Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping in "Tagespost": Neue Regelung der Bischofskonferenz schwächt traditionelles Verständnis von Priestertum und kirchlicher Leitung
Würzburg, 09.05.2026 (KAP/KNA) Der Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping sieht in der neuen Ausbildungsordnung für Priester in Deutschland eine grundlegende Verschiebung des katholischen Priesterbildes. Die von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedete "Ratio nationalis" schwäche die klassische Unterscheidung zwischen geweihtem Priesteramt und nicht geweihten pastoralen Diensten, schreibt Hoping am Samstag in der "Tagespost" (online).
Die neue Ordnung verabschiede sich faktisch vom Leitbild des Pfarrers als geistlichem Leiter und setze stattdessen auf Synodalität, Teamstrukturen und die stärkere Einbindung von Laien. Besonders markant sei die Aussage, wonach "Leitungskompetenz" keine Voraussetzung mehr für die Priesterweihe sei, so Hoping. Die Ausbildungsordnung verstehe sich ausdrücklich nicht mehr als "Pfarrerausbildung".
Künftig würden viele Priester vor allem als "mitarbeitende Priester" ohne eigene Leitungsverantwortung tätig sein. Gleichzeitig wachse die Bedeutung nicht geweihter pastoraler Dienste. Bereits seit Jahren hätten Bischöfe Laien schrittweise Aufgaben übertragen, die traditionell Priestern vorbehalten gewesen seien, schreibt Hoping. Dazu gehörten etwa Begräbnisdienste, Sakramentalien oder Aufgaben der Gemeindeleitung.
Kleriker und Laien gemeinsam
Die neue "Ratio nationalis" stellt die gemeinsame Verantwortung von Klerikern und Laien ins Zentrum. Vorgesehen sind dezentrale Ausbildungswege, gemeinsame Ausbildungsformate mit anderen pastoralen Berufsgruppen sowie eine stärkere Beteiligung qualifizierter Frauen an der Priesterausbildung.
Dadurch verändere sich die Wahrnehmung des Priesteramtes, so Hoping. Priester würden zunehmend auf ihre sakramentale Rolle als "Diener des eucharistischen Kultes" reduziert, während Leitungs- und Steuerungsaufgaben anderen Akteuren zufielen.
Kritisch äußert sich der Freiburger Dogmatiker zudem zum Umgang mit Homosexualität im Klerus. Während die vatikanische "Ratio fundamentalis" das Thema ausdrücklich behandle, werde es in der deutschen Ausbildungsordnung lediglich in einer Fußnote erwähnt. Die "Homosexualisierung des Priesterklerus" werde damit ausgeblendet, schreibt Hoping. Verlässliche empirische Daten gebe es zwar nicht, "Insider" schätzten den Anteil homosexueller Priester jedoch teilweise auf bis zu 50 Prozent, so der Theologe.