Zentralrats-Präsident Schuster: Nicht tragbar, wenn Juden Angst in der Öffentlichkeit haben - Schwierige Situation besonders in Berlin - Fehlende Solidarität in der Mehrheitsbevölkerung
Berlin, 04.05.2026 (KAP/KNA) Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat es als nicht tragbar bezeichnet, dass sich viele Jüdinnen und Juden aus Angst nicht mehr trauen, in der Öffentlichkeit als solche erkennbar zu sein. "Als ich 2015 frisch im Präsidentenamt war, habe ich genau das in einem Interview erwähnt, und meine Äußerungen wurden mit großem Entsetzen aufgenommen", sagte Schuster in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA; Montag). Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe sich die Situation weiter ins Negative entwickelt.
Besonders schwierig sei es für Jüdinnen und Juden in Berlin. "Man kann Gott sei Dank die dortige Situation nicht auf das ganze Bundesgebiet herunterbrechen, sie ist in Deutschland unterschiedlich." Schuster lebt in Würzburg, und dort ist das Klima nach seiner Beobachtung ein "anderes, besseres, wie ich es mittelfristig auch für die gesamte Bundesrepublik erhoffe".
Der Zentralratspräsident sagte, er vermisse Solidarität, die in der Mehrheit der Gesellschaft aktuell nicht erkennbar sei. "Gleichwohl gibt es Solidarität. Allerdings sind die Stimmen, die genau in die andere Richtung gehen, die lauteren Stimmen mit zum Teil aggressiven Unterstützern." Wenn mehr Menschen Zivilcourage zeigten, ließe sich sehr viel bewegen.
Religion kann Verständigung fördern
Zugleich betonte Schuster, dass Religion in Zeiten hoch aufgeladener Konflikte Verständigung fördern könne. Ein Gespräch auf religiöser Basis zwischen Vertreterinnen und Vertretern von Christentum, Judentum und Islam sei eine "absolut sinnvolle Maßnahme". Wichtig sei es dabei, Stimmen des Islams zu hören, die moderat sind. Er warnte davor, Feindbilder aufzubauen und Angehörige des Islams pauschal in eine Ecke zu stellen. Juden und Muslime seien nicht von vornherein Erzfeinde.
Allerdings gebe es auch Grenzen des Dialogs. Problematisch sei, dass es Moscheegemeinden gebe, die von Verbänden beeinflusst würden, mit denen ein konstruktiver Austausch kaum möglich sei. Trotzdem könne ein Gespräch zwischen den Religionen auch in die weitgehend säkulare Gesellschaft hineinwirken und zur Verständigung beitragen.