IMABE-Institut: Nachhaltige Verhaltensänderung braucht Werteorientierung und Umgang mit belastenden Gefühlen
Wien, 05.05.2026 (KAP) Das von der Regierung geplante Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche sollte nach Einschätzung von Experten nicht isoliert umgesetzt, sondern pädagogisch begleitet werden. Verzicht dürfe nicht ausschließlich über Verbote gesteuert werden, fordert das Wiener Bioethik-Institut IMABE in einer aktuellen Aussendung. Eine nachhaltige Veränderung des Nutzungsverhaltens gelinge nur, wenn Jugendliche auch im Umgang mit Emotionen und Sinnfragen unterstützt würden.
Ausgangspunkt ist ein groß angelegtes "Handyexperiment", an dem im März rund 70.000 Schülerinnen und Schüler aus Österreich, Deutschland, Italien und Liechtenstein teilnahmen. Dessen Resultate werden Ende Mai vorliegen, ein kleineres Vorläufer-Pilotprojekt aus dem Jahr 2025 deutet nach Angaben des Instituts aber bereits auf kurzfristige positive Effekte: 77 Prozent der Schüler hatten vor dem Experiment einen problematischen Internetgebrauch aufgewiesen. Die Handypause habe depressive Symptome um ein Drittel reduziert, hieß es, gleichzeitig sei das psychische Wohlbefinden um 30 Prozent gestiegen.
Verzicht ohne Begleitung häufig nicht stabil
Gleichzeitig verweist das Wiener Ethikinstitut auf die Grenzen reiner Abstinenz. Über 30 Prozent hätten damals das Experiment vorzeitig abgebrochen, zudem habe nur ein kleiner Teil der Beteiligten langfristig das Nutzungsverhalten verändert. Der Befund zeige, dass Verzicht ohne Begleitung häufig nicht stabil sei, schlussfolgert die IMABE-Aussendung.
Als Erklärung nennt das Institut auch psychologische Mechanismen: Smartphones würden häufig als Flucht vor unangenehmen Gefühlen genutzt. Entscheidend sei daher die innere Haltung. Menschen mit ausgeprägter Kontrollüberzeugung - also der Überzeugung, "ihr Leben und ihre Emotionen selbst beeinflussen zu können" - hätten deutlich mehr Selbstkontrolle gezeigt.
IMABE plädiert deshalb für begleitende Maßnahmen bei digitalen Einschränkungen. Jugendliche sollten auf mögliche Entzugserscheinungen vorbereitet werden, ebenso auf "emotionale Leerräume und die Gefahr von Ersatzverhalten". Zugleich brauche es konkrete Alternativen im Alltag, etwa soziale Aktivitäten, Sport oder kreative Beschäftigungen.
Zentral sei dabei auch die Frage nach Sinn und Werten. Verhaltensänderung gelinge nicht allein durch Verzicht, sondern durch Orientierung: Entscheidend sei nicht nur, "wovon Jugendliche Abstand nehmen, sondern wofür", so das IMABE-Institut. Nur wenn sie lernten, ihr Verhalten bewusst an persönlichen Werten auszurichten und mit belastenden Gefühlen umzugehen, könne aus einem zeitlich begrenzten Verzicht eine dauerhafte Veränderung werden.