Bischof Wilmer: Rolle der Kirche wird politisch sehr geschätzt
17.05.202610:49
(zuletzt bearbeitet am 17.05.2026 um 10:59 Uhr)
Deutschland/Kirche/Politik/Gesellschaft
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: Politik sieht in Kirche "Großinstitution, die für den Zusammenhalt sorgt, die für Sinn sorgt und Menschen Hoffnung gibt" - Wilmer bei Abschlussgottesdienst des Deutschen Katholikentags: Kirche muss Brandherde dieser Welt löschen
Würzburg , 17.05.2026 (KAP/KNA) Die katholische Kirche wird nach Einschätzung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz von vielen Politikerinnen und Politikern sehr anerkannt. Dies habe er in den vergangenen Wochen bei seinen Besuchen in Berlin festgestellt, sagte Bischof Heiner Wilmer beim Katholikentag in Würzburg: "In jedem Gespräch ohne Ausnahme wurde die Rolle der Kirche sehr geschätzt im Sinne einer Einrichtung und Großgruppe, die für den Zusammenhalt sorgt, die für Sinn sorgt und Menschen Hoffnung gibt."
Wenn sich Angst oder Hysterie breitmache, biete die Kirche Halt, bei Katastrophen auch Trost, sagte Wilmer im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Kirche müsse darauf achten, gefährliche politische Tendenzen nicht auch in ihren eigenen Reihen stärker werden zu lassen: "Ich glaube schon, dass wir auch als Kirche natürlich Kinder unserer Zeit sind, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Es gibt auch in unserer Kirche Kräfte, die mit extremeren Positionen liebäugeln, nicht nur von rechts, auch von links."
"Größte humanitäre Katastrophe" im Sudan
Eine wichtige Aufgabe der Kirche sieht Bischof Wilmer darin, sich für Menschen einzusetzen, denen es schlecht geht. Besonders dramatisch sei aktuell die Lage der Menschen im Sudan (Afrika): "Über den Krieg im Sudan, die größte humanitäre Katastrophe zurzeit der Menschheit, wird kaum gesprochen. Kirche muss Anwältin aller Menschen sein, die so fürchterlich heimgesucht werden."
Der 65-Jährige zeigte sich zuversichtlich, dass viele Begegnungen und Veranstaltungen des Katholikentags auch nach dem Abschluss am Sonntag das Leben der Teilnehmerinnen und Teilnehmer prägen werden: "Das Gefühl, dass wir zusammenstehen, die feste Gewissheit: Ich bin als gläubiger Mensch nicht allein; das wird schon bleiben. Das trägt auch darüber hinaus."
Heiner Wilmer war Ende Februar zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Im Juni wechselt der Hildesheimer Bischof an die Spitze der Diözese Münster.
Kirche muss Brandherde dieser Welt löschen
Beim Abschlussgottesdienst des Deutschen Katholikentags in Würzburg hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zu mehr Engagement für Frieden und Menschlichkeit aufgerufen. Die Kirche müsse hinausgehen mitten ins Chaos und ins Leid dieser Welt, sagte Wilmer am Sonntag vor Tausenden Teilnehmern des Katholikentags auf dem Residenzplatz. "Eine Kirche, die hinausgeht, die Brandherde löschen will, wird vielleicht müde, vielleicht angegriffen, vielleicht missverstanden - aber sie wird leuchten", sagte Bischof Wilmer.
Vor dem Gottesdienst überbrachte der Generalsekretär der Weltsynode, Kardinal Mario Grech, Grüße von Papst Leo XIV. Der Kurienkardinal würdigte insbesondere das Engagement junger Menschen beim Katholikentag und rief dazu auf, den christlichen Glauben mutig in die Gesellschaft hineinzutragen.
"Menschen in Afrika nicht vergessen"
Bischof Wilmer verwies auf die humanitäre Lage im Sudan. "Im Sudan erleben wir derzeit die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit." Dort seien mehr als 30 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen, etwa 12 Millionen auf der Flucht. Diese Zahlen dürften niemanden kaltlassen. "Brandherde löscht man nicht durch Zuschauen. Wir dürfen die Menschen in Afrika nicht vergessen", so der Hildesheimer Bischof.
Lobend äußerte sich Wilmer über Leo XIV.: "Papst Leo XIV. geht hinaus, ist ein unerschrockener Anwalt des Friedens." Auch wenn Mächtige versuchten, ihn lächerlich zu machen, lasse sich der Papst nicht einschüchtern, sagte der Bischof und erhielt dafür Applaus.
Sonne scheint zum Abschluss
Anders als bei der Eröffnungsveranstaltung und dem Himmelfahrtsgottesdienst blieb es am Sonntag trocken; über dem Würzburger Residenzplatz schien die Sonne.
Der Deutsche Katholikentag ist das größte Treffen katholischer Laien im deutschsprachigen Raum. Die Veranstaltung in Würzburg dauerte von Mittwoch bis Sonntag und stand unter dem Leitwort "Hab Mut, steh auf!". Zu den Gottesdiensten, Diskussionen und Kulturveranstaltungen kamen mehrere zehntausend Teilnehmer aus ganz Deutschland zusammen. Der nächste Katholikentag soll vom 24. bis 28. Mai 2028 in Paderborn stattfinden.