Moskau: Rücktritt von Erzbischof Pezzi wohl gesundheitlich bedingt
05.05.202615:48
Russland/Kirche/Leute/Personalien/Bischöfe
Katholische Portale verweisen auf Aussagen, wonach sich der 65-jährige Bischof infolge von Erschöpfung nicht mehr in der Lage sieht, die Moskauer Erzdiözese angemessen zu leiten
Moskau/London/Rom, 05.05.2026 (KAP) Der am 2. Mai vom Vatikan überraschend bekannt gegebene vorzeitige Rücktritt des Moskauer katholischen Erzbischofs Paolo Pezzi (65) dürfte nach übereinstimmenden kirchlichen und medialen Berichten in erster Linie gesundheitlich begründet sein. Pezzi selbst soll im Rahmen der Mittagsmesse in der Moskauer Kathedrale am vergangenen Samstag erklärt haben, er sei angesichts seines Gesundheitszustands nicht mehr in der Lage, diese "geliebte, schöne Diözese" angemessen zu leiten und trete deshalb als Diözesanbischof zurück. Er stelle dies auch deshalb klar, damit keine Verschwörungstheorien oder falschen Gerüchte verbreitet würden.
Die Aussagen wurden zunächst von der belarussischen Website katolik.life verbreitet, unter Berufung auf einen in Moskau ansässigen russischen katholischen Journalisten; die Zeitung "The Tablet" (online) und das US-Portal "The Pillar" bezogen sich darauf. Weiter hieß es, Erzbischof Pezzi habe angekündigt, auch im Ruhestand in Moskau bleiben und dem vom Papst ernannten 52-jährigen Übergangsleiter Nikolai Dubinin zur Verfügung stehen zu wollen. Die Gläubigen habe er um Gebet gebeten, vor allem aber um "Einheit und Versöhnung in unserer Kirche".
Pezzi sei wohl durch seine umfangreichen Aufgaben erschöpft worden, las man auf dem spanischsprachigen Portal InfoVaticana dazu. Der Rücktritt dürfte "vor allem auf eine angesammelte persönliche Erschöpfung nach Jahren in einer besonders schwierigen Einsatzsituation" zurückzuführen sein. Stichhaltige Hinweise auf disziplinarische Maßnahmen oder offene Konflikte, die diese Entscheidung erklären würden, existierten nicht. Vielmehr sei diese Entscheidung "im Sinne institutioneller Ermüdung und nicht einer konkreten Krise zu verstehen".
Bischofskonferenz erklärt Kirchenrecht
Das vatikanische Presseamt hatte am Samstag mitgeteilt, Papst Leo XIV. habe das Rücktrittsgesuch Pezzis angenommen und Weihbischof Dubinin zum "Apostolischen Administrator sede vacante" der Erzdiözese der Muttergottes in Moskau ernannt. Die Russische Bischofskonferenz verwies in einer Stellungnahme auf den kirchenrechtlichen Passus Kanon 401 §2, wonach ein Diözesanbischof um Entpflichtung ersucht werden kann, wenn er "aufgrund von Schwäche der Gesundheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund" sein Amt nicht mehr ausreichend ausüben kann. Einen politischen oder externen Anlass nannte die Mitteilung nicht.
Der US-Publizist Peter Anderson zitierte in einem Newsletter Aussagen von Gemeindemitgliedern aus Moskau, denen zufolge sich Erzbischof Pezzi bereits seit etwa einem Jahr zunehmend schwer beim Gehen getan und teilweise mit Anstrengung gesprochen habe.
Zugleich hatte für Spekulationen gesorgt, dass das ökumenische Verhältnis zwischen katholischer und orthodoxer Kirche seit Jahren als sensibel gilt. Medienberichten zufolge soll Pezzi sich Anfang des Jahres geweigert haben, eine Erklärung des Christlichen Interreligiösen Beirats (CICC) zu unterzeichnen, die sich mit der Verfolgung von Christen, auch orthodoxen Gläubigen, in der Ukraine und in Estland befasste. Dies habe in der Russisch-orthodoxen Kirche teils für Irritationen gesorgt.
Riesige Diözese für kleine Minderheit
Die Erzdiözese der Muttergottes in Moskau wurde 2002 errichtet und ist seither das wichtigste katholische Verwaltungsgebiet in Russland. Ihr Gebiet umfasst den gesamten nördlichen Teil des zu Europa gehörenden Staatsgebietes, von der westlichen Grenze bis zum Ural. Der aus Italien stammende Paolo Pezzi stand der Erzdiözese seit 2007 vor und war damit erst der zweite Erzbischof dieser noch jungen Struktur. Die katholische Kirche bleibt in Russland mit rund 200.000 Gläubigen eine kleine Minderheit von unter 0,5 Prozent der Bevölkerung, während die religiöse Landschaft traditionell stark von der russisch-orthodoxen Kirche geprägt ist.