Jahrzehntelang vertrat der Schweizer Vatikandiplomat Tscherrig den Papst in Ländern fast aller Kontinente. Nun starb er mit 79 Jahren. Bei der Trauerfeier im Petersdom würdigte der Papst seine Treue und Flexibilität.
Vatikanstadt, 16.05.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat den Schweizer Kardinal Paul Emil Tscherrig als geduldigen und selbstlosen Hirten gewürdigt. Der Vatikandiplomat habe Christus sein Leben lang treu gedient, "mehr als die Hälfte davon im Dienst des Heiligen Stuhls in verschiedenen päpstlichen Vertretungen und im Staatssekretariat", so der Papst am Freitag bei der Trauerfeier im Petersdom. Tscherrig war am Dienstag im Alter von 79 Jahren in Rom gestorben.
"Mit der oft unauffälligen, aber dennoch fleißigen und anspruchsvollen Arbeit, die für seinen Dienst so typisch war", habe der Verstorbene zum Wachstum des Reiches Gottes beigetragen und sich den Hindernissen und Herausforderungen eines päpstlichen Vertreters gestellt, sagte Leo XIV.
"Eine reiche kirchliche und internationale Erfahrung zeugt von seiner Bereitschaft und Fähigkeit, sich in seiner pastoralen Nächstenliebe an unterschiedlichste Umgebungen anzupassen." Tscherrig habe daran mitgewirkt, die Gemeinschaft zwischen den Ortskirchen und dem Apostolischen Stuhl zu stärken und freundschaftliche Bande zu vertiefen. "Unsere Welt braucht dringend Boten, die ihr helfen, das Vertrauen zurückzugewinnen, und das gute Zeugnis derer, die Gott zu seinen Dienern erwählt hat, kann uns darin bestärken, diesem Ruf zu folgen", betonte Papst Leo.
Zugleich erinnerte er an die Hoffnung der Christen auf das Wunder der Auferstehung zum ewigen Leben. Tscherrig habe diese Hoffnung in seinem Bischofs-Motto "Spes mea Christi" (Christus ist meine Hoffnung) ausgedrückt. "Christus, unser Herr, war seine Hoffnung sein ganzes Leben lang", so Leo XIV. Diese Hoffnung erfülle sich nun für immer, schloss er seine Predigt.
118 wahlberechtigte Kardinäle
Der im schweizerischen Kanton Wallis geborene Tscherrig stand bis 2024 im diplomatischen Dienst des Vatikans. Zunächst war er Mitarbeiter in verschiedenen Nuntiaturen, bis er 1996 zum Apostolischen Nuntius in Burundi ernannt wurde. Es folgten Stationen in Trinidad und Tobago und verschiedenen Staaten der Karibik, in Südkorea und der Mongolei, in Schweden, Dänemark, Finnland, Island und Norwegen, in Argentinien und schließlich 2017 in Italien und San Marino.
Im Pontifikat von Johannes Paul II. (1978-2005) hatte er einige Jahre lang dessen Auslandsreisen mitgeplant. Vor einem Jahr nahm er an der Wahl des aktuellen Kirchenoberhaupts teil.
2023 hatte Papst Franziskus (2013-2025) den Schweizer zum Kardinal erhoben - eine eher unübliche Ehrenbezeugung für aktive Vatikanbotschafter. Nach Tscherrigs Tod zählt das Kardinalskollegium noch 242 Männer; 118 von ihnen sind unter 80 Jahre alt und dürften aktuell einen neuen Papst wählen.