Diakonie-Direktorin Moser für bessere Absicherung der Pflege
17.05.202614:29
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Einsamkeit nicht nur ein steigendes Problem bei Älteren, sondern vor allem auch bei Jungen - Bei Budgetsanierung sozial Schwache nicht weiter belasten
Wien, 17.05.2026 (KAP) Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser hat sich für eine bessere finanzielle Absicherung des Pflegesystems ausgesprochen und vor allem mehr Unterstützung für die häusliche Pflege angemahnt. In der ORF-"Pressestunde" am Sonntag befürwortete die evangelische Theologin das steuerfinanzierte System, forderte aber eine bessere Dotierung, etwa wenn es zusätzliche Mittel über eine Erbschafts- bzw. Vermögenssteuer gäbe.
Die steigende Einsamkeit mit ihren sozialen und gesundheitlichen Folgen würde nicht nur Ältere, sondern immer mehr Jugendliche betreffen, so Moser weiter. Die Kirchen mit ihren Gemeinden und Einrichtungen würden hier kostenlos viele Möglichkeiten bieten, wo Menschen "einfach hinkommen können" und wieder Kontakt finden. Der Handy-Sucht als Ursache von jugendlicher Einsamkeit solle man nicht nur mit einem Social-Media-Verbot - wie bei jeder anderen Sucht auch - begegnen. Es brauche vor allem präventive Angebote, wie beispielsweise mehr Eltern-Beratung.
Beratungshotline für Pflege
Die Diakonie als Dachverband von Sozialorganisationen der evangelischen Kirche ist vor allem in den Bereichen Pflege, Gesundheit, Inklusion und Integration tätig. Derzeit beziehen rund 500.000 Menschen in Österreich Pflegegeld. 20 Prozent befinden sich in stationärer Pflege, 80 Prozent leben daheim. Letztere Gruppe wird zur Hälfte von Angehörigen betreut, von denen wiederum ebenfalls schon ein großer Teil 60 Jahre oder älter ist. Für pflegende Angehörige fehle aber vielfach die nötige Information - daher schlug Moser analog zum Gesundheitstelefon 1450 eine österreichweite Beratungshotline für Pflege 1460 vor.
Als weiteres Problem ortete Moser die Schnittstelle zwischen Gesundheitssystem und Pflege - also wenn etwa Menschen nach einem Spitalsaufenthalt nach Hause kommen. Oft finde sich dann keine Kurzzeitpflege. Eine weitere Baustelle sei das Begutachtungsverfahren für die Gewährung von Pflegegeld. Hier passe teils die fachliche Kompetenz nicht, Menschen würden oft respektlos behandelt. Moser plädierte für eine unabhängige Stelle für Begutachtungsverfahren - das Pflegegeld sei außerdem stark medizinisch definiert, es fehlten auch soziale Kriterien.
Kritik an Budgetmaßnahmen
Kritik übte die Diakonie-Direktorin an der geplanten Anhebung der bisher reduzierten Arbeitslosenversicherungsbeiträge für geringe Einkommen. Das könnte 700.000 bis 800.000 Personen betreffen, der Großteil davon Frauen. Nicht eindeutig negativ beurteilte sie dagegen die geplante Anhebung der Pensionen knapp unter der Inflationsrate. Der Diakonie seien vor allem die Mindestpensionen wichtig. Hier stelle sich die Frage, ob man sozial staffeln könne.
Ganz generell mahnte sie eine gerechte Verteilung der Lasten bei der Budgetsanierung ein. So habe das letzte Budget die untersten Einkommen relativ gesehen mehr belastet als die obersten Einkommen. Daher brauche es für alle Maßnahmen einen Fairness- oder Gerechtigkeitscheck - und zwar vor Beschluss und nicht erst im Nachhinein.
Recht auf Familie ein Menschenrecht
Kritisch sah Moser die Einschränkungen beim Familiennachzug. Das Recht auf Familie sei ein Menschenrecht, Familie würde außerdem stabilisierend für viele wirken. "Die Menschenrechte gelten für alle Menschen." Wenn man beginne, einzelne Menschenrechte für eine bestimmte Gruppe in Frage zu stellen, stelle man die Menschenrechte insgesamt in Frage und höhle damit die Wertebasis unserer Gesellschaft aus.
Positiv äußerte sich die Diakonie-Direktorin über den Eurovision Song Contest (ESC) und Österreichs Vertreter Cosmo. Dieser konnte sein musikalisches Talent in der evangelischen Pfarre Gols entwickeln, erinnerte Moser. "Musik ist wichtig in der evangelischen Kirche und verbindend".