Deutsche Ehrung für seit fünf Jahren inhaftierten Medienunternehmer aus Hongkong
Bonn, 30.04.2026 (KAP/KNA) Der Demokratieaktivist Jimmy Lai aus Hongkong erhält den Freedom of Speech Award 2026 der Deutschen Welle (DW). "Jimmy Lai hat unter hohem persönlichem Risiko unbeirrt für die Pressefreiheit in Hongkong eingestanden, selbst als der Raum für unabhängigen Journalismus immer kleiner wurde", würdigte DW-Intendantin Barbara Massing am Donnerstag die Verdienste des Medienunternehmers. Der 78-Jährige gründete 1995 die pro-demokratische Zeitung "Apple Daily".
"Mit 'Apple Daily' gab er Journalistinnen und Journalisten den Raum für freie Berichterstattung - sowie der Demokratiebewegung in Hongkong eine Stimme", erklärte Massing. Lais Einsatz erinnere daran, dass Pressefreiheit nie selbstverständlich sei.
Mit der Gründung von "Apple Daily" und in den Folgejahren wurde Lai zu einem der prominentesten Verfechter der Demokratie in Hongkong. Er unterstützte demokratische Parteien und Politiker finanziell und trat bei den Massenprotesten 2019 und 2020 immer wieder öffentlich auf. Geboren wurde er 1947 im Süden Chinas, flüchtete als Kind nach Hongkong. Er besitzt die britische Staatsbürgerschaft und bekennt sich zu seinem katholischen Glauben.
Nach den Protesten wurde Lai verhaftet und befindet sich seit Dezember 2020 in Isolationshaft. Anfang dieses Jahres verurteilte ein Hongkonger Gericht den Aktivisten zu 20 Jahren Haft wegen "Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften" sowie Verschwörung zur Veröffentlichung "aufrührerischen Materials".
Der zwölfte "DW Freedom of Speech Award" wird den Angaben zufolge am 23. Juni beim DW Global Media Forum in Bonn verliehen. Entgegennehmen wird ihn voraussichtlich ein Familienangehöriger Lais, wie die DW auf Anfrage mitteilte.
Seit 2015 ehrt der deutsche Auslandsrundfunk jährlich eine Person oder Initiative für ihren herausragenden Einsatz für die Freiheitsrechte. Bisherige Preisträger sind unter anderen die georgische Journalistin Tamar Kinzuraschwili, Kremlgegnerin Julia Nawalnaja und der salvadorianische Journalist Óscar Martínez.