Gemeinsam mit hunderten Menschen haben Sachsens Bischöfe und Vertreter der Landesregierung in der Nikolaikirche der Betroffenen der mutmaßlichen Amokfahrt gedacht
Leipzig, 05.05.2026 (KAP/KNA) Spitzenvertreter aus Politik, Kirchen und Gesellschaft haben in der Leipziger Nikolaikirche am Dienstagabend der Opfer der Todesfahrt durch die Fußgängerzone gedacht. Drei Augenzeugen der mutmaßlichen Amokfahrt berichteten bewegt im Gottesdienst von ihren Eindrücken des Vorabends und beteten für Zusammenhalt. Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz und der katholische Bischof Heinrich-Timmerevers sowie Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zeigten sich betroffen.
"Wir denken an alle, die innerlich und äußerlich getroffen sind. Mitten in dem tragischen Geschehen gestern konnten wir aber auch eine große Nähe und riesengroße Hilfsbereitschaft erleben - das zeichnet unsere Stadt aus", sagte der leitende Nikolaikirchen-Pfarrer Sebastian Feydt in der vollen Kirche. Bischof Bilz ergänzte in der Predigt, die Bilder der Tragödie dürften nicht die Oberhand behalten. Bei der Todesfahrt starben am Montag zwei Menschen, sechs weitere wurden verletzt.
Hunderte Menschen beim Gedenken
Bereits am Dienstagmittag hatte eine Gedenkandacht in der Universitätskirche am Augustusplatz mit hunderten Teilnehmenden stattgefunden. Die Innenstadtkirchen bieten seit gestern Abend Raum zum Trauern, für Gespräche und um Kerzen anzuzünden.
Am frühen Montagabend war ein 33-jähriger Mann mit einem Auto vom Augustusplatz mehrere Hundert Meter durch die Fußgängerzone bis zum Thomaskirchhof gerast. Dabei starben eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann. Unter den sechs Verletzten sind laut Polizei zwei Schwerverletzte. Mehr als 80 weitere Menschen seien aufgrund der Eindrücke des Erlebten betreut worden. Den Fahrer konnten die Einsatzkräfte unmittelbar nach der Tat festnehmen.
Beschuldigter ohne Vorstrafen
Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen Mordes und versuchten Mordes. Den Angaben zufolge handelt es sich wohl um einen Einzeltäter mit deutscher Staatsbürgerschaft. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Behörden nicht von einem politischen oder religiösen Motiv aus. Der Tatverdächtige habe keine Vorstrafen, sei aber dieses Jahr polizeilich wegen Bedrohung sowie ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld in Erscheinung getreten. Im Zuge dessen sei er am 17. April in ein psychiatrisches Fachkrankenhaus aufgenommen und dort bis zum 29. April behandelt worden.