Wiener Erzbischof stand Festmesse im Stephansdom zum Fest "Christi Himmelfahrt" vor
Wien, 14.05.2026 (KAP) "Wir sind Kinder der Erde und unterwegs zum Himmel. Wir haben Gott und die Menschen im Blick." - Mit diesen Worten hat der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl die christliche Existenz beschrieben, die immer auch in einer Spannung zwischen Himmlischem und Irdischem steht, was gerade auch im Fest "Christi Himmelfahrt" zum Ausdruck kommt. Grünwidl stand im Wiener Stephansdom dem Festgottesdienst zu Christi Himmelfahrt vor.
Eine Frömmigkeit, die nur mehr das Himmlische in den Blick nimmt, sei etwa vom Philosophen Friedrich Nietzsche zurecht kritisiert worden. Dem hielt der Erzbischof in seiner Predigt aber etwa die Konstitution "Gaudium et spes" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) entgegen, in der die enge Verbundenheit der Kirche mit der ganzen Menschheitsfamilie zum Ausdruck kommt: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi", zitierte der Erzbischof aus dem Dokument.
Und mit eigenen Worten fügte Grünwidl hinzu: "Österlich leben wird dann, wenn wir das Evangelium als Wegweiser nehmen, immer wieder aufeinander zugehen und gemeinsam gehen, wenn wir still werden und auf unser Gewissen hören, wenn wir mitgehen mit den Armen und Hilfsbedürftigen, wenn wir uns im Glauben gegenseitig stützen und wenn wir wissen, dass unser Weg ein Ziel hat: Wir gehen dem Himmel entgegen."
Würdigung von "Pro Oriente"
Am Festgottesdienst im Dom nahmen auch zahlreiche Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung "Pro Oriente" teil, die von Kardinal Franz König 1964 gegründet worden war. Erzbischof Grünwidl ist der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung. Er würdigte in seiner Predigt die vielen Initiativen der Stiftung in den vergangenen Jahrzehnten, die dazu beitrugen, Ost- und Westkirche einander näher zu bringen. Ein Motto der Stiftung laute "Wir schaffen Wege, indem wir sie gemeinsam gehen", hob Grünwidl hervor. So seien es vor allem auch viele persönliche Begegnungen und Freundschaften über die Jahrzehnte gewesen, die die Ökumene voranbrachten und zur Einheit der Kirche beitrugen.
Lobend erwähnte der Wiener Erzbischof auch die Jugendprojekte, die "Pro Oriente" seit einigen Jahren forciert, um junge Menschen aus unterschiedlichen Kirchen und Ländern zu unterstützen und zu vernetzen.
Liturgischer Auftakt zum Steffl-Kirtag
Der Festgottesdienst im Stephansdom war gleichsam auch der liturgische Auftakt zum heurigen Steffl-Kirtag. Bis Pfingstmontag (25. Mai) gibt es im und rund um den Stephansdom ein umfangreiches Programm mit spirituellen und kulturellen Höhepunkten. An etwa 60 Marktständen rund um St. Stephan bietet das Wiener Gewerbe und Handwerk zudem täglich ab 10 Uhr eine reiche Auswahl an Produkten und versorgt die Besucherinnen und Besucher auch kulinarisch. Traditionell endet das tägliche Programm des Steffl-Kirtags um 21.55 Uhr mit dem Läuten der "Bieringerin", einer alten Bierglocke, die schon im Mittelalter zum Ende des Bierausschanks und zum Schließen der Schenken in der Stadt erklang.
Zu den Highlights des heurigen Steffl-Kirtags-Programms zählen die zahlreichen und vielfältigen musikalischen Angebote, darunter ein Konzert zum Weltkriegsende vor 80 Jahren. Domchor, Domorchester und der Palestrina-Motettenchor Tegernsee bringen dabei am 31. Mai (20.30 Uhr) im Stephansdom unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer das Verdi-Requiem zur Aufführung. Auf dem Stephansplatz gibt es bei freiem Eintritt bis Pfingsten täglich auch Blasmusikkonzerte verschiedenster Orchester.
Offiziell eingeläutet wird der Kirtag von Bürgermeister Michael Ludwig und Dompfarrer Toni Faber am Freitag um 14 Uhr, unterstützt vom Bläserensemble der Gardemusik Wien.
Spirituelle Höhepunkte während der Zeit des "Steffl-Kirtags" sind traditionell die Festmessen zu Christi Himmelfahrt und Pfingsten (24. Mai) mit Erzbischof Grünwidl; weiters etwa auch die große Diözesanfirmung am 23. Mai mit dem Erzbischof. Der Hochmeister des Deutschen Ordens, Frank Bayard, leitet am Donnerstag, 21. Mai, eine festliche Marienandacht. Domdekan Rudolf Prokschi steht am Pfingstsonntag (24. Mai) einer feierlichen Pfingstvesper vor, Dompropst Ernst Pucher leitet am Pfingstmontag (25. Mai) das Hochamt. Am Dienstag, 19. Mai, ist der Stephansdom Schauplatz der "Langen Nacht der Bibel".