Klima-Pater Jörg Alt muss auf letztes Urteil noch warten
01.05.202609:16
Deutschland/Kirche/Justiz/Leute/Klima
Verhandlung wird demnächst fortgesetzt - Jesuitenpater verteidigt zivilen Ungehorsam mit jahrelang erfolglosen politischen Diskussionen, Demonstrationen und Petitionen
München, 01.05.2026 (KAP/KNA) Dem Jesuiten und Klima-Aktivisten Pater Jörg Alt (64) wird seit Donnerstag erneut der Prozess gemacht. Zusammen mit drei weiteren Mitstreitern muss er sich vor dem Amtsgericht München verantworten. Im September 2023 hatte er bei einer unangemeldeten Straßenblockade auf dem Altstadtring nahe der Bayerischen Staatskanzlei mitgemacht.
Der Pater verteidigte seinen Akt zivilen Ungehorsams damit, dass alle anderen Möglichkeiten wie etwa politische Diskussionen, Demonstrationen oder Petitionen über die Jahre nicht erfolgreich gewesen seien. Die Menschen verdrängten die Klimakrise, so Alt - dabei sei diese eine existenzielle Bedrohung für alle.
Der Papst per Megafon
Zum "Weltgebetstag zur Bewahrung der Schöpfung" verlas der Ordensmann damals mittels Megafon ein Schreiben von Papst Franziskus. Darin forderte das Kirchenoberhaupt die Staats- und Regierungschefs auf, auf die Wissenschaft zu hören und einen schnellen und gerechten Übergang einzuleiten, um die Ära der fossilen Brennstoffe zu beenden.
Die Regionalbeauftragten der Jesuiten hatten sich mit ihrem Mitbruder solidarisiert und zu seiner Aktion eine entsprechende Erklärung veröffentlicht, wie Alt ausführte; zudem kamen weitere Demonstranten. Um 12.15 Uhr setzte sich der Pater schließlich mit seinen drei Unterstützern auf den Franz-Josef-Strauß-Ring, um für ein Umdenken in der Klimapolitik zu werben.
Bereits gegen 12.20 Uhr soll die Polizei eingetroffen sein. Sie bat die Protestierer, ihre Kundgebung auf dem Gehsteig fortzuführen. Als diese sitzen blieben, wurden sie von acht Beamten widerstandslos weggetragen. Ab etwa 12.47 Uhr wurde die Straße wieder freigegeben.
Hat Google-Maps Aussagekraft?
In der halben Stunde hatte sich auf dem Ring ein Rückstau gebildet. Über dessen Länge gingen die Aussagen der als Zeugen geladenen beiden Polizisten auseinander. Die Rede war von 50, 150 und 600 Metern. Letztere Angabe war durch Google-Maps ermittelt - was zu einer Debatte zwischen Richterin und Staatsanwalt über die Aussagekraft dieser Quelle führte. Fotos vom Einsatz konnten nicht wirklich weiterhelfen, da mangels Drohnen keine Perspektiven von oben, sondern nur Ausschnitte dokumentiert sind.
Alts Anwalt stellte Beweisantrag, um zwei Gutachten einzuholen: eines von einem Sachverständigen für Klimaforschung sowie ein weiteres, ob die Blockadeaktion um des Anliegen willen gerechtfertigt war, um für das Thema zu sensibilisieren. Die Beweisaufnahme war nach dreieinhalb Stunden abgeschlossen; die Verhandlung wird demnächst fortgesetzt.
Alt beteiligte sich in den vergangenen Jahren mehrfach an illegalen Aktionen der Aktivistengruppe "Letzte Generation". Darunter waren Proteste gegen Lebensmittelverschwendung sowie Straßenblockaden in Nürnberg, München und Berlin. Verurteilungen folgten. Eine Geldstrafe zahlte er aus Protest nicht. Stattdessen trat der Pater 2025 eine Ersatzfreiheitsstrafe an und verbrachte 25 Tage im Gefängnis.