In einer Erklärung schreibt Piusbruderschaft-Oberer Pagliarani, Christus habe den Alten Bund aufgehoben - Theologe Bernard Mallmann nennt das "Antijudaismus pur"
Wien/Rom, 19.05.2026 (KAP/KNA) Der an der Universität Wien tätige Theologe Bernard Mallmann hat der Piusbruderschaft Antijudaismus vorgeworfen. Anlass ist eine Erklärung des Oberen der Bruderschaft, Davide Pagliarani, an Papst Leo XIV.
In seiner Glaubenserklärung schreibt Pagliarani, Jesus Christus habe "den Alten Bund endgültig außer Kraft gesetzt" und "mit seinem Blut den Neuen und Ewigen Bund gestiftet und den Alten aufgehoben". Mallmann kritisierte diese Aussagen in einem am Montag veröffentlichten Beitrag auf dem Portal "communio.de": "Das ist Antijudaismus pur!".
Nähe zur Häresie
Der Theologe betonte, der christliche Glaube habe seine Wurzeln im Glauben Israels. Der Alte Bund sei nach kirchlichem Verständnis nicht einfach beendet. Wer das behaupte, greife die Grundlage des Christentums an.
Mallmann sieht die Piusbruderschaft damit auch in der Nähe des Markionismus. Diese frühchristliche Irrlehre trennte das Christentum vom Alten Testament. Für Mallmann ist klar: "Ohne den Alten Bund kann nicht an Jesus Christus geglaubt werden."
Traditionalisten wollen neue Bischöfe weihen
Hintergrund ist der sich zuletzt wieder zuspitzende Konflikt zwischen dem Vatikan und der mit Rom nicht in voller Gemeinschaft stehenden traditionalistischen Piusbruderschaft. Diese will am 1. Juli auch ohne päpstliches Mandat Bischöfe weihen.
Der Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Manuel Fernández, hatte vergangene Woche erklärt, die unerlaubten Bischofsweihen stellten einen schismatischen Akt dar. Eine förmliche Einwilligung in eine Kirchenspaltung sei eine schwere Beleidigung Gottes und ziehe die im Kirchenrecht festgelegte Exkommunikation nach sich.
Die Piusbruderschaft reagierte auf die Exkommunikations-Androhung mit einer "katholischen Glaubenserklärung" an die Adresse von Papst Leo XIV., in der sie das nach ihrer Ansicht "unverzichtbare Minimum, das erforderlich ist, um in Gemeinschaft mit der Kirche zu stehen" formulierte. Das Dokument enthält unter anderem auch Absagen an jüngere Äußerungen der Päpste zur Ökumene, zum Judentum und zum Dialog der Religionen.
Nein zu Reformen des Konzils
Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab und beharren auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.
Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht.
Mit Rom nicht in voller Gemeinschaft stehende traditionalistische Priesterbruderschaft veröffentlicht "katholische Glaubenserklärung" an Adresse von Leo XIV. samt Absagen an jüngere Äußerungen der Päpste zu Ökumene, Judentum und Dialog der Religionen
Glaubenspräfekt Kardinal Fernández in neuer Erklärung: Von traditionalistischer Priesterbruderschaft angekündigte Bischofsweihen ohne Zustimmung des Papstes hätten Exkommunikation zur Folge
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