Leo XIV. predigt am Tag seiner Wahl gegen den Krieg
08.05.202612:57
Italien/Vatikan/Papst/Kirche/Krieg/Armut
Papst mahnt in Marienheiligtum im süditalienischen Pompeji: Frieden wird "durch internationale Spannungen und durch eine Wirtschaft aufs Spiel gesetzt, für die der Waffenhandel wichtiger ist als der Respekt für das Leben"
Pompeji, 08.05.2026 (KAP) Am ersten Jahrestag seiner Wahl zum Papst hat Leo XIV. am Freitag die Gläubigen eindringlich aufgefordert, für den Frieden zu beten. In einer mehrfach von Beifall unterbrochenen Predigt vor rund 20.000 Menschen in der süditalienischen Stadt Pompeji stellte er den Aufruf zum Frieden als zentrale Botschaft des Christentums dar. Sie zeige einer Menschheit, die zum Herrschen und zum Krieg neige, die Zuneigung Gottes, die in Jesus Christus ihr menschliches Gesicht angenommen habe.
Das Rosenkranzgebet, eine in der katholischen Frömmigkeit wichtige Tradition, stelle zwei Themen in den Mittelpunkt: die Familie und den Frieden. Dieser werde, so der Papst unter Beifall, "durch internationale Spannungen und durch eine Wirtschaft aufs Spiel gesetzt, für die der Waffenhandel wichtiger ist als der Respekt für das Leben".
"Die Zeiten sind nicht besser geworden"
Mit Nachdruck erinnerte Leo XIV. an die großen Friedensaufrufe des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. (1978-2005). "Seither sind die Zeiten nicht besser geworden. Die Kriege, die noch immer in so vielen Teilen der Erde geführt werden, verlangen neue Anstrengungen." Diese müssten nicht bloß wirtschaftlich und politisch sein, sondern auch geistlich und religiös.
"Der Frieden entsteht im Herzen", so Papst Leo weiter. Er erinnerte an das Weltfriedensgebet der Religionen in Assisi des Jahres 1986 und an die zahlreichen Friedensaufrufe, die er selbst und sein Vorgänger Papst Franziskus (2013-2025) verkündet hatten. "Wir können uns nicht abfinden mit den Bildern des Todes, die uns die Nachrichtensendungen jeden Tag zeigen!", so Leo XIV. unter dem Beifall der Menge.
Er fuhr fort: "Möge vom Gott des Friedens überreiches Erbarmen auf uns herabkommen, das die Herzen erreicht, die Rachegefühle und den mörderischen Hass befriedet und jene erleuchtet, die als Regierende besondere Verantwortung haben." Er schloss mit den Worten: "Brüder und Schwestern, keine menschliche Macht wird die Welt retten, sondern nur die göttliche Kraft der Liebe, die Jesus uns gezeigt und geschenkt hat. Glauben wir an Ihn, hoffen wir auf Ihn, folgen wir Ihm."
Sozial Benachteiligte erzählen Leo von ihrem Schicksal
Der 8. Mai ist zugleich der Gedenktag der Madonna vom Rosenkranz, die in dem Marienheiligtum in Pompeji verehrt wird. Vor dem Gottesdienst auf dem Platz vor der Wallfahrtskirche, die 1878 auf Initiative des Anwalts Bartolo Longo (1841-1926) errichtet wurde, hatte der Papst rund 400 Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen begrüßt. Dabei sagte er, er fühle sich gesegnet, am Gedenktag der Madonna vom Rosenkranz, am Jahrestag seiner Papstwahl in dieser Kirche sein zu dürfen.
Laut Polizeiangaben befanden sich zum Papstbesuch rund 20.000 Menschen in dem Ort, der etwa 25.000 Einwohner zählt. Bei der Begegnung, an der auch sozial benachteiligte Familien und Waisenkinder teilnahmen, erzählten Betroffene dem Papst von ihrem Schicksal, von Krankheit, Gewalt und Einsamkeit, aber auch von der Hilfe, die sie erfuhren.
Der sichtlich bewegte Leo XIV. dankte ihnen und würdigte den Einsatz vieler Engagierter vor Ort für Menschen in kritischen Situationen durch Bildungseinrichtungen sowie eine nach Papst Franziskus benannte Suppenküche. Der Papst würdigte ausführlich den Initiator der religiösen und karitativen Einrichtungen von Pompeji, den 2025 von ihm selbst heilig gesprochenen Bartolo Longo.
Leo XIV. in Pompeji angekommen - Örtliches Marienheiligtum als Ziel der Reise zum Gedenktag der Madonna vom Rosenkranz - Kirchenoberhaupt am Nachmittag in Neapel