Deutscher Regierungschef fordert junge Leute bei Diskussion in Würzburg zum dauerhaften politischen Engagement auf und räumt eigene Fehler ein - Merz: "Ohne die politischen Parteien ist unsere Demokratie keine Demokratie mehr" - Jugendliche verlangen mehr Klimaschutz
Würzburg, 15.05.2026 (KAP/KNA) Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich beim Deutschen Katholikentag in Würzburg den Forderungen junger Menschen gestellt, aber auch umgekehrt seine Wünsche an sie formuliert. Zwischenrufer störten seinen Auftritt im CongressCentrum am Freitag mehrfach. Sie verlangten unter anderem mehr Klimaschutz und hielten Protestplakate hoch.
Jugendvertreter mahnten den deutschen Kanzler im Gespräch, junge Menschen stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen und sie nicht als faul zu bezeichnen. "In meiner Partei hat noch niemand gesagt, dass die Menschen in Deutschland faul sind", entgegnete Merz. Er räumte aber ein: "Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss."
Der CDU-Vorsitzende warb dafür, dass mehr junge Menschen in Parteien der politischen Mitte eintreten und sich in der Kommunalpolitik engagieren sollten. Es gebe zwar viel ehrenamtliches Engagement für bestimmte Themen und Projekte. Dies könne aber nicht die langfristige Arbeit in Parteien und Gemeinderäten ersetzen: "Ohne die politischen Parteien ist unsere Demokratie keine Demokratie mehr."
Merz sprach sich zugleich dagegen aus, das Wahlalter auf Bundesebene auf 16 Jahre zu senken: "Ich würde es im Deutschen Bundestag gerne dabei belassen, dass wir das aktive und passive Wahlrecht bei 18 belassen."
Jugendliche verlangen mehr Klimaschutz
Unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft gestalten" mit rund 1.000 Teilnehmenden diskutierte der Kanzler mit Amy Kirchhoff (19), Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, und Lisa Quarch (29) vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
Großen Applaus gab es vor allem für Forderungen nach mehr Klimaschutz. Auf die Frage, ob Merz den Mut habe, Deutschland zum Vorreiter beim Klimaschutz zu machen, antwortete er: "Ja, mit Technologie und nicht mit Verboten." Ziel müsse es sein, ausgestoßenes Kohlendioxid wieder einzufangen, zu speichern und wiederzuverwerten. Wenn Deutschland mit diesen Technologien führend sei, könne der Wohlstand im Land gesichert werden.
Protest vor der Halle
Auch vor dem CongressCentrum wurde der Besuch des deutschen Kanzlers von Protesten begleitet. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 600 Demonstrierende zu einer Kundgebung. Das "Offene Antifaschistische Treffen" hatte dazu aufgerufen. Der Vorwurf der Organisatoren: Merz ignoriere die Anliegen junger Menschen in Deutschland.
Zum am Mittwoch eröffneten Deutschen Katholikentag in Würzburg werden bis Sonntag insgesamt rund 60.000 Gäste erwartet, unter ihnen etwa 30.000 Dauerteilnehmer. Rund 900 Veranstaltungen sind geplant, darunter Gottesdienste, Konzerte, Ausstellungen und Diskussionen über aktuelle Fragen aus Kirche und Gesellschaft. Die Großveranstaltung steht unter dem Motto "Hab Mut, steh auf!"
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