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Papst beklagt Armut und Gewalt in Neapel

08.05.2026 18:17
Italien/Vatikan/Papst/Kirche/Soziales/Neapel
Am ersten Jahrestag seiner Wahl besuchte Leo XIV. unter dem Jubel der Bürger die süditalienische Stadt
Neapel, 08.05.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat die Kirche in Neapel ermutigt, trotz vielfältiger Probleme die christliche Botschaft aktiv zu leben. "Neapel ist eine Stadt der tausend Farben, in der sich Kultur und Traditionen der Vergangenheit mit Moderne und Innovation verbinden", sagte er am Freitag im Dom der süditalienischen Metropole.

In Neapel zeigten sich neben einer lebendigen Volksfrömmigkeit auch zahlreiche soziale Probleme mit "vielen Gesichtern der Armut", und "sogar blutig von Gewalt", sagte Leo XIV. am ersten Jahrestag seiner Papstwahl vor Priestern und Ordensleuten der Diözese.

Ausdrücklich rief er die Seelsorgenden dazu auf, die christliche Botschaft in der Gesellschaft zu verfestigen und jeder Form der Vernachlässigung Fürsorge entgegenzusetzen. Dies gelte insbesondere für "erschöpfte Familien", oft orientierungslose junge Menschen und von Armut Betroffene.

Neue Formen des gemeinsamen Lebens für Priester

Zugleich zeigte er Verständnis, dass die Seelsorgenden oft von der Last ihrer Aufgabe, von Einsamkeit und Isolation zermürbt seien. Gerade vor diesem Hintergrund müsse Brüderlichkeit gefördert werden, vielleicht sogar durch neue Formen des gemeinsamen Lebens, "in denen Priester einander helfen und gemeinsam pastorales Handeln entwickeln" können, so der Papst. Es gehe darum, der "Versuchung des Individualismus" entgegenzuwirken. "Lasst uns die Kunst der Nähe üben!", rief er Priestern und Ordensleute auf.

Weiter ermutigte er die Kirche von Neapel, die synodale Methode, die eine Teilhabe aller Menschen fördert, zu vertiefen: Sie beinhalte gegenseitiges Zuhören, ein Einbeziehen aller, eine menschliche, pastorale und spirituelle Synergie zwischen Pfarren, Verbänden, Ordensleuten und Laien, so Leo XIV. Dies sei besonders hilfreich in einer Stadt, die von Ungleichheit, Jugendarbeitslosigkeit, Schulabbrechern und zerbrechlichen Familien geprägt sei.

"Ihr seid Teil einer Liebesgeschichte"

"Vergesst nicht: Ihr seid Teil einer Liebesgeschichte, der Liebesgeschichte des Herrn zu seinem Volk, die vor euch begann und nicht mit euch endet", so der Papst weiter. "Fürchtet euch nicht, lasst euch nicht entmutigen und seid für diese Kirche und für diese Stadt Zeugen Christi."

Zuvor hatte Leo XIV. in der Kathedrale die berühmten Reliquien des Heiligen Januarius (San Gennaro) besucht, bekannt durch das mehrmals im Jahr auftretende Blutwunder. "Ich möchte dem heiligen Gennaro meine Ehrerbietung erweisen, er ist so bedeutend", so der Papst. Unter dem Jubel der Menschen in der Kathedrale hob er die Ampulle empor und küsste sie. Erst am vergangenen Samstag war das Blutwunder pünktlich eingetreten - für die Gläubigen stets ein gutes Zeichen.

Besuch in Pompeji

Anschließend machte Leo XIV. eine lange Fahrt im Papamobil auf der Piazza del Plebiscito und durch die umliegenden Straßen, wo er von rund 50.000 Menschen begrüßt wurde.

Am Freitagvormittag hatte der Papst das benachbarte Pompeji besucht. Dort begrüßte er sozial benachteiligte Menschen und feierte auf dem Platz des berühmten Marienheiligtums die Messe.

Der Besuch des Papstes in Süditalien endet mit einer Begegnung mit Bürgern auf der zentralen Piazza. Am Abend kehrt er in den Vatikan zurück.
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