Politikwissenschaftlerin Prainsack in "ksoe"-Podcast: "Gerechtigkeitskonzeptionen ohne Solidarität hätten keine Hände und Solidarität ohne Gerechtigkeit hätte kein Gehirn"
Wien, 09.05.2026 (KAP) Die Wiener Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack wirbt dafür, Solidarität nicht etwa als ein "Add on" im Leben zu betrachten, sondern als eine "Seins-Tatsache", wonach der Mensch gar nicht anders kann, als sich mit anderen solidarisch zu verhalten. Das hat Prainsack in einer neuen Folge des Podcasts "Der Sozialkompass" der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) betont. Zudem müsse Solidarität immer auch im Zusammenspiel mit Gerechtigkeitskonzeptionen gesehen werden: "Gerechtigkeitskonzeptionen ohne Solidarität hätten keine Hände und Solidarität ohne Gerechtigkeit hätte kein Gehirn." Gerechtigkeit benötige Regeln etwa zur Verteilung, Solidarität zeige sich im konkreten Handeln. Das Zusammenspiel sei wichtig für eine funktionierende Gesellschaft, so Prainsack.
Unterscheiden lassen sich der Politikwissenschaftlerin zufolge drei verschiedene Ebenen der Solidarität: jene im zwischenmenschlichen Bereich, dann die Solidarität von Gruppen (etwa unter Angehörigen sozialer Schichten und Gruppen) und schließlich die Ebene institutionalisierter Solidarität. Gerade letztere gelte es zu stärken - etwa durch ein Mehr an "Vorverteilung". Darunter versteht Prainsack Investitionen in Güter des Gemeinwohls "bevor sich Ungleichheiten manifestieren können". Gemeint sind damit u.a. der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie die Sicherung des Bildungs- und Gesundheitssystems für alle. Dies seien Formen institutionalisierter Solidarität, deren Bedeutung für eine gerechte und stabile Gesellschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden können, betonte die Forscherin.