wichtigen Schritt, mahnte jedoch zur Eile bei der Umsetzung: "Jetzt kommt es darauf an, diese Mittel rasch in wirksame Maßnahmen zu übersetzen und insbesondere auch gezielte Angebote für den Wiedereinstieg von Langzeitbeschäftigungslosen auszubauen."
Strukturelle Verbesserungen nötig
Zugleich pochte Tödtling-Musenbichler auf strukturelle Verbesserungen bei Sozialleistungen. "Ein valorisiertes Arbeitslosengeld und eine absichernde Notstandshilfe sind entscheidend", sagte sie. "Das Arbeitslosengeld muss auch bei längerer Jobsuche vor Armut schützen - gerade jetzt, wo der Druck auf viele Menschen weiter steigt." Einschränkungen beim Zuverdienst würden hingegen "die Situation zusätzlich verschärfen und kontraproduktiv für den Wiedereinstieg wirken".
Mit deutlichen Worten wandte sich die Caritas-Präsidentin gegen mögliche Änderungen bei der Notstandshilfe: "Mit großer Sorge sehen wir Überlegungen, das Partnereinkommen anzurechnen. Das würde insbesondere Frauen treffen, ihre Abhängigkeit verstärken und das Armutsrisiko deutlich erhöhen." Dies wäre, insbesondere nach der diese Woche veröffentlichten EU-SILC-Studie zur Armut in Österreich, "ein sozialpolitisch hochproblematischer Schritt".
Arbeitslosigkeit als Armutsrisiko
Die aktuellen EU-SILC-Daten zeigen eine deutliche Verschärfung der sozialen Lage: Insgesamt sind rund 1,7 Millionen Menschen in Österreich armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, 170.000 mehr als im Vorjahr. Am meisten betroffen sind Kinder, Jugendliche und Familien, insbesondere Alleinerziehende und kinderreiche Familien. Arbeitslosigkeit wird in der Studie als ein zentraler Risikofaktor genannt; insbesondere unter den Langzeitarbeitslosen ist mehr als die Hälfte armutsgefährdet.
261.000 Menschen leben in absoluter Armut und können grundlegende Bedürfnisse wie Wohnen, Heizen oder ausreichende Ernährung nicht decken.
Initiativen für Teilhabe und Würde
Der "Tag der Arbeitslosen" wird jährlich rund um den 30. April begangen und rückt die Situation arbeitssuchender Menschen in den Fokus. Neben politischer Aufmerksamkeit stehen dabei Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe und der Würde der Betroffenen im Mittelpunkt. Österreichweit organisieren kirchliche und soziale Initiativen Veranstaltungen, die sowohl Bewusstsein schaffen als auch konkrete Unterstützung bieten.
So werden etwa in Wien im Rahmen einer "Jobmeile" niederschwellige Beratungs- und Jobangebote präsentiert. In anderen Bundesländern setzen Aktionen wie symbolische Gesten der Anerkennung oder interaktive Stadtrundgänge Impulse, um Arbeitslosigkeit sichtbar zu machen und Perspektiven für Betroffene aufzuzeigen. Ziel ist es, über statistische Zahlen hinaus die individuellen Lebensrealitäten stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.