Wiener Erzbischof nach Privataudienz beim Papst im Kathpress-Interview: Würden uns sehr freuen, wenn der Papst kommt, Österreich dürfte aber nicht ganz oben auf päpstlicher Reiseziel-Liste stehen
Vatikanstadt, 12.05.2026 (KAP) Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat Papst Leo XIV. unlängst nach Österreich eingeladen. Erzbischof Josef Grünwidl hat diese Einladung im Rahmen seiner Privataudienz beim Papst am Montag bekräftigt. Das hat Grünwidl im Interview mit Kathpress am Montagabend in Rom bestätigt: "Ich habe die Einladung wiederholt und dem Papst gesagt, dass wir uns sehr freuen würden, wenn er nach Österreich kommt."
Freilich sei er sich dessen bewusst, so Grünwidl, "dass wir in Österreich weltkirchlich gesehen zahlenmäßig eine sehr kleine Kirche sind". Nur rund drei Promille der Katholiken weltweit lebten in Österreich. Zugleich könne man aber schon auch hinzufügen, dass die Bedeutung von Wien und Österreich für Europa sicherlich höher zu bewerten sei. Für die Einladung habe sich der Papst bedankt, aber sich nicht weiter dazu geäußert, so Grünwidl: "Mein Eindruck ist, dass Österreich jetzt nicht ganz oben auf seinen Reiseziel-Listen steht."
Pallium und Kardinalsernennungen
Darauf angesprochen, dass er als Wiener Erzbischof von vielen auch als künftiger Kardinal gehandelt wird, meinte Grünwidl, er wisse nicht, welchen Kurs Papst Leo im Blick auf Kardinalsernennungen fahren wird. Papst Franziskus habe befunden, dass das Kardinalskollegium immer noch europäisch überrepräsentiert sei und nicht mehr der Realität der Weltkirche entspricht. Und so habe er begonnen, die Erzbischöfe in europäischen Hauptstädten wie Prag, Paris oder Berlin nicht mehr automatisch zu Kardinälen zu ernennen. Er persönlich finde es klug, "dass man im Kardinalskollegium versucht, die Realität der Weltkirche abzubilden". Aber das sei eine Entscheidung, die Papst Leo zu treffen hat.
Im Interview mit dem ORF fügte Grünwidl hinzu, dass er persönlich jedenfalls keine Ambitionen auf die Kardinalswürde habe: "Kardinal zu sein bedeutet, öfter auch in Rom zu sein, und ich bin in Wien wirklich ausgelastet."
Im Kathpress-Interview kam Grünwidl auch darauf zu sprechen, dass er am 29. Juni, dem Festtag von Peter und Paul, in Rom von Papst Leo wie alle neu ernannten Erzbischöfe das Pallium überreicht bekommt. Das mit sechs Kreuzen bestickte, etwa fünf Zentimeter breite Band aus weißer Lammwolle dürfen nur Erzbischöfe tragen, die eine Kirchenprovinz leiten. In Österreich sind dies der Erzbischof von Salzburg und von Wien. Dieses Wollband erinnere ihn noch stärker an die Aufgabe und an das Geschenk, "Hirte für die Menschen sein zu dürfen". Zudem sei es ein "Symbol der tiefen Verbundenheit mit dem Heiligen Vater".
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