Klimakrise und schwankende Weltmarktpreise setzen Produzenten unter Druck - Fairtrade-Geschäftsführer Kirner: "Wenn ich mir die letzten drei Jahre anschaue: Da war es schon einmal lustiger"
Wien, 08.05.2026 (KAP) Der Markt für Fairtrade-Produkte in Österreich ist 2025 trotz globaler Krisen deutlich gewachsen: Der geschätzte Gesamtumsatz stieg im Vergleich zu 2024 um 12,7 Prozent auf 796 Millionen Euro, wie Fairtrade Österreich am Freitag mitteilte. Gleichzeitig warnte Fairtrade-Geschäftsführer Hartwig Kirner vor einem zunehmenden Druck auf Produzenten durch Klimawandel, volatile Weltmarktpreise und steigende Kosten. Fairtrade-Mindestpreise und Prämien würden für viele Bauern-Kooperativen daher zunehmend zur wirtschaftlichen Absicherung, so Kirner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress. "Wenn ich mir die letzten drei Jahre anschaue: Da war es schon einmal lustiger."
Gestiegen ist 2025 der Absatz von Rosen mit einem Plus von 11,3 Prozent auf 44 Millionen Stück sowie von Bananen mit einem Anstieg um 6,9 Prozent auf knapp 39.500 Tonnen. Die verkaufte Menge an Kakaobohnen erhöhte sich um 3,7 Prozent auf knapp 12.000 Tonnen. Beim Rohkaffee gab es hingegen ein Minus von 6,3 Prozent sowie beim Rohrzucker mit einem Minus von 11,4 Prozent gegenüber 2024. Fairtrade Österreich erklärte dies mit hohen Preisen und Sortimentsänderungen.
Die multiplen Krisen hätten bei Fairtrade trotzdem keinen negativen Niederschlag hinterlassen. Kirner erklärte dies mit einem gestiegenen Konsumbewusstsein; so sei nachhaltiger Konsum für viele Menschen kein kurzfristiger Trend mehr. "Das Thema Nachhaltigkeit ist ein Stabilitätsanker geworden."
Angespannter Kakao-Sektor
Extreme Wetterereignisse, Ernteausfälle und steigende Produktionskosten hätten die Weltmarktpreise von Kakao und Kaffee zuletzt massiv steigen lassen. "Die Preisexplosion bei Kakao und Kaffee hängt stark mit klimatischen Veränderungen zusammen", sagte Kirner. Gleichzeitig könnten fairere und nachhaltigere Anbaumethoden helfen, Produktion und Erträge langfristig zu stabilisieren und abfallende Weltmarktpreise abzufedern.
Um Produzenten besser abzusichern, erhöht Fairtrade den Mindestpreis für Kakao ab Sommer von 2.400 auf 3.500 US-Dollar pro Tonne. Der Mindestpreis greift dann, wenn der Weltmarktpreis darunter fällt. "Der Weltmarktpreis war zuletzt zwar höher, sinkt jetzt aber wieder", erklärte Kirner. "Der Fairtrade-Preis fängt diese Senkung künftig ab." Mindestpreise seien jedoch immer ein Balanceakt: "Sie sind ein Kompromiss zwischen dem, was gut wäre, und dem, was notwendig ist."
Nach Angaben von Fairtrade Österreich flossen 2025 durch den Verkauf fair gehandelter Produkte in Österreich insgesamt 89,3 Millionen US-Dollar direkt an Produzentenorganisationen. Besonders hoch waren die Direkteinnahmen bei Kakao (31,9 Mio. Dollar), Kaffee (26,4 Mio. USD) und Bananen (23,9 Mio. USD).
"Landwirtschaft muss fairer werden"
Fairtrade-Produzenten würden oft kaum über finanzielle Reserven verfügen, wies Kirner hin. "Landwirtschaft muss für berechenbarer und fairer werden", sagte er. Gleichzeitig gebe es Reformen innerhalb des Fairtrade-Systems selbst. Die derzeit 27 Produktstandards seien über Jahrzehnte gewachsen und für Kooperativen teils mit erheblichem Verwaltungsaufwand verbunden. Künftig solle stärker vereinfacht werden. Als Beispiel nannte Kirner Doppelprüfungen: "Wenn eine Kooperative bereits Bio-Standards erfüllt, muss Fairtrade nicht alles noch einmal kontrollieren."
EU-Regulierungen gegen Greenwashing
Positiv bewertete Kirner die neuen EU-Regulierungen gegen Greenwashing als Chance für glaubwürdige Nachhaltigkeitssiegel. Die sogenannte EmpCo-Verordnung (Empowering Consumers) verpflichte Unternehmen künftig stärker dazu, Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen zu belegen.
Das Fairtrade-Siegel genießt in Österreich weiterhin hohe Bekanntheits- und Vertrauenswerte. Laut Fairtrade kennen 98 Prozent der Bevölkerung das Siegel, 87 Prozent vertrauen ihm.