Militärbischöfe sehen Anpassung der Militärseelsorge an "veränderte sicherheitspolitische Lage" erforderlich
Berlin, 04.05.2026 (KAP/KNA) Die beiden großen Kirchen in Deutschland weisen Kritik an ihren Überlegungen zur Militärseelsorge in möglichen bewaffneten Konflikten zurück. "Die veränderte sicherheitspolitische Lage verlangt, dass wir auch die katholische Militärseelsorge neu auf die Anforderungen von Landes- und Bündnisverteidigung einstellen", sagte der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
"Dabei geht es für mich nicht um eine Militarisierung kirchlichen Denkens, sondern um die nüchterne Einsicht, dass wir auf eine Lage vorbereitet sein sollten, in der Soldatinnen und Soldaten, ihre Familien und auch unsere Gesellschaft vor einer Extremsituation stehen", so Overbeck weiter.
Militärseelsorger treffen sich in Bonn
Ähnlich äußerte sich am gleichen Tag der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg. Die evangelische Kirche wolle in den kommenden Jahren die Zahl ihrer Militärgeistlichen von derzeit 105 auf 147 erhöhen, sagte er vor Beginn eines Treffens der evangelischen Militärseelsorge in Bonn.
Unlängst hatten die beiden Kirchen ihr "Ökumenisches Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall" veröffentlicht. Dabei orientieren sie sich am "Operationsplan Deutschland" des Verteidigungsministeriums. Diese Planungen gehen davon aus, dass Deutschland im Nato-Bündnisfall eine wichtige Logistikdrehscheibe wäre und dass mit Transporten von Verwundeten und Gefallenen ebenso zu rechnen sei wie mit großen Fluchtbewegungen.
Bei Bekanntwerden des Papiers hatten unter anderen Vertreter aus der Friedensbewegung eine zu große Nähe der Kirchen zum Staat moniert. Außerdem begebe man sich damit auf den Weg der Kriegsvorbereitung.
Felmberg betonte, dass die Kirchen mit ihrem Rahmenkonzept im Vergleich zu anderen Institutionen bereits viel Vorarbeit geleistet hätten. Mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen fügte er hinzu: "Wir haben schon enorm viel. Es muss nur besser miteinander verknüpft werden."
Militärbischof formuliert Kernaufgaben
Der katholische Militärbischof Overbeck betonte zugleich, man dürfe die Möglichkeiten der Militärseelsorge bei einem Ernstfall nicht überschätzen. "Gerade dort, wo die Folgen eines Konflikts auch auf deutschem Boden spürbar würden, an Heimatstandorten, in Familien, im Umgang mit Verwundeten, Gefallenen und ihren Angehörigen, wird es auf die Zusammenarbeit mit den gewachsenen kirchlichen Strukturen ankommen."
Grundsätzlich habe die Militärseelsorge in einer solchen Situation zwei Kernaufgaben, erläuterte der Bischof von Essen. "Sie begleitet Soldatinnen und Soldaten, Verwundete, Sterbende und ihre Angehörigen seelsorglich, und sie bringt ethische Urteilskraft in militärische Entscheidungszusammenhänge ein." Auf diese Weise solle sie dazu beitragen, "dass auch unter äußerstem Druck Maß, Recht und die Zielperspektive des gerechten Friedens nicht aus dem Blick geraten".