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Bild Copyright: © Georg Pulling

Christlich-jüdischer Dialog: Verantwortliche bauen Vernetzung aus

12.05.2026 09:15
Österreich/Kirche/Christentum/Judentum/Dialog/Scheuer/Polak/Engelmayer
Dialog- und Ökumene-Verantwortliche der österreichischen Diözesen mit Oberrabbiner Engelmayer und Spitzen des christlich-jüdischen Koordinierungssauschusses zusammengetroffen
Wien, 12.05.2026 (KAP) Viel ist im christlich-jüdischen Dialog in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, viel bleibt aber auch noch zu tun bzw. eine immerwährend bleibende Hausaufgabe. Darin waren sich die Teilnehmenden des zweiten Vernetzungstreffens von Dialog- und Ökumene-Verantwortlichen der österreichischen Diözesen einig. Die Expertinnen und Experten trafen dieser Tage in Wien zusammen. Ein Fokus der Beratungen, an denen auch Oberrabbiner Jaron Engelmayer und die Spitzen des christlich-jüdischen Koordinierungssauschusses teilnahmen, lag dabei auf dem Einsatz gegen Antisemitismus. Gastgeber war Dechant Ferenc Simon, Wiener Diözesanbeauftragter für die christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Mit solchen Treffen solle "ein Raum des Zuhörens, der gegenseitigen Ermutigung und der gemeinsamen geistlichen Unterscheidung" geschaffen werden, so Dechant Simon am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress. Indem die Verantwortlichen aus den Diözesen Erfahrungen teilen und sich miteinander verbinden, wachse ein tragfähiges Netzwerk, "das den christlich-jüdischen Dialog nicht als Randthema, sondern als Weg der Kirche versteht - als Lernweg aus der gemeinsamen Quelle, der den Glauben vertieft und den Blick für Gottes Wirken in der Begegnung schärft".

Aus dieser Haltung würden Zukunftsperspektiven erwachsen, wenn es darum gehe, "den Einsatz gegen Antisemitismus als konkrete Form christlicher Verantwortung zu stärken, junge Menschen für den Dialog zu gewinnen und Gemeinden auf einem judentumssensiblen spirituellen Weg zu begleiten", zeigte sich Simon überzeugt. Zugleich könne eine stärkere ökumenische Weite des Dialogs - etwa durch die Einbindung evangelischer und orthodoxer Stimmen - helfen, "das gemeinsame Zeugnis zu vertiefen und Projekte so weiterzuentwickeln, dass Vertrauen wächst, Begegnung möglich bleibt und Frieden im Alltag Gestalt annimmt".

Inhaltliche Impulse kamen von Oberrabbiner Jaron Engelmayer, der Präsidentin des Koordinierungssausschusses für den christlich-jüdischen Dialog, Regina Polak, ihrem Vorgänger in diesem Amt, Martin Jäggle, sowie dem katholischen Linzer Bischof Manfred Scheuer, bis zuletzt in der Bischofskonferenz für den Dialog mit dem Judentum zuständig.

Dialog kein Nischenthema

Prof. Polak wies aus Sicht des Koordinierungsausschusses auf zentrale Herausforderungen für den Dialog hin. Neben besagtem Einsatz gegen Antisemitismus gelte es u.a., mehr junge Menschen gezielt für den christlich-jüdischen Dialog zu gewinnen. Dieser Dialog sei jedenfalls kein Nischenthema, sondern sollte in alle Bereiche der Kirche durchbuchstabiert werden, so Polak. "Der christliche Glaube wird dadurch bereichert und vertieft", zeigte sich die Theologin überzeugt.

Polak bilanzierte zudem, dass der "Tag des Judentums" (17. Jänner) inzwischen in Österreich flächendeckend angekommen sei. Es gebe zahlreiche Gottesdienste, Veranstaltungen und weitere Initiativen an diesem Tag und im Vorfeld dazu. Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat im Jahr 2000 den 17. Jänner als eigenen Gedenktag im Kirchenjahr eingeführt. Der Koordinierungsausschuss ist maßgeblich an der Umsetzung beteiligt. Dabei sollen sich die Christen in besonderer Weise ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden. Zugleich soll auch das Unrecht an jüdischen Menschen und ihrem Glauben in der Geschichte thematisiert werden. Auf den "Tag des Judentums" folgt die weltweite Ökumene-Gebetswoche für die Einheit der Christen (18. bis 25. Jänner).

Prof. Jäggle wies in seinen Ausführungen u.a. auf den inhaltlichen Zusammenhang des "Tages des Judentums" und der Gebetswoche hin. Die gemeinsame Besinnung auf die jüdischen Wurzeln seien nicht etwa nur dem Bemühen um mehr Kircheneinheit vorgelagert, sondern vielmehr grundlegend für die Kircheneinheit. Jäggle zeigte sich zudem überzeugt, dass es durch den Dialog auch zu einer spirituellen Erneuerung kommen könne. "Der christlich-jüdische Dialog muss ein spirituelles Anliegen sein", so Jäggle wörtlich unter Verweis auf den Schweizer Jesuiten und Judaisten Christian Rutishauser. Für den Weg zu einer "judentumssensiblen christlichen Theologie und christlichen" Existenz brauche es lernende Gemeinden, die aktiv einen spirituellen Weg gehen. Sie dazu anzuregen, zu unterstützen und zu begleiten wäre eine vorrangige Aufgabe, so Jäggle.

Erfahrungen in Österreich

Bischof Scheuer wie auch Oberrabbiner Engelmayer verwiesen in ihren Ausführungen auf das Dokument "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65), das ein neues Kapitel in den Beziehungen der Katholischen Kirche zu den anderen Religionen eröffnete.

Engelmayer sprach von sehr positiven persönlichen Erfahrungen im christlich-jüdischen Dialog in Österreich. Es gebe vielfach ein gewachsenes vertrauensvolles Miteinander, demgegenüber stünden aber leider auch viele persönliche Erfahrungen von Jüdinnen und Juden - ihn selbst miteingeschlossen - mit Antisemitismus in Österreich.

Als positive Beispiele für Dialog, Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung in Wien nannte Engelmayer etwa die Plattform der Religionen, den "Campus der Religionen" oder auch die "Wiener Erklärung". Im Jänner 2025 hatten Engelmayer, Kardinal Christoph Schönborn und Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die Erklärung erstmals unterzeichnet. Im März 2026 wurde die Erklärung von Vertretern von nun bereits zehn Religionsgemeinschaften nochmals unterzeichnet, die auch im Rahmen des Wiener "Campus der Religionen" zusammenarbeiten. Darin halten sie fest, dass sie sich aus dem Glauben als "kraftvolle Basis" heraus gemeinsam für den Frieden einsetzen, jeden "Missbrauch von Religion zur Anstiftung oder Rechtfertigung von Terror und Gewalt" und jede "Diskriminierung und Bedrohung religiösen Lebens" verurteilen und sich verpflichten, das gegenseitige Verständnis in den jeweiligen Religionsgemeinschaften zu stärken.

Neben offiziellen Gremien und Zusammenkünften gibt es aber auch nicht öffentliche, regelmäßige Begegnungen auf höchster Ebene, die das gegenseitige Vertrauen nochmals stärken würden, ließ der Oberrabbiner weiter durchblicken, der u.a. in Bischof Scheuer in dieser Beziehung ein Gegenüber hat.

Für Bischof Scheuer darf es im Dialog nicht vordergründig nur darum gehen, Positionen auszutauschen, gemeinsame Erklärungen abzugeben oder sich in der eigenen Identität zu stärken, sondern vor allem auch darum, sich vom Dialogpartner anfragen zu lassen. "Wie erleben Jüdinnen und Juden unsere Liturgie?", nannte Scheuer in seinem Impulsvortrag ein Beispiel.

Vielfältige Dialog-Initiativen

An Initiativen, die das Miteinander in Österreich stärken, wurden bei den Beratungen etwa die Projekte "Likrat und Dialog:Abraham" genannt. Im Rahmen des Dialogprogramms "Likrat - Lass uns reden" der Israelitischen Kultusgemeinde Wien werden jüdische Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren ausgebildet und besuchen dann Schulen und andere Bildungseinrichtungen, um mit gleichaltrigen nichtjüdischen Schülerinnen und Schülern ein offenes Gespräch über ihr Jüdischsein zu führen, kritische Fragen zu beantworten und möglichen Vorurteilen entgegenzuwirken.

In der Initiative "Dialog:Abraham" wirken Studierende und junge Erwachsene mit jüdischem, christlichem oder muslimischem Hintergrund. Im Fokus steht der Austausch über theologische und gesellschaftsrelevante Themen, aber auch ein Kennenlernen von religiösen Bräuchen und die Förderung des Dialogs durch Materialien, wie einen interreligiösen Feiertagskalender oder ein interreligiöses Kartenspiel.

Ein weiteres innovatives Projekt: Der von der ökumenischen Radioagentur "Studio Omega" produzierte Theologie-Podcast "Diesseits von Eden" widmet sich künftig verstärkt dem christlich-jüdischen Dialog. In der ersten Folge haben Oberrabbiner Engelmayer, Präsidentin Polak und Bischof Scheuer zum Dialog Stellung genommen und erörtert, wie die beiden Feste Ostern und Pessach zusammenhängen. Weitere Folgen sind in Planung.

Von verschiedenen Seiten wurde bei den Beratungen auch eine stärkere ökumenische Dynamik des Dialogs als wünschenswert erachtet. So soll das Gremium künftig auch um Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und orthodoxen Kirchen erweitert werden.
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