Vizepräsident Bodmann: Wegfall der WFP-Mittel ein "dramatisches Signal" mit Folgewirkungen für Millionen Menschen
Wien, 15.05.2026 (KAP) Caritas Österreich warnt vor den Auswirkungen der Kürzungen bei der Lebensmittelhilfe für Syrien. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) führen massive Finanzierungslücken zu einer deutlichen Reduktion der Unterstützung, von der Millionen Menschen betroffen sind.
"Die angekündigten Kürzungen der Lebensmittelhilfe für Syrien sind ein dramatisches Signal", sagte Caritas-Vizepräsident Alexander Bodmann am Freitag. Viele Familien lebten seit Jahren unter katastrophalen Bedingungen und könnten ihre Kinder kaum ausreichend versorgen. "Wenn humanitäre Hilfe reduziert wird, trifft das die Schwächsten zuerst - Kinder, ältere Menschen und Vertriebene", so Bodmann.
Anhaltende Krise mit sinkender Aufmerksamkeit
Die Caritas betonte, dass sich die humanitäre Lage in Syrien auch mehr als zehn Jahre nach Beginn des Krieges nicht verbessert habe. Gleichzeitig sinke die internationale Aufmerksamkeit, während Hilfsprogramme zunehmend unter Budgetdruck gerieten. "Humanitäre Krisen verschwinden nicht, nur weil sie weniger Schlagzeilen machen", sagte Bodmann. Die Bevölkerung sei weiterhin auf verlässliche Unterstützung angewiesen.
Die Organisation rief die internationale Gemeinschaft und die Europäische Union dazu auf, die Finanzierung humanitärer Hilfe sicherzustellen. "Wer bei Nahrungsmittelhilfe spart, spart nicht bei abstrakten Budgetposten, sondern bei Menschenleben, Gesundheit und Zukunftschancen", warnte Bodmann.
WFP halbiert Hilfe und reduziert Regionen
Laut UNO-Angaben hat das Welternährungsprogramm (WFP) seine Lebensmittelhilfe für Syrien aufgrund massiver Finanzierungslücken bereits halbiert und Hunderttausende besonders gefährdete Menschen von Unterstützung abgeschnitten. Familien müssten Mahlzeiten auslassen, Portionen verkleinern und auf weniger nahrhafte Lebensmittel ausweichen. Kinder gelten laut den Vereinten Nationen als besonders gefährdet, da längerer Nahrungsmangel das Risiko von Unterernährung deutlich erhöhe.
Im vergangenen Jahr erreichte das WFP noch rund 5,8 Millionen Menschen in allen 14 Provinzen Syriens mit Lebensmittelhilfe, Ernährungsprogrammen und sozialer Unterstützung. Aufgrund der Finanzierungslage müsse die Hilfe nun auf sieben Provinzen begrenzt werden. Die Kürzungen erfolgten laut WFP ausschließlich wegen fehlender Finanzierung und nicht wegen eines geringeren Bedarfs.
Brotprogramm eingestellt
Besonders schwer wiegt laut UNO das Ende des landesweiten Brot-Subventionsprogramms. Dieses hatte mehr als 300 Bäckereien unterstützt und täglich bis zu vier Millionen Menschen mit vergünstigtem Brot versorgt.
Nach Schätzungen des WFP sind mehr als sieben Millionen Menschen in Syrien von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, darunter 1,6 Millionen in besonders schweren Situationen. Auch syrische Flüchtlinge in Jordanien, Libanon und Ägypten sind von Kürzungen betroffen. Das WFP benötigt laut UNO in den kommenden sechs Monaten 189 Millionen US-Dollar, um zentrale Programme aufrechtzuerhalten. Ohne zusätzliche Mittel drohen weitere Einschnitte in der Versorgung und Belastungen für die Stabilität in der Region.