Luxemburg: Zsifkovics mit Plädoyer für gemeinsames "Haus Europa"
11.05.202615:28
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Eisenstädter Bischof predigte bei traditioneller Marienwallfahrt in Luxemburg und hob christlich-jüdisches Erbe Europas hervor - Warnung vor Populisten und Demagogen mit "einfachen Lösungen"
Luxemburg, 11.05.2026 (KAP) Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics hat am Sonntag in Luxemburg auf Einladung von Kardinal Jean-Claude Hollerich an der traditionellen Wallfahrt zur "Trösterin der Betrübten" in der Kathedrale Unserer Lieben Frau teilgenommen und die Festpredigt gehalten. In seiner Predigt nutzte Zsifkovics den zeitlichen Zusammenhang mit dem Europatag (9. Mai), um einen eindringlichen Appell für europäische Werte und Menschlichkeit zu formulieren.
Luxemburg feiert den 9. Mai als gesetzlichen Feiertag - eine Besonderheit, die der Eisenstädter Bischof in seiner Predigt ausdrücklich würdigte. Der Europatag erinnere an die Grundwerte, auf denen die EU gründe und die das jüdisch-christliche Erbe Europas widerspiegeln: "die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Frieden, Versöhnung und Solidarität", so der Bischof.
Angesichts wachsender Spaltung, Populismus und Fremdenhass in Europa mahnte Zsifkovics zum Hinschauen und Handeln: Die Kirchen seien mitverantwortlich für den Zusammenhalt des gemeinsamen Hauses Europa. Bischof Ägidius würde sich wünschen, dass der Europatag auch bei uns in Österreich und in den anderen EU-Mitgliedstaaten ein Feiertag wäre, als ein wichtiges Zeichen des Zusammenwachsens und einer gemeinsamen Identität.
Drei Haltungen für gelingendes Menschsein
Am Vorbild Marias entfaltete Zsifkovics drei Grundhaltungen, die er als wesentlich für das Christsein und Menschsein heute bezeichnete: Hören, Hinschauen und Hinausgehen. In einer von digitalen Reizen übersättigten Welt brauche es die Fähigkeit zum echten Zuhören - auf Gott, sein Wort und auf die Mitmenschen, so der Bischof. Der synodale Prozess der Kirche sei ein Aufruf, diese Haltung zu erneuern.
Wegschauen sei bequemer als Hinschauen, sagte Bischof Zsifkovics weiter, "aber keine christliche Option". Als Vorbild nannte Zsifkovics Maria bei der Hochzeit zu Kana: Durch ihr aufmerksames Hinschauen konnte sie dem Brautpaar in der Not helfen und so zur "Trösterin der Betrübten" werden. Diese Haltung sei heute in Europa besonders gefragt: beim Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ebenso wie beim Einsatz für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Vorurteile, Hetze und Fremdenhass seien auf dem Vormarsch - Populisten und Demagogen nützten "einfache Lösungen", um Menschen für ihre Ideologien zu gewinnen, zeigte sich der Bischof besorgt. Dem müsse die Kirche mit dem Eintreten für jene Werte entgegentreten, die Europa tragen: Freiheit, Frieden, Versöhnung und Solidarität.
Auch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten zerstörten das friedliche Miteinander, das Europa seit 81 Jahren kenne. Zsifkovics schloss sich daher dem Friedensappell von Papst Leo XIV. an: "Schluss mit dem Krieg - Haltet ein - Krieg ist ein Skandal für die ganze Menschheit!"
Christlicher Glaube dränge zudem nach außen, "zu den Menschen hin", führte der Eisenstädter Bischof weiter aus. In Anlehnung an den kürzlich verstorbenen Bischof von Erfurt, Joachim Wanke, rief Zsifkovics die "Werke der Barmherzigkeit" ins Gedächtnis - neu übersetzt für die Gegenwart: Zugehörigkeit statt Ausgrenzung, Zuhören statt Gleichgültigkeit, Wahrheit statt Fake News, Solidarität statt Egoismus.
Verbindung zwischen Eisenstadt und Luxemburg
Die Wallfahrt fand im Rahmen der traditionellen Muttergottesoktav in Luxemburg statt. Das diesjährige Motto der Oktav lautet: "Menschsein heute, im hier und jetzt." Neben vielen Landes- und Stadtpolitikern nahm etwa auch der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an der traditionellen Wallfahrt teil. Die Pilgerinnen und Pilger kamen zudem nicht nur aus Luxemburg, sondern auch den Nachbarländern.
Bischof Zsifkovics übergab Kardinal Hollerich am Ende der Messe ein Martinskreuz, in welches ein Stück Eisen aus dem Eisernen Vorhang eingearbeitet wurde. Bischof und Kardinal legten es gemeinsam als Votivgabe der Muttergottes am Altar hin.
Zsifkovics ist mit Hollerich seit Jahren freundschaftlich verbunden. 2022 hatte der Luxemburger Kardinal gemeinsam mit Zsifkovics das Fest des Diözesan- und Landespatrons des hl. Martin von Tours im Eisenstädter Martinsdom gefeiert. Beide Dome beherbergen zudem ein Gnadenbild der "Trösterin der Betrübten" - eine gemeinsame spirituelle Wurzel, die die Erzdiözese Luxemburg und die Diözese Eisenstadt seit Langem verbindet.