Laut aktuellen Daten kostet ein Platz in einem städtischen Kindergarten durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr, während private Träger durchschnittlich nur 9.088 Euro pro Kind erhalten
Wien, 06.05.2026 (KAP) Die Wiener privaten Kindergartenträger fordern ein Ende des Zwei-Klassen-System in der Bundeshauptstadt. In einer gemeinsamen Aussendung haben am Mittwoch die St. Nikolausstiftung, Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien und Kinder in Wien (KIWI) mehr Gerechtigkeit zum Wohle der Kinder eingemahnt. Sie beziehen sich auf aktuelle Zahlen der Stadt Wien zur Finanzierung von Kindergartenplätzen. Demnach besteht ein strukturelles Ungleichgewicht zulasten der privaten Träger: Laut den veröffentlichten Daten kostet ein Platz in einem städtischen Kindergarten durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr, während private Träger lediglich durchschnittlich 9.088 Euro pro Kind erhalten.
Diese Differenz sei politisch nicht länger vertretbar: "Wir leisten tagtäglich dieselbe pädagogische Arbeit mit deutlich weniger Mitteln - und halten dennoch höchste Qualität und Einsatz aufrecht. Dieses System ist weder fair noch nachhaltig", hieß es wörtlich in der Aussendung. Es seien Steuergelder, die hier eingesetzt werden. Diese müssten gleich und gerecht verteilt werden.
Die als Begründung vonseiten der Verantwortlichen genannten knapp 1.500 Inklusionsplätze würden bei über 30.000 von der Stadt Wien betreuten Kindern rechnerisch kaum ins Gewicht fallen, sodass sich eine nicht zu rechtfertigende finanzielle Differenz ergebe. Zudem sei es bis 2020 privaten Trägern überhaupt nicht möglich gewesen, sogenannte "Integrationsgruppen" zu führen. Erst in der vergangenen Jahren habe es hier Änderungen gegeben.
Die privaten Träger kritisierten zugleich die ungleichen Rahmenbedingungen für Beschäftigte: Während in städtischen Einrichtungen das stadteigene Gehaltsschema gilt, würden Mitarbeitende bei den meisten privaten Trägern nach dem Mindestlohntarif für private Bildungseinrichtungen bezahlt. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit könne mit den aktuellen Fördergeldern nicht realisiert werden.
Die Organisationen forderten daher ein rasches, transparentes und faires neues Fördersystem, gleiche Rahmenbedingungen für alle Träger, kleinere Gruppen und einen besseren Personalschlüssel sowie eine gleiche und faire Bezahlung aller Mitarbeitenden. "Wir wollen Lösungen - aber dafür braucht es endlich Gespräche auf Augenhöhe und den politischen Willen zur Veränderung", hieß es in der Aussendung.
Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien, Kinder in Wien (KIWI) und die St. Nikolausstiftung, betreuen insgesamt rund 28.000 Kinder und decken damit rund 30 Prozent des elementaren Bildungs- und Betreuungsbedarfs in den Wiener Kindergärten und Horten ab.