Rubio soll im Vatikan Scherben von Trump und Vance kitten
05.05.202610:49
USA/Vatikan/Politik/Diplomatie/Regierung/Papst
US-Außenminister will bei seinem Rom-Besuch das gestörte Verhältnis der US-Führung zu Papst Leo XIV. wiederherstellen und nebenbei Punkte im internen Duell mit Donald Trumps anderem Kronprinzen sammeln - Hintergrundbericht von Bernd Tenhage
Washington, 05.05.2026 (KAP/KNA) Wenn Marco Rubio am Donnerstag den Apostolischen Palast im Vatikan betritt, hat er eine heikle Mission im Gepäck: Der - katholische - US-Außenminister soll die Scherben zusammenkehren, die Präsident Donald Trump und dessen Vize James David Vance mit ihren Attacken auf Papst Leo XIV. hinterlassen haben.
Helfen könnte ihm dabei, dass er schwieg, als der US-Präsident den aus Chicago stammenden Papst wegen dessen Haltung zum Iran-Krieg attackierte. Und Rubio hielt sich auch auffallend zurück, als sich der zum Katholizismus übergetretene Vance anmaßte, das Oberhaupt der katholischen Kirche theologisch zu belehren.
Papst Leo XIV. wird Rubio kurz vor Mittag im Vatikan empfangen. Auf dem Programm des US-Außenministers stehen zudem Gespräche mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie später in Rom mit seinem italienischen Amtskollegen und Vizepremier Antonio Tajani. Auch ein Treffen mit Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist angefragt. Ihr Verhältnis zu Trump hatte wegen dessen Papstkritik massiven Schaden genommen.
Papst-Bashing als Vorgeschichte
Die heikle Reise von Rubio fällt mit dem ersten Jahrestag von Leos Pontifikat zusammen - und folgt einer ganzen Serie von Ausfällen aus Washington. Trump hatte dem Papst vorgeworfen, seinen Job nicht gut zu machen. Er sei "schwach bei der Kriminalitätsbekämpfung" und "furchtbar in der Außenpolitik". Er behauptete, Leo wolle dem Iran erlauben, Atomwaffen zu besitzen. Sein Fazit: "Ich bin kein Fan von Papst Leo."
Kurz darauf verbreitete Trump ein von KI generiertes Bild, das ihn selbst als Heiland zeigte. Nach Kritik konservativer Christen löschte er es und redete sich heraus, er habe gedacht, das Bild stelle ihn als Arzt dar.
Vance eilte Trump öffentlich zu Hilfe. "Wenn der Papst sagt, Gott stehe nie auf der Seite derer, die das Schwert führen, dann gibt es eine mehr als tausendjährige Tradition der Lehre vom gerechten Krieg", belehrte der Vizepräsident Leo XIV. bei einer Veranstaltung in Georgia. Er halte es "für sehr sehr wichtig, dass der Papst vorsichtig ist, wenn er über Fragen der Theologie spricht".
Gegenpositionen zum Irankrieg
Außenminister Rubio muss nun im Vatikan rhetorisch abrüsten - und zugleich erklären, warum er den Krieg gegen den Iran so entschieden befürwortete wie kaum ein anderer in der Regierung. Leo XIV. wiederum hat seine Ablehnung des Iran-Krieges von Woche zu Woche deutlicher formuliert. Am Palmsonntag zitierte er aus dem Buch des Propheten Jesaja, der die Gläubigen mahnt, Gott höre nicht "die Gebete derer, die Krieg führen".
Der langjährige Vatikan-Beobachter Marco Politi wertete die Reise im Gespräch mit der "Washington Post" als ein stilles Eingeständnis, dass Trumps Angriffe auf den Papst den Republikanern vor den Zwischenwahlen im Herbst schadeten. "Konservative katholische Wähler sehen es nicht gern, wenn der Papst auf grobe und rüde Weise angegriffen wird." Der US-Präsident sorgte damit für seltene Einigkeit auch unter den Bischöfen - von der tendenziell konservativen Bischofskonferenz über den Militärbischof bis hin zu eher liberalen Kirchenvertretern.
Rubio war zuletzt vor fast genau einem Jahr zusammen mit Vance zu einer Privataudienz beim neuen Papst gereist. Dass der Vizepräsident als ranghöchster Katholik in der Regierung diesmal dem Außenminister den Vortritt lassen muss, nährt Spekulationen in den US-Medien: Das Verhältnis von Vance und Leo sei nach dem öffentlichen Zwist zu stark beschädigt für eine schnelle Wiederannäherung.
Kronprinzen in Startlöchern
Der rechtskatholische Podcaster Tucker Carlson, der Vance nahesteht, äußerte in der "New York Times" den Verdacht, im Weißen Haus gebe es Leute, die von Anfang an lieber Rubio als Vizepräsidenten gesehen hätten. Damit geht es bei dieser Reise nicht nur um die frostigen Beziehungen Washingtons zum Heiligen Stuhl, sondern auch um eine Positionierung für Trumps Nachfolge 2028.
Rubio und Vance gelten beide als Kronprinzen, die sich bereits für den Vorwahlkampf in Position bringen. In den wichtigen Swing States mit starker katholischer Wählerschaft wie Pennsylvania, Wisconsin und Michigan kommen die Schmähungen des ersten Papstes aus den USA schlecht an. Dass der Außenminister nun versuchen kann, die Spannungen zu entschärfen, verschafft ihm einen Vorteil.
Ob Rubio das beschädigte Verhältnis aber tatsächlich reparieren kann, ist noch offen. Unterstützung - oder auch nur Stillschweigen - zu einem Krieg, den die Kirche für illegal, unmoralisch und ungerecht hält, wird er im Vatikan kaum bekommen. Doch er kann Bilder mit zurückbringen, die ihn an der Seite eines Papstes zeigen, den Trump und sein Konkurrent Vance gegen sich aufgebracht haben. Auch ohne greifbares Ergebnis könnte das seinen Ambitionen auf das Weiße Haus helfen.