Caritasdirektor Sandriesser fordert mehr Ressourcen der öffentlichen Hand: "Wenn wir jetzt nicht mehr Personal bekommen, dann werden Menschen wieder auf der Straße schlafen"
Klagenfurt, 12.05.2026 (KAP) Die Caritas Kärnten hat angesichts einer sich verschärfenden sozialen Krise im Land Alarm geschlagen: Fehlender leistbarer Wohnraum, anhaltende Teuerung und immer komplexere Problemlagen der Betroffenen würden die bestehenden Hilfssysteme an ihre Grenzen bringen, hieß es in einer Aussendung. "Wir sind an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Wir arbeiten rund um die Uhr, aber die Anfragen überrollen uns. Wenn wir jetzt nicht mehr Personal bekommen, dann werden Menschen wieder auf der Straße schlafen", warnte Caritasdirektor Ernst Sandriesser.
Die Notschlafstelle im Eggerheim sei am Limit: Die Zahl der Menschen, die ins Kompetenzzentrum für Wohnungslosenhilfe, Sozialberatung, Mittelverwaltung, Meldeadresse, Essen und Kleidung kommen, sei seit 2024 so dramatisch angestiegen, "dass wir so nicht mehr weiter arbeiten können, obwohl wir es gewohnt sind, ständig mit begrenzten Ressourcen zu arbeiten. Aber was wir jetzt erleben, sprengt alles Bisherige", berichtete Sandriesser. Zwischen 600 und 700 Menschen wurden in der Vergangenheit pro Jahr in der Einrichtung der Caritas Kärnten Tag und Nacht betreut. Seit 2024 steige die Zahl der Hilfesuchenden an. Um die 1.000 sind es aktuell, wie die "Kleine Zeitung" am Dienstag berichtete.
Es sei für ihn unverständlich, "warum wir in dieser Situation alleine gelassen werden", klagte Sandriesser. Der große Andrang führe auch zu längeren Wartezeiten auf neuen Wohnraum. Während die Wartezeit vor fünf Jahren "nur" rund eineinhalb Monate dauerte, seien es nun neun Monate, so Martin Göhler, Sozialarbeiter in der Notschlafstelle im Eggerheim, gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Hilfsleistungen und Obdachlose in Gefahr
Die Caritas Kärnten könne die Krise nicht länger alleine abfedern. Es brauche rasch "nachhaltige, strukturelle Lösungen, eine faire Finanzierung und den politischen Willen, soziale Sicherheit als Grundpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts ernst zu nehmen", forderte Sandriesser. Bestrebungen wie der jüngst eingebrachte Gemeinderatsantrag in Klagenfurt zur faireren Kostenverteilung sei zu begrüßen, doch blieben solche Maßnahmen ohne strukturelle Unterfinanzierung der Wohnungslosenhilfe reine Kosmetik.
Positiv hob Sandriesser auch die Wohnbeihilfe NEU hervor. Sie sei gut und wirke, aber nur für Menschen, die eine Wohnung hätten. "Viele Menschen haben eine Zusage, aber warten sechs bis neun Monate bei uns in der Notschlafstelle, bis die Wohnung frei wird. Für diese Zeit brauchen wir Platz und Personal, wo wir die Menschen unterbringen und betreuen können", schilderte er die Lage. Ohne mehr Ressourcen stünden diese Hilfsleistungen und auch Obdachlose in Gefahr. "Jede gekürzte Maßnahme bedeutet weniger Schutz und weniger Stabilität für Menschen in existenzieller Not", verwies Sandriesser auf die zunehmende Gewalt gegen obdachlose Menschen.
Versorgungsauftrag von Gemeinden und Land
Die Tag- und Nacht-Versorgung der jährlich rund 1.000 Personen im Eggerheim erzeugt Kosten in der Höhe von rund 900.000 Euro. Von der öffentlichen Hand stehen allerdings nur 440.000 Euro zur Verfügung. Der Großteil wird von Spenden finanziert. Gemeinden und Land dürften sich "die heiße Kartoffel nicht länger zuspielen". Sowohl die Wohnsitzgemeinden als auch das Land hätten einen Versorgungsauftrag, betonte der Caritasdirektor. "Diese riesige Lücke kann nicht dauerhaft durch private Spenden geschlossen werden. Wir haben prozentuell die niedrigsten öffentlichen Zuschüsse. Das geht sich vorne und hinten nicht mehr aus."