Katholikentag: Kardinal Grech wirbt für Synodalität und Einheit
17.05.202609:01
(zuletzt bearbeitet am 17.05.2026 um 11:08 Uhr)
Deutschland/Vatikan/Kirche/Glaube/Synodaliträt
Der Vatikan sendet klare Signale nach Deutschland: Synodalität sei mehr als Reformdiskussionen mit Mehrheitsentscheidungen. Entscheidend sei die Einheit von Orts- und Weltkirche - Belgrader Kardinal Német lobt Kirche in Deutschland
Würzburg, 17.05.2026 (KAP/KNA) In der Debatte um Reformen in der katholischen Kirche setzt der Vatikan auf die Einheit zwischen Orts- und Weltkirche. Mit dieser Botschaft hat Vatikan-Kardinal Mario Grech beim Katholikentag in Würzburg am Samstag ein Signal gegen nationale Alleingänge ausgesandt.
In einer lebhaften Diskussion überbrachte der Generalsekretär der Weltsynode, des weltweiten Reformprozesses der katholischen Kirche, den Segen des Papstes und warb für eine "Symphonie der Gemeinschaft" in der Kirche. Grech betonte, Synodalität dürfe nicht als Machtkampf oder bloße Entscheidung nach dem Mehrheitsprinzip verstanden werden, sondern als gemeinsames Hören auf den Heiligen Geist.
Synodalität als "Symphonie der Gemeinschaft"
Er betonte, dass es weder eine Weltkirche ohne Ortskirchen noch eine Ortskirche ohne Weltkirche gebe. Grech bezeichnete Synodalität als "Symphonie der Gemeinschaft". Der Heilige Geist schaffe nicht eine "Summe von Meinungen, sondern Harmonie, Symphonie". So sei es nicht einfach die Abstimmung, die in einer Synode eine Mehrheit hervorbringe: "Der tiefste Sinn der Beratung liegt gerade darin, dem Geist zu erlauben, innerhalb gegenseitiger Beziehungen zu wirken."
Er sei nach Würzburg gekommen, um "mit euch die synodale Übung des Einstimmens der Instrumente zu vollziehen", so Grech weiter. Die Harmonie der Gemeinschaft entstehe durch die "fortwährende Entscheidung, gemeinsam zu spielen und auf denselben Ton gestimmt zu bleiben". Wenn jedes Instrument seine eigene Partitur interpretiere, müsse man keine Angst vor Unterschieden haben.
Diese müssten keine "Ursachen von Konflikt und Gegnerschaft werden", sondern seien Anlass für gegenseitiges Zuhören gemäß dem gemeinsamen Wunsch, dem Auferstandenen zu folgen und die Zeichen der Zeit zu erkennen.
Brüderliche Appelle aus dem Vatikan
Grech gab den Zuhörenden "brüderliche Appelle" aus dem Schlussdokument der Weltsynode mit: Er riet dazu, "untereinander jene authentischen und bedeutsamen Beziehungen zu leben, die Christus repräsentieren können". Er erinnerte daran, dass alle Menschen durch die Wahrheit befreit würden. Außerdem gehe es darum, in dem Bewusstsein zu reifen, dass das synodale Ziel kirchlicher Unterscheidung nicht darin bestehe, "durch Mehrheitskonsens ein politisches Ergebnis zu erzielen, sondern vielmehr gemeinsam zu suchen und zu erkennen, was der Geist weiterhin zur Braut des Sohnes, der Kirche, sagt".
In der anschließenden Diskussion hinterfragte die Theologiestudentin Finja Miriam Weber, Mitglied der Synodalversammlung beim Reformprozess der Kirche in Deutschland, Grechs Bild der Symphonie: "Wer ist der Dirigent, wer ist der Komponist und wer darf welches Instrument spielen?"
Grech antwortete, Jesus komponiere die Symphonie und der Heilige Geist dirigiere. "Wir brauchen Leute wie Sie", sagte Grech im Anschluss an Weber gewandt. Fragen wie ihre würden helfen, das Wort Gottes besser zu verstehen. Der Kardinal schloss mit dem Appell, zusammen weiterzugehen und der Welt die Botschaft Jesu zu verkünden.
Belgrader Kardinal Német lobt Kirche in Deutschland
Der Belgrader Kardinal Ladislav Német betonte, die Kirche in Deutschland habe sich eine Stimme in der Weltkirche erarbeitet, die nicht ersetzbar sei. In Deutschland gebe es ein "taufbewusstes Kirchenvolk" - was vielen anderen Ortskirchen weltweit fehle. Mit Blick auf die direkt an Kardinal Grech gerichteten kritischen Rückfragen ergänzte er lachend, hier formuliere man Fragen, die sich andere Ortskirchen noch nicht einmal stellen würden.
Német räumte ein, beim Synodalen Weg seien auch Verletzungen entstanden. Viele Ortskirchen in Osteuropa hätten dies als Vorwand genommen, sich mit der Synodalität erst gar nicht zu beschäftigen. "Sie sind auf einem guten Weg des synodalen Ringens", sagte der Kardinal. Die Kirche in Deutschland sei eine wichtige Stimme der Symphonie.
Zugleich mahnte er zu weniger Widersprüchlichkeit. Anstatt synodal zu handeln, sehe man in Deutschland manchmal doch eher schwarz und weiß. "Macht mehr Schlagzeilen zu euren Stärken und nicht zu den Unterschieden, die sogar zwischen den Bischöfen sichtbar sind!", so der Kardinal.
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