Ordensmuseen wollen Räume für Dialog und Begegnung schaffen
14.05.202609:00
Österreich/Kirche/Kultur/Orden/Museum
Österreich verfügt über 116 Ordensmuseen und Sammlungen, "die das reiche kulturelle und spirituelle Erbe der Ordensgemeinschaften sichtbar machen" und zudem vielfältige Brückenbauerfunktionen innehaben
Wien, 14.05.2026 (KAP) Am 18. Mai rücken Museen rund um den Globus in den Fokus der Aufmerksamkeit: Der Internationale Museumstag steht heuer unter dem Motto "Museen - Brückenbauerinnen in einer gespaltenen Welt" und will in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung eine zentrale Aufgabe von Museen betonen: Sie schaffen Räume für Dialog, Verständnis und Begegnung. Besonders eindrucksvoll komme das auch in den 116 österreichischen Ordensmuseen und Sammlungen zum Ausdruck, "die seit jeher Brücken zwischen Jahrhunderten, Kulturen und Lebenswelten schlugen", wie die heimischen Ordensgemeinschaften in einer Aussendung betonen.
Museen seien verbindende Institutionen, "die den Austausch fördern, Perspektivenwechsel ermöglichen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken". Museen machten Geschichte erfahrbar und eröffneten dadurch neue Zugänge zur Gegenwart.
Österreich verfügt über 116 Ordensmuseen und Sammlungen, "die das reiche kulturelle und spirituelle Erbe der Ordensgemeinschaften sichtbar machen". Zahlreiche dieser Sammlungen seien eng mit der Geschichte der Orden verbunden oder führten jahrhundertealte Klostertraditionen fort. Manche, wie die Jesuiten in Wien, die Augustiner-Chorherren in Klosterneuburg oder die Benediktiner in Admont, würden sich zudem der zeitgenössischen Kunst öffnen und damit eine Brücke in die Gegenwart schlagen.
"Diese Museen erzählen nicht nur von religiösem Leben, sondern auch von Bildung, Wissenschaft, Kunst und sozialem Engagement über Jahrhunderte hinweg", so Karin Mayer, Leiterin des Bereichs Kultur und Dokumentation der österreichischen Ordenskonferenz. Sie unterstreicht die besondere Brückenbauer-Funktion der Ordensmuseen: "Sie verbinden spirituelle Tradition mit gesellschaftlicher Entwicklung, wecken Interesse und eröffnen Zugänge zu Fragen, die zeitlos sind und bleiben - etwa nach Identität, Gemeinschaft und Menschlichkeit."
"Was ist der Mensch?"
Ein Beispiel, das die Ordensgemeinschaften in ihrer Aussendung herausgreifen, ist das neu gestaltete Stiftsmuseum im Benediktinerstift St. Lambrecht, das im April 2026 anlässlich des 950-jährigen Bestehens des Klosters wiedereröffnet wurde. Unter der Leitfrage "Was ist der Mensch?" spannt die Ausstellung einen Bogen von der Romanik bis in die Gegenwart. Kunsthistorische Schätze, liturgische Objekte und historische Modelle der Klosteranlage treten dabei in den Dialog mit aktuellen Fragestellungen.
Besondere Höhepunkte sind die Rückkehr der berühmten Strahlenkranzmadonna und der Lambrechter Votivtafel. Sie stehen exemplarisch für die bewegte Geschichte des Stiftes, das seit seiner Gründung im Jahr 1076 ein geistliches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region ist. Die neue Ausstellung will deutlich machen, dass das Museum nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein Raum der Reflexion über das Menschsein selbst ist - und damit eine ideale "Brückenbauerin" zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Zams: Ausstellung der Barmherzigen Schwestern
Ein weiteres Beispiel ist die Jubiläumsausstellung der Barmherzigen Schwestern von Zams, die heuer das 200-jährige Bestehen ihrer Ordensgemeinschaft feiern. Seit ihrer Gründung im Jahr 1826 prägt die Gemeinschaft das soziale Leben weit über Tirol hinaus - insbesondere in den Bereichen Bildung und Pflege.
Exemplarisch für alle Ordensfrauen, die während der letzten 200 Jahre in der Gemeinschaft gelebt und gewirkt haben, porträtiert die Ausstellung zwölf Schwestern aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern und Jahrzehnten. Beginnend mit Katharina Lins, der ersten Barmherzigen Schwester in Zams, bis hin zu Schwestern, die erst vor wenigen Jahren verstorben sind, erhalten die Besucherinnen und Besucher Einblicke in die verschiedenen Lebensläufe, Persönlichkeiten und Wirkungsfelder. Für jede Schwester steht ein symbolischer Koffer, gefüllt mit Gegenständen, die entweder dieser Schwester gehörten oder aber symbolisch für einen Aspekt ihrer Persönlichkeit stehen.
Die Ausstellung, die während der Schulzeiten im Foyer der Katharina Lins Schulen zu besichtigen ist, lässt die Lebensleistungen dieser Schwestern, aber auch die Vielfalt und Buntheit der Ordensgemeinschaft lebendig werden: Die Barmherzigen Schwestern Zams verfügen über ein breit gefächertes Netzwerk an Einrichtungen, das Standorte in Tirol, Vorarlberg und Kärnten, Orte der Begegnung wie das Seminarhaus Elbigenalp und das Klostergut Kronburg, sowie internationale Projekte bis nach Südtirol und Peru umfasst.