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Bildung
Bild Copyright: © KPH/Sabine Aßmann

Südtirol rollt ab Herbst 2027 Ethikunterricht an allen Schulen aus

21.05.2026 10:55
Italien/Schule/Ethik/Religion
Modell sieht verpflichtenden Ethikunterricht für all jene Schülerinnen und Schüler vor, die keinen Religionsunterricht besuchen - Derzeit Pilotprojekte an mehr als 30 Schulstandorten
Bozen, 21.05.2026 (KAP) In Südtirol hält ab Herbst 2027 der verpflichtende Ethikunterricht für jene Schülerinnen und Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, Einzug in allen Klassenzimmern. Schon jetzt wird das Modell an mehr als 30 Schulstandorten im Rahmen von Pilotprojekten erprobt, wie das "Katholische Sonntagsblatt" der Diözese Bozen-Brixen in der aktuellen Ausgabe berichtet. Mit den Schulen sei vereinbart, dass der Ethikunterricht ab dem Schuljahr 2027/28 an allen Schulstufen eingeführt werden muss, erklärt Christian Alber, Schulinspektor für den katholischen Religionsunterricht in der deutschen Bildungsdirektion Südtirol.

Nach Schätzungen gehören rund 90 Prozent der Bevölkerung in Südtirol der katholischen Kirche an. Und auch von den etwas mehr als 52.000 Schülerinnen und Schülern, die im Schuljahr 2024/25 eine deutschsprachige Grund-, Mittel-, Ober, Berufs- oder Fachschule besuchten, nahmen 88,5 Prozent am katholischen Religionsunterricht teil. Für die anderen 11,5 Prozent beschloss der Landtag in Bozen schon 2024, dass sie künftig ein verpflichtendes Alternativangebot im Sinne einer ethisch-philosophischen Bildung besuchen müssen. Südtirol ist in dieser Hinsicht Vorreiter in Italien.

Lehrpläne und Bildungsziele für den Ethikunterricht wurden laut Alber klar definiert. Um das Fach zu unterrichten, müssen Lehrer entweder ein Lehramtsstudium im Fach Ethik abgeschlossen haben, wie es an einigen Hochschulen in Österreich angeboten wird, oder den Studiengang "Angewandte Ethik" an der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) Brixen. Auch die Möglichkeit zu einer berufsbegleitenden Ausbildung bei der Deutschen Bildungsdirektion in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen besteht.

Geplant sei aber nicht die Schaffung eigener Ethiklehrpersonen, schilderte Fachinspektor Alber dem "Sonntagsblatt", sondern "vielmehr, dass Lehrpersonen, die schon Teil des Kollegiums sind, einige Stunden Ethikunterricht zusätzlich zu ihrem eigenen Fachunterricht übernehmen". Rund 40 Lehrer seien bereits qualifiziert, etwa 70 weitere gerade in Ausbildung.

Lehrer teils verunsichert

Alber berichtete von durchaus positiven Rückmeldungen von Schülern; gleichzeitig bringe die Einführung des Ethikunterrichts den Schulen große organisatorische Aufgaben. In der aktuellen Pilotphase versuchten die für die Umsetzung vor Ort verantwortlichen Schulen Konzepte auszuprobieren und "zu schauen, was funktioniert und was nicht". Auch für den Religionsunterricht entstünden Herausforderungen und es gebe Ängste unter Lehrpersonen, die nun offen besprochen und diskutiert werden müssten.

Die Diözese Bozen-Brixen erarbeitet laut Kirchenzeitung derzeit Richtlinien, wie das Verhältnis zwischen Religions- und Ethikunterricht gestaltet werden muss, damit der Religionsunterricht weiterhin seine Eigenständigkeit und sein Profil behält. "Die Stimmung unter den Religionslehrern ist durchwachsen. Einige Kollegen sind verunsichert", bestätigte Claudio Calabrese, Vorsitzender der Religionslehrer-Berufsgemeinschaft, dem "Sonntagsblatt". Vor allem Lehrkräfte der Unterstufen machten sich Gedanken darüber, wie sich die Änderungen auf ihre Stunden auswirken und ob künftig Schulstellen zusammengelegt werden. Wie die Umsetzung konkret abläuft, ist laut dem Vorsitzenden der Religionslehrer-Berufsgemeinschaft unklar.

"Religionsunterricht ist nicht in Gefahr"

Dass der Ethikunterricht irgendwann an die Stelle des Religionsunterrichts treten könnte, glaubt Calabrese aber nicht. "Der katholische Religionsunterricht ist nicht in Gefahr", ist er überzeugt. Eine ethische Bildung sei für alle Schüler wichtig, es gehe darum, sich mit Werten und den großen Fragen des Lebens zu befassen. "Deshalb unterstütze ich die Einführung des Ethikunterrichts und habe auch keine Angst davor, dass er irgendwann einmal den Religionsunterricht ersetzen wird", so der Religionslehrer.

Der Religionsunterricht habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, fügte er hinzu: "Die Gesellschaft hat ein Bild vom Religionsunterricht, das nicht mehr der Realität entspricht." Viele meinten, dass im Religionsunterricht Katechese gelehrt werde, dass man sich einzig und allein auf die Vermittlung der Sakramente konzentriere, so Calabrese, aber: "Es geht auch um Fragen wie: Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Welche Antworten kann mir die Kirche geben? Können sie für mich eine Stütze sein?", erklärte er. Die Auseinandersetzung mit solchen Fragen sei für jeden Menschen wichtig, ganz besonders aber für junge Menschen.

Immer wieder komme in seinem Unterricht auch die Frage auf "Warum sollte ich glauben?", ergänzte der Religionslehrer. "Mir kann kein Philosoph die Antwort geben, ob ich gerettet werden kann. Aber darum geht es, um die große Frage der Rettung", so Calabrese. Im Religionsunterricht würden qualifizierte Lehrpersonen diese Fragen ohne Notendruck mit den Schülern kritisch reflektieren.
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