Wiener Caritas warnt vor wachsender Armut bei Alleinerzieherinnen - Direktor Schwertner: "Muttertag darf kein Symboltag bleiben" - Forderung nach raschen Hilfen
Wien, 05.05.2026 (KAP) Wenige Tage vor dem Muttertag (10. Mai) macht die Caritas der Erzdiözese Wien auf die zunehmende Armutsgefährdung von Frauen, speziell Alleinerzieherinnen in Österreich, aufmerksam. Steigende Lebenshaltungskosten mit hohen Wohn- und Energiepreisen verschärften die Lage vieler Betroffener aktuell, so die Hilfsorganisation am Dienstag im Rahmen eines Pressetermins in einem Mutter-Kind-Haus in Wien-Brigittenau. Caritasdirektor Klaus Schwertner forderte, "den Blick auf Mütter zu richten, die nichts zum Feiern haben". Nötig seien rasche politische Maßnahmen, wie die Valorisierung von Familienleistungen und ein Ende des "Wettrennens nach unten" bei der Kürzung von Sozialhilfen.
Aktuell habe Armut das "Gesicht einer Frau", so Schwertner mit Blick auf die aktuelle Armutsstatistik: Laut aktuellen Daten gelten rund 600.000 Frauen in Österreich als armutsgefährdet, etwa 121.000 sind erheblich betroffen. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende. Schwertner verwies zudem auf steigende Energiepreise und unerwartete Ausgaben, die "zur unbewältigbaren Hürde werden können".
"Auch in Österreich gibt es wohnungslose Frauen und Kinder", auch wenn das wenig bekannt sei, betonte Schwertner. Betroffene hätten kaum ausreichend finanzielle Mittel für Grundlegendes, zudem erschwerten die steigenden Kosten und der Spardruck der öffentlichen Hand ihre Situation zusätzlich. "Kürzungen bedeuten für betroffene Frauen existenzielle Sorgen", so der Caritasdirektor. Aus Scham suchten viele Frauen erst spät Hilfe, etwa wenn bereits eine Delogierung drohe.
Den von der Bundesregierung geplanten Unterstützungsfonds für Alleinerziehende bezeichnete Schwertner als "gute Maßnahme". Entscheidend sei nun, dass dieser "rasch und unkompliziert" wirke. "Der Fonds bringt eine Teilentlastung, aber betroffene Frauen brauchen kurzfristige Unterstützung."
Kritik übte der Wiener Caritasdirektor an Forderungen nach Kürzungen von Sozialleistungen: Diese würden "genau armutsbetroffene Frauen treffen". Ebenso warnte er vor einem "Wettrennen nach unten" bei der Sozialhilfe, diese müsse "unterstützen und vor Armut schützen". Trotz Verständnis für den Spardruck der öffentlichen Hand brauche es zudem eine laufende Valorisierung von Leistungen.
Mutter-Kind-Häuser
In den Mutter-Kind-Häusern der Caritas zeige sich die angespannte Situation täglich, erklärte Lydia Rössler, Leiterin des Mutter-Kind-Hauses Immanuel der Caritas. "Auch viele ehemalige Bewohnerinnen bitten um Hilfe, weil Wohnen, Kinderbetreuung und Lebenserhaltungskosten für sie nicht mehr leistbar sind." Frei werdende Wohnungen seien meistens innerhalb eines Tages wieder vergeben und der Bedarf konstant sehr hoch. Neben materieller Not gebe es zunehmend Bedarf an psychosozialer Unterstützung, etwa bei Frauen mit Gewalterfahrungen.
Auch strukturelle Hürden erschwerten die Situation vieler Frauen. "Frauen wollen arbeiten und sich selbst erhalten", sagte Rössler. Als Alleinerziehende scheitere dies jedoch oft an fehlender Kinderbetreuung. Selbst gering qualifizierte Tätigkeiten seien unter diesen Bedingungen schwer auszuüben.
In den Mutter-Kind-Häusern der Caritas - von denen es österreichweit zehn gibt, drei davon in Wien - finden Frauen und ihre Kinder ein vorübergehendes Zuhause sowie sozialpädagogische Begleitung, mit dem Ziel, wieder Stabilität zu erlangen und ein eigenständiges Leben aufzubauen. Viele Betroffene hätten bereits Wohnungsverlust, Gewalt oder Armut erlebt und verfügten über kein tragfähiges soziales Netzwerk, so die Caritas. Gleichzeitig zeige sich eine "enorme Stärke und Motivation", den Alltag neu zu organisieren und Perspektiven zu entwickeln, wies Rössler hin.
Zum Muttertag ruft die Organisation zu Spenden auf. "Bitte schenken wir Müttern und ihren Kindern ein bisschen Freude und Hoffnung", so Direktor Schwertner. Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder können online über den wirhelfen.shop der Caritas unterstützt werden. Die Hilfsorganisation sammelt zudem Sachspenden für armutsbetroffene Frauen. (Link: fuereinand.at/muttertagssammlung; Spenden: Caritas, Erste Bank, AT23 2011 1000 0123 4560, BIC: GIBAATWWXXX, Kennwort: Mutter-Kind-Häuser)