Vereinsstruktur soll den Einsatz für Klimaschutz und Nachhaltigkeit aus einer multireligiösen Perspektive auf feste Beine stellen
Wien, 15.05.2026 (KAP) Die Gruppe "Religions For Future Vienna" hat sich dieser Tage als Verein gegründet und sich damit eine stabile Struktur gegeben. Das haben die Verantwortlichen des bisher losen Bündnisses am Freitag mitgeteilt. Wörtlich hieß es in der Aussendung: "Gerade in stürmischen Zeiten muss es stabile Strukturen für das Engagement für Klimaschutz und Nachhaltigkeit aus einer multireligiösen Perspektive geben. Wir wollen gegenüber Religionsgemeinschaften, Politik und Gesellschaft insgesamt eine starke Stimme für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen sein." Die Gründungsmitglieder repräsentieren das Christentum, den Buddhismus und die Bahai-Tradition.
Zustimmung zur Vereinsgründung kommt u.a. vom Wiener Weihbischof Stefan Turnovszky und Bruder David Steindl-Rast. Der neue Verein möge dazu beitragen, so Turnovszky, "dass Menschen aller Religionen sich lokal vernetzen, um aus ihrem Glauben heraus gelebte Schöpfungsverantwortung voranzutreiben". Aus der gemeinsamen Ehrfurcht vor dem Leben und dem Bewusstsein der Verantwortung für das Wohl zukünftiger Generationen solle mit Gottes Hilfe die Freude an solidarischer Selbstlosigkeit sichtbar und erlebbar werden.
Auch der 99-jährige Benediktinermönch Steindl-Rast - einer der Pioniere des christlich-buddhistischen Dialogs - betont in einem Grußwort zum Gründungstreffen die Bedeutung der Ehrfurcht: "Was ihr vorhabt, ist in unserer Zeit ungeheuer wichtig. Es scheint mir das Stichwort Ehrfurcht dahinter zu stehen: Ehrfurcht vor der Umwelt, Ehrfurcht vor der Mitwelt, Ehrfurcht vor jedem Menschen. Und wenn wir gemeinsam - jung und alt - uns darum neu bemühen, dann wird etwas ganz Neues entstehen."
Als Mitglied des Vorstands von "Fridays For Future Austria" überbrachte Sofia Scherer die Glückwünsche zur Vereinsgründung. Sie betonte, dass es inmitten der Schwierigkeiten im Bereich der Klimapolitik wichtig sei, nachhaltige organisatorische Strukturen zu schaffen, um in dieser Phase zu "überwintern". Die Klimabewegung sei nach wie vor aktiv und präsent, auch wenn Medien und Politik gegenwärtig weniger darüber sprechen.
Bewegung startete 2019
Seit Beginn der "Fridays For Future"-Bewegung in Österreich 2019 bestand in Wien eine Gruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften, die die neue Bewegung von dieser Seite unterstützte. Diese Gruppe war aber in den ersten Jahren informell und stark fluktuierend, was die Mitwirkung und die Zahl der Teilnehmenden bei verschiedenen Veranstaltungen betraf.
Aus einem interreligiösen Gottesdienst auf der besetzten Baustelle der Stadtstraße Aspern in Hirschstetten, der primär von der Katholischen Aktion Wien organisiert und von P. Franz Helm geleitet wurde, entstand ein neuer Anlauf für einen regelmäßigen, monatlichen "Stammtisch" von Engagierten aus den Religionsgemeinschaften, zu dem seither regelmäßig 10 bis 20 Personen kommen. Eine Hauptaufgabe bestand darin, die Unterstützung und Teilnahme der Religionsgemeinschaften für die internationalen Klimastreiks der Fridays-Bewegung zu organisieren und dafür zu mobilisieren. Am 12. Mai fand schließlich die Gründungsversammlung für den neuen Verein statt. Die konstituierende Vereinssitzung ist für Ende Juni geplant.
Neben dem neuen Verein in Wien bestehen derzeit in mehreren Bundesländern aktive regionale "Religions For Future"-Gruppen: in Tirol, Salzburg und der Steiermark. Für Herbst ist ein österreichweites Treffen geplant, ebenso ein interreligiöses Gebet anlässlich des 800. Todestages von Franz von Assisi in der Franziskanerkirche Ende September in Wien.