Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Nachrichten
  • Dossier
  • Media
    • Fotos
    • Audios
    • Videos
  • Produkte
  • Redaktion
  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Login
Noch kein Kunde?
Hier finden Sie unsere Produkte

Passwort vergessen?
Hauptmenü anzeigen
Produkte
Produkte
Suche
Login
Inhalt:

Katholikentag: Religion nicht für politische Zwecke missbrauchen

14.05.2026 15:31
(zuletzt bearbeitet am 14.05.2026 um 15:58 Uhr)
Deutschland/Kirche/Gesellschaft/Religion
Eröffnungsgottesdienst des deutschen Katholikentages in Würzburg - Bischof Jung in Predigt: Würde aller Menschen gegen zunehmende Angriffe von allen nur denkbaren Seiten verteidigen
Würzburg, 14.05.2026 (KAP/KNA) Der Würzburger Bischof Franz Jung hat davor gewarnt, Religion für politische Zwecke zu missbrauchen. Beim Eröffnungsgottesdienst des Katholikentags in Würzburg am Donnerstag sagte er: "Hab Mut, steh auf und wage den Widerspruch gegen alle Machthaber dieser Welt, die sich in Allmachtsfantasien ergehen und diese auch noch religiös verbrämen." Gottes Reich gründe weder auf Gewalt noch auf Unterdrückung oder Einschüchterung. "Seine Botschaft vom Gottesreich darf deshalb auch nicht missbraucht werden zur Rechtfertigung irdischer Herrschaftsansprüche", fügte Jung in seiner Predigt hinzu. "Denn überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet und richten noch heute Blutbäder an."

Der katholische Bischof rief als Gastgeber des bis Sonntag dauernden Christentreffens dazu auf, die Würde aller Menschen als höchstes Gut zu verteidigen gegen zunehmende Angriffe von allen nur denkbaren Seiten. Kirche müsse dabei vor allem auf der Seite derer stehen, die sich selbst am wenigsten wehren könnten. Sie setze sich daher besonders ein "für den Schutz des ungeborenen Lebens, für die Würde der kranken Menschen, der Menschen mit Behinderung und der sterbenden Menschen".

Das Katholikentagsmotto "Hab Mut, steh auf" gelte aber auch für Reformen innerhalb der katholischen Kirche, so Jung weiter: "Wir müssen mutig aufstehen, um die Fragen zu stellen, die jetzt nach einer Antwort aus dem Glauben harren. Die Frage nach der Stellung der Frau im Blick auf die kirchlichen Ämter. Die Frage nach einem tieferen Verständnis dessen, was Synodalität heißt. Die Frage, wie Missbrauch von Macht verhindert werden kann."

Am Gottesdienst zum Feiertag Christi Himmelfahrt nahmen trotz des Regenwetters rund 11.000 Menschen teil. Anschließend nahm der Katholikentag seine inhaltliche Arbeit auf.

Bei verschiedenen Podium ging es etwa um die Themen Ehrenamt und Demokratie, bei anderen Podien um Kirchenreformen, Fake News und die Aufarbeitung von Missbrauch. Zum Programm am Donnerstag gehörten aber auch ein Mitmachzirkus, ein Gottesdienst mit Clowns, eine spirituelle Weinwanderung sowie ein Live-Podcast mit dem Entertainer Harald Schmidt und Speyers Bischof Karl-Heinz Wiesemann zum Umgang mit Depression.

Religionsvertreter für direkten Dialog

Trotz zunehmender Verrohung im gesellschaftlichen Umgang sind nach Ansicht von Religionsvertretern viele Menschen an Verständigung und Dialog interessiert. Oft fehle ihnen dazu schlicht die Gelegenheit, so Hamburgs evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs am Donnerstag auf dem Katholikentag in Würzburg. Mehr unmittelbare Begegnung von Menschen sei notwendig, weil vielfach die Fähigkeit fehle, auch Rituale, Bräuche und Mentalitäten zu verstehen. Gemeinsam mit fünf weiteren Vertretern des Rundes Tischs der Religionen in Deutschland sprach die Vorsitzendes Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über "Religion als Ressource des Friedens".

Religionen, so ein Fazit des interreligiösen Podiums, veränderten die innere Haltung von Menschen: Sie schärften das Gewissen, regten zur Selbstkritik an und gäben mit ihren Visionen Hoffnung. Ihre friedensstiftende Kraft sei leise, aber nachhaltig.

Um Frieden und Verständigung Raum zu geben, sollte jeder bereit sein, innerlich drei Schritte zurückzutreten und sich selbst zu relativieren, empfahl der Berliner Rabbiner Andreas Nachama. Im jüdischen 18-Bitten-Gebet, das im Stehen gesprochen wird, tue man dies am Ende auch buchstäblich. Eine solche Zurücknahme sei ein Anliegen in allen Religionen - "trotz ihrer jeweiligen eigenen Ultras".

Augsburgs katholischer Bischof Bertram Meier nannte vier Kriterien für gelungene Verständigung: erlebte Gemeinschaft - etwa bei Katholiken- und Kirchentagen, konkretes Handeln, hoffnungsvolle Visionen und Vertrauen in bestehende Möglichkeiten. Auch in diesem Sinne gebe es gemeinsame Nenner zwischen den Religionen.

Der Vorsitzende des Islamrats in Deutschland, Burhan Kesici, nannte vier friedensstiftende Impulse: die grundlegende Anerkennung von Vielfalt, Unterschiedlichkeit als Chance sowie Gerechtigkeit, "auch wenn sie sich gegen einen selbst wendet", weil man selbst Fehler begangen habe. Zwei Vertreterinnen von Buddhismus und Baha'i hoben ebenfalls die Prägung der eigenen Persönlichkeit durch ihre Religion hervor.

Kirchen müssen zusammenstehen

Christen in Deutschland dürfen sich nach Aussage des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), Christopher Easthill, nicht in "gute und schlechte Kirchen" unterteilen lassen. "Wir sollten mutig zusammenstehen, wenn eine gewisse Partei in Deutschland uns als christliche Kirchen gegeneinander ausspielen will", sagte der anglikanische Pfarrer Christopher Easthill bei einem weiteren Podium in Würzburg. Hass und Zwietracht seien "keine Alternative für unser Land".

In seinem Grußwort im Namen der 25 ACK-Mitgliedskirchen ging Easthill auf das Katholikentagsmotto "Hab Mut, steh auf!" ein. Christen sollten sowohl Groß- wie Langmut zeigen, aber auch eine Portion Demut sowie Unmut gegen Missstände. Gleichzeitig warnte er vor Hochmut gegenüber anderen oder auch vor Schwermut angesichts vielfältiger Krisen.

60.000 Teilnehmende erwartet

Zum Katholikentag in Würzburg werden bis Sonntag rund 60.000 Gäste erwartet, darunter rund 30.000 Dauerteilnehmer. Rund 900 Veranstaltungen sind geplant. Am Eröffnungsgottesdienst und dem inhaltlichen Programm beteiligten sich am Donnerstag auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender. Der Katholikentag ist das letzte christliche Großereignis, an dem der Bundespräsident teilnimmt.

Steinmeier, bekennender evangelischer Christ, war in den vergangenen Jahren regelmäßig zu evangelischen Kirchentagen und Katholikentagen gekommen. Am Freitag will auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz mit Jugendlichen über Zukunftsfragen diskutieren.

Der Bundespräsident sagte, Staat und Kirche in Deutschland seien aufeinander angewiesen. "Das eine geht nicht ohne das andere", betonte er bei einer Veranstaltung zum Ehrenamt in Kirche und Gesellschaft mit rund 1.000 Teilnehmern. "Demokratie geht nicht ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt", erläuterte er. Dieser Zusammenhalt könne nicht befohlen werden, sondern lebe vom Ehrenamt. Er selbst habe in seiner Kindheit und Jugend sehr davon profitiert, dass sich Menschen etwa im Fußballverein engagierten. Wer einmal die Erfahrung mache, ehrenamtlich etwas bewegen und verändern zu können, der werde dadurch motiviert.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte zu mehr Leistungsbereitschaft und Optimismus auf. "In einer Generation vor 30, 40, 50, 60 Jahren wusste man, dass man solche Herausforderungen nur durch Leistung, durch Einsatz, durch Bereitschaft, auch durch Leidenschaft bewältigen kann", sagte er. "Ich würde mir wünschen, dass wir uns ein bisschen mehr ein Vorbild an dieser Generation nehmen", so der Minister im Gespräch mit dem Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Marc Frings.

Der Minister beklagte zugleich eine zunehmend pessimistische Debattenkultur. In politischen Talkshows werde oft nur erklärt, wie es nicht gehe und wie schlecht die Zukunft sei. Dabei stehe Deutschland nicht zum ersten Mal vor wirtschaftlichen oder internationalen Krisen.

Glockenkonzert am Dom

Aus Anlass des Katholikentags gab es am Donnerstagmittag ein außergewöhnliches Konzert der Glocken des Würzburger Domes, das sich über 45 Minuten hinzog. Die geläuteten Motive reichten vom Trauergeläut bis zum prägnanten "Westminster"-Schlag, bekannt vom Londoner "Big Ben". Anlass war unter anderem, dass das Domgeläut bei der Bombardierung Würzburgs am 16. März 1945 fast komplett zerstört worden. 1966 - vor genau 60 Jahren - bekam das Gotteshaus elf neue Domglocken.
zurück

  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Katholische Presseagentur Kathpress
1010 Wien, Singerstraße 7/6/2
Tel: +43 / 1 / 512 52 83


© 1947-2026 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
nach oben springen