Jerusalem: Knesset-Ausschuss tagt zu antichristlicher Gewalt
13.05.202614:03
Israel/Konflikte/Religion/Rassismus/Parlament
Übergriffe auf Christen in Jerusalem und andernorts in Israel Thema im Parlament
Jerusalem, 13.05.2026 (KAP/KNA) Der Ausschuss für Einwanderung, Integration und Diaspora des israelischen Parlaments hat sich am Mittwoch mit Belästigungen christlicher Geistlicher und Pilger in der Jerusalemer Altstadt befasst. Vor dem nationalistischen Flaggenmarsch zum Jerusalem-Tag am Donnerstag warnte der Ausschuss-Vorsitzende Gilad Kariv (Arbeiterpartei) vor rassistischen Ausschreitungen und Hassbekundungen gegenüber Christen und Muslimen, wie das Parlament mitteilte. An dem Treffen nahm auch der Botschafter des Papstes, Erzbischof Giorgio Lingua, teil.
Kariv forderte einen Runden Tisch der zuständigen Ministerien unter Leitung des Außenministeriums sowie eine engere Zusammenarbeit der Polizei mit den Religionsvertretern in der Altstadt. Alle staatlichen Stellen müssten das "abscheuliche Phänomen" der Angriffe auf Christen angehen, die die Grundwerte Israels untergrüben.
"Regelrechter Terrorakt"
Israel sei in der Pflicht, die Religions- und Kultfreiheit aller Religionen zu wahren, so der Abgeordnete. Einen Angriff, bei dem eine französische Ordensfrau Anfang Mai am Kopf verletzt wurde, bezeichnete der Oppositionspolitiker als "regelrechten Terrorakt".
Vertreter der Kirchen forderten bei der Sitzung ein staatliches Durchgreifen gegen antichristliche Gewalt. "Das sind Hassverbrechen, die nicht geschehen dürfen", so der Kanzler des armenischen Patriarchats, Aghan Gogchyan. Sie geschähen aber "unter der Herrschaft des Staates Israel".
Der Vertreter des koptischen Patriarchates, Bishoy Zaki, verwies auf eine Strafverfolgung von Hassverbrechen und antisemitischen Äußerungen etwa in den USA. In Israel gelinge es nicht immer, die Verantwortlichen für Hassverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Diese schadeten aber der Einheit zwischen den Religionen und erschwerten den Dialog.
Kritik an der Polizei
Mit Blick auf den jährlichen Fahnenumzug zum Jerusalem-Tag kritisierte der Ausschuss-Vorsitzende Kariv die Freigabe des Zugs durch das muslimische Altstadtviertel. Seit Jahren wiederholten sich zum Umzug verbale und körperliche Übergriffe auf Muslime und Christen, ohne dass angemessene Maßnahmen ergriffen würden. "Man darf nicht länger zulassen, dass der Flaggenumzug durch das muslimische Viertel zieht, solange Israels Polizei nicht aufstachelnde Gesänge und rassistische Äußerungen unterbindet", sagte Kariv.
Kirchen in der Jerusalemer Altstadt hätten die Anweisung gegeben, während des Umzugs die Türen geschlossen zu halten, sagte die Aktivistin Yisca Harani laut dem Knesset-Bericht. Ein Vertreter der lateinischen Kirche erklärte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), ihm sei nichts zu einem solchen Aufruf bekannt.
Die im interreligiösen Dialog engagierte israelische Jüdin Harani ist Leiterin des Online-Datenzentrums "report-hotline.com", bei dem Opfer und Zeugen Vorfälle anonym melden können. Für 2025 verzeichnete die Hotline nach eigenen Angaben landesweit 181 Übergriffe auf Christen, 150 davon in Jerusalem.