Noch steht kein Termin für die Wahl des neuen georgischen Kirchenoberhaupts fest - Wahl müsste laut Statut aber spätestens am 17. Mai stattfinden
Tiflis/Moskau, 05.05.2026 (KAP) In Georgien steigen Spannung und Nervosität im Vorfeld der anstehenden Wahl des neuen orthodoxen Kirchenoberhaupts. Für das erweiterte Kirchenkonzil, das eigentlich laut Kirchenstatut spätestens am 17. Mai das neue Kirchenoberhaupt wählen soll, gibt es bislang noch keinen Termin. Das hat auch das Georgische Patriarchat in einer offiziellen Erklärung nochmals festgehalten. Zugleich wurden in der Erklärung vom Montag Spekulationen zurückgewiesen, wonach noch am selben Tag eine inoffizielle Versammlung der Bischöfe angesetzt gewesen sei. Auch einer der drei zur Wahl stehenden Kandidaten, Metropolit Gregory (Berbichashvili), rief unterdessen zur nationalen und kirchlichen Einheit auf. Die Wahl des neuen Kirchenoberhaupts dürfe nicht einer politischen Wahl ähneln.
Der Heilige Synod der Georgisch-orthodoxen Kirche hatte Ende April jene drei Kandidaten gewählt, die für das Amt des Patriarchen kandidieren werden. Die Wahl ist notwendig, da das bisherige Kirchenoberhaupt Patriarch Ilia II. am 17. März verstorben ist. Bei der Abstimmung unter den Bischöfen der Georgischen Kirche erhielt Metropolit Schio (Mujiri) 20 Stimmen, Metropolit Job (Akiashvili) sowie Metropolit Gregory (Berbichashvili) erhielten jeweils sieben Stimmen.
Metropolit Gregory zeigte sich am Wochenende in seiner Sonntagspredigt besorgt, dass Spannungen, Anschuldigungen und Spaltungen selbst innerhalb der Kirche zutage treten würden. Er betonte, dass ein solches Verhalten dem spirituellen Charakter des Wahlprozesses widerspreche. Die Wahl des Patriarchen dürfe nicht weltlichen Wahlen ähneln, bei denen Konkurrenz und Spaltung vorherrschten. Stattdessen rief der Metropolit Gläubige und Klerus gleichermaßen dazu auf, dem Prozess mit Demut und Einigkeit zu begegnen.
Metropolit Gregory betonte, dass alle drei Kandidaten für den Patriarchalthron Mitglieder derselben Kirche seien und einen gemeinsamen Glauben und eine gemeinsame Mission teilten. "Sie sind keine Vertreter verschiedener Parteien, Religionen oder Interessen", betonte der Metropolit: "Sie sind alle Hierarchen unserer Kirche und ein untrennbarer Bestandteil unserer Einheit."
Kyrill warnt künftigen Patriarchen
Unterdessen hat sich auch der Moskauer Patriarch Kyrill zur Patriarchenwahl in Georgien geäußert. Das Infoportal "Orthodox Times" berichtete von einer Veranstaltung im russischen Außenministerium vor wenigen Tagen, bei der der Patriarch von Moskau den künftigen Patriarchen von Georgien davor warnte - wer auch immer gewählt werde -, die Anerkennung der autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine voranzutreiben.
Brisant: In dem vom Moskauer Patriarchat veröffentlichten Text zu dem Treffen fehlte laut "Orthodox Times" diese Aussage ebenso wie in dem auf der Website des Patriarchats veröffentlichten Video. Das entsprechende Videomaterial wurde aber auf anderen russischen Plattformen gefunden, wo die Äußerungen des Patriarchen zu seinen "Beziehungen" zu anderen Kirchen deutlich zu hören seien.
Von den drei Kandidaten gilt Metropolit Schio (57) als regierungsfreundlich und eher prorussisch. Metropolit Job (65) gilt als konservativer Hierarch, der Distanz zu Moskau wahrt, sich aber in Glaubensfragen energisch äußert. Metropolit Gregory (Berbichashvili, 69) gilt als regierungskritisch und Europa-freundlich und hat sich während der politischen Unruhen der vergangenen Jahre immer wieder deutlich zu Wort gemeldet.
39 wahlberechtigte Bischöfe
Laut Wahlordnung ist der Verwalter des Patriarchenstuhls - Metropolit Schio - verpflichtet, spätestens zwei Monate nach dem Tod des Patriarchen ein erweitertes Kirchenkonzil einzuberufen. Diesem gehören Bischöfe, weitere Geistliche und auch Laien an. Den neuen Patriarchen wählen aber nur die Bischöfe. Gewählt gilt jener Kandidat, der mehr als die Hälfte der Stimmen der auf dem Bischofsrat anwesenden Bischöfe auf sich vereint. Das wären mindestens 20 der derzeit 39 Bischöfe. Erreicht in der ersten Wahlrunde keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit, findet eine zweite Wahlrunde statt, an der die beiden Kandidaten teilnehmen, die die meisten Stimmen erhalten haben.
An einen Kandidaten für das Patriarchenamt werden eine Reihe von Anforderungen gestellt: Er muss georgischer Nationalität und Bischof der Georgischen Orthodoxen Kirche sowie zwischen 40 und 70 Jahre alt sein, über eine theologische Ausbildung und umfangreiche Erfahrung in der Kirchenverwaltung verfügen.