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Protestaktion 'Blackbox Pflegereform'
Soziales
Bild Copyright: © Hilswerk Österreich/APA-Fotoservice/Richard Tanzer

Protestaktion: Hilfsorganisationen pochen auf umfassende Pflegereform

12.05.2026 12:03
Österreich/Politik/Kirche/Hilfsorganisation/Finanzen/Medizin & Gesundheit/Langzeitpflege
Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe beklagen fehlende Finanzierung für Ausbau der Langzeitpflege vor dem Parlament
Wien, 12.05.2026 (KAP) Die Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe haben bei der Aktion "Blackbox Pflegepolitik" vor dem Parlament am Dienstag für eine umfassende Pflegereform protestiert. Die fünf Organisationen, welche sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) zusammengeschlossen haben, beklagten fehlende finanzielle Mittel für notwendige Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen, welche Betroffenen und der öffentlichen Hand "teuer zu stehen kommen". Die vor dem Parlament positionierte Blackbox stehe symbolisch für die "Erfahrungen, Erkenntnisse und Lösungsvorschläge, aber auch die Nöte und Bedarfslagen der Betroffenen", die im "Nichts" verschwinden würden, betonte Elisabeth Anselm, Hilfswerk-Geschäftsführerin und BAG-Vorsitzende.

Obwohl der Bedarf an Pflege seit Jahren steige und weiter ansteigen werde, würde die Langzeitpflege politisch noch immer wie ein Nebenthema behandelt werden, kritisierte Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, die selbst oft schon alt und belastet seien, bräuchten mehr Unterstützung. "Über 80 Prozent der Menschen mit Pflegebedarf werden zu Hause betreut - meistens von Angehörigen. Dort, wo Menschen eigentlich bleiben wollen. Aber genau dort ist die Belastung oft am größten. Nicht nur organisatorisch. Sondern vor allem auch finanziell."

Es brauche daher einen "zügigen" Ausbau der Langzeitpflege, um unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, betonte Parr. Behandlungen wie Diabetes-Einstellungen oder Wundversorgung könnten längst durch die Hauskrankenpflege erbracht werden. "Der je nach Bundesland unterschiedlich hohe Selbstbehalt zwingt Betroffene aber aus finanziellen Gründen in Ambulanzen und Spitäler", so Parr. Für die öffentliche Hand und für die Betroffenen sei das ein teurer Fehlanreiz.

Ausbau der Kapazitäten für Reha

3,4 Millionen Einsatzfahrten verzeichnet das Rote Kreuz pro Jahr, wie Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes berichtete. Ein großer Teil entfalle auf Transporte Pflegebedürftiger vom und zum Spital. "Allein unsere Treibstoffkosten haben sich in den letzten Monaten um 5,6 Millionen Euro verteuert." Viele Fahrten ließen sich vermeiden. Behandlungswartezeiten ließen sich verkürzen, wenn Menschen durch mobile Dienste zu Hause gepflegt werden könnten und Reha-Kapazitäten ausgebaut würden. Patientinnen und Patienten müssten so auch nicht in ein Pflegeheim wechseln. Ersteres koste die öffentliche Hand pro Person und Jahr ca. 4.000 Euro, das Pflegeheim rund 30.000 Euro.

Die derzeitigen Angebote für ältere und pflegebedürftige Menschen seien "von althergebrachten Leistungskatalogen geprägt", sagte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. "Menschen, die zu Hause gepflegt werden, haben im Schnitt 20 Minuten Unterstützung am Tag." Rund die Hälfte der Menschen mit Pflegebedarf wird allein durch ihre Angehörigen betreut. "Jede und jeder zweite pflegende Angehörige ist selbst über 60, jede und jeder fünfte sogar über 70 Jahre alt", berichtete Moser. Sie seien eine "wesentliche Säule" des Pflegesystems, doch sie bekämen nicht die Unterstützung, die sie brauchen. Die oft versprochene Entlastung für pflegende Angehörige sei "in der Blackbox Pflegepolitik stecken geblieben".

Pflegegeldreform

"Menschenwürde und sichere Pflege darf keine Frage des Einkommens oder des Wohnorts sein", forderte Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich. Vier Fünftel der Menschen in Österreich würden im Alter in ihren eigenen vier Wänden gepflegt werden wollen. Er bewarb das Prinzip "digital vor mobil vor stationär". Das bedeute, dass die Pflege und Betreuung zu Hause leistbarer werden müsse. "Zahlreiche Familien geraten jedoch durch Pflegearbeit im eigenen Umfeld finanziell schwer unter Druck", beklagte Fenninger. Es brauche eine grundlegende Reform des Pflegegeldes sowie eine langfristige Finanzierungsstrategie für Pflege und Betreuung, so seine Forderung.

Die BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt) ist der größte Verbund von Langzeitpflege-Anbietern in Österreich. Seit 1995 haben sich die großen gemeinnützigen Sozialorganisationen Österreichs - Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe - zusammengeschlossen. Im BAG-Verbund sind rund 22.500 Menschen in Pflege und Betreuung beschäftigt. Sie pflegen und begleiten 155.000 Menschen in mobiler und stationärer Pflege sowie in sonstigen Betreuungsformen. In der mobilen Pflege übernehmen die BAG-Organisationen zwei Drittel aller geleisteten Stunden.
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