WHO, Rotes Kreuz und Ärzte ohne Grenzen sehen "Krise der Menschlichkeit" angesichts einer "Normalisierung der Gewalt" und rufen Staatengemeinschaft zum Handeln auf
Genf, 04.05.2026 (KAP) Mit einer Warnung vor der zunehmenden Gewalt gegen medizinische Einrichtungen und einem eindringlichen Appell haben sich Weltgesundheitsorganisation (WHO), Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und Ärzte ohne Grenzen (MSF) an die Öffentlichkeit gewandt. "Die Gesundheitsversorgung darf niemals ein Opfer des Krieges sein", mahnten die Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung am Wochenende und forderten Staats- und Regierungschefs weltweit zum sofortigen Handeln auf.
Zehn Jahre nach der UN-Resolution 2286 zum Schutz von Krankenhäusern und medizinischem Personal zeigt sich laut den Organisationen eine alarmierende Entwicklung: Die Lage habe sich nicht verbessert, sondern vielerorts sogar verschärft. Die WHO hat seither knapp 10.000 Angriffe erfasst und verifiziert, ebenso rund 5.200 Todesfälle von Gesundheitspersonal und fast 8.000 Verletzungen in 26 Ländern und Territorien, wobei die Dunkelziffer deutlich höher sein dürfte. Allein 2025 seien insgesamt 1.348 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen registriert worden, wobei 1.981 Menschen ums Leben kamen. Dies sei ein trauriger Höchststand, hieß es.
Kritik an Normalisierung von Gewalt
Die Hilfsorganisationen sprechen von einer besorgniserregenden Normalisierung der Gewalt. Krankenhäuser würden gezielt oder zumindest billigend in Kauf genommen angegriffen, Ambulanzen beschossen und medizinisches Personal getötet. Betroffen sind zahlreiche Konfliktregionen weltweit, darunter die Ukraine, der Sudan, Myanmar und Haiti. In rund 80 Prozent der Fälle werden staatliche Akteure verantwortlich gemacht, während Vorfälle häufig bestritten oder als "Kollateralschäden" dargestellt werden.
Die Folgen reichen weit über die unmittelbaren Opfer hinaus. Zerstörte Einrichtungen werden oft nicht wieder aufgebaut, und Hilfsorganisationen sehen sich gezwungen, ihre Arbeit einzustellen. Dadurch verlieren ganze Bevölkerungsgruppen langfristig den Zugang zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung. So musste etwa im Südsudan ein Krankenhaus schließen, das über Jahrzehnte die einzige Gesundheitsversorgung für eine ganze Region sichergestellt hatte.
"Krise der Menschlichkeit"
Die drei Organisationen warnen, Angriffe auf medizinische Einrichtungen seien ein klares Zeichen dafür, dass grundlegende Regeln des humanitären Völkerrechts zunehmend missachtet werden. "Wenn Krankenhäuser angegriffen werden, stehen wir nicht nur vor einer humanitären Krise, sondern vor einer Krise der Menschlichkeit", heißt es in ihrer gemeinsamen Erklärung.
WHO, IKRK und MSF fordern daher konkrete politische Maßnahmen statt bloßer Absichtserklärungen. Der Schutz von Patienten und medizinischem Personal müsse endlich wirksam umgesetzt werden, und zwar weltweit und ohne Ausnahme, so die drei Organisationen.