200 Migranten aus Äthiopien unmittelbar vor Vollstreckung des Todesurteils
Addis Abeba, 06.05.2026 (KAP) Angesichts drohender Hinrichtungen von rund 200 äthiopischen Staatsbürgern in Saudi-Arabien hat der katholische Bischof von Adigrat in Äthiopien, Tesfaselassie Medhin, zum sofortigen Einsatz internationaler Organisationen für einen Aufschub der Todesurteile aufgerufen. "Das Leben ist heilig und unantastbar", betonte er in einer eindringlichen Erklärung, die dem römischen Pressedienst "Fides" (Dienstag) vorliegt.
Viele der betroffenen Äthiopier sind nach Angaben des Bischofs Geflüchtete, die während des Tigray-Konflikts ihre Heimat verlassen hatten. Bereits am 21. April sind laut den verfügbaren Informationen drei äthiopische Migranten in Saudi-Arabien hingerichtet worden. Weitere Gefangene befinden sich im Todestrakt der Haftanstalt von Khamis Mushait.
Zur Last gelegt werden ihnen unter anderem Drogendelikte. Mehrere der Männer sind über den Jemen ins Land gekommen und dürften dabei Khat-Pflanzen transportiert haben. Deren Blätter haben aufputschende Wirkung, wenn sie gekaut werden, sind in Saudi-Arabien jedoch verboten.
Bischof: Gerechtigkeit mit Barmherzigkeit verbinden
Zwar erkenne man die Souveränität von Staaten und die Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit an, doch müsse Gerechtigkeit stets mit Barmherzigkeit verbunden sein, so der Bischof der Eparchie Adigrat. Eine Hinrichtung der Betroffenen würde nicht nur einen "unersetzlichen Verlust an Menschenleben" bedeuten, sondern auch ihre Familien schwer treffen, von denen viele bereits unter Armut und Vertreibung litten.
Bischof Medhin forderte einen Dialog mit den Behörden Saudi-Arabiens, um faire Verfahren sicherzustellen. Dazu gehörten angemessene Rechtsvertretung und transparente Verfahren. Zugleich sprach er sich für Alternativen zur Todesstrafe aus, die auf Rehabilitation und Wiedergutmachung abzielen. "Diese Menschen sind nicht nur Zahlen, sondern Kinder, Eltern und Geschwister", betonte Medhin. Der "Schrei der Armen" müsse von der internationalen Gemeinschaft gehört werden.
Bereits Tage zuvor hatte Human Rights Watch vor den drohenden Hinrichtungen gewarnt. Der Menschenrechtsgruppe zufolge gab es im Jahr 2025 mehr als 350 Hinrichtungen in Saudi-Arabien gegeben, viele davon wegen ähnlicher Urteile gegen Ausländer.