IKG-Präsident Deutsch fordert Rücktritt von Israels Polizeiminister
21.05.202613:32
Österreich/Israel/Politik/Krieg/Polizei/Judentum
Minister Ben-Gvir postete degradierende Aufnahmen von festgenommenen Gaza-Aktivisten und sorgte für internationale Empörung - Deutsch: "Ben-Gvir hat Israel zur Zielscheibe gemacht"
Wien/Jerusalem, 21.05.2026 (KAP) Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, hat den Rücktritt von Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir gefordert. Am Mittwoch veröffentlichte Ben-Gvir auf der Plattform X Videoaufnahmen, die ihn mit gefesselten und knienden Aktivisten der von Israel abgefangenen internationalen Gaza-Flottille zeigen, was internationalen Protest auslöste. "So heißen wir die Terrorunterstützer willkommen", kommentierte der Politiker das Vorgehen der Polizei. Zudem schwenkte er eine israelische Flagge und gratulierte den Beamten zu ihrer "guten Arbeit". "Minister Ben-Gvir ist inakzeptabel. Punkt", postete IKG-Präsident Deutsch am Donnerstag auf Facebook. Er habe Israel mit seinem Verhalten zur Zielscheibe gemacht und jüdische Werte verraten. Er "sollte daher noch heute die Regierung verlassen", forderte Deutsch.
Israel stehe für eine jüdisch geprägte liberale Demokratie, doch Ben-Gvir würde mit seinen Provokationen "den professionellen Einsatz der Sicherheitskräfte, der Soldaten und Soldatinnen gefährden und der mühsamen Arbeit von Diplomaten und Diplomatinnen - und ja, auch der pluralistischen Gesellschaft insgesamt - schaden", erklärte Deutsch. "Wir stehen hinter dem israelischen Volk, hinter der Bevölkerung, die aus Juden, Muslimen, Christen, Drusen und vielen anderen besteht. Aber wir stehen nicht hinter einem Minister, der Israel Tag für Tag ins Abseits führt."
Premierminister Netanjahu habe sich zwar bereits von Ben-Gvirs Aktion distanziert, aber das reiche nicht. "Jetzt braucht es Haltung und Handlung", drängte Deutsch auf politische Konsequenzen für den Polizeiminister. "Ein Minister der israelischen Regierung, der mit einer Fahne wedelt und Aktivisten - auch wenn sie Verbindungen zu Terrorgruppen haben - verhöhnt? Das ist nicht Israel!", kommentierte Deutsch, der auch die Absichten der Aktivisten in Zweifel zog.
"Feinde Israels"
Die in vielen Medien als "Hilfsflotte" bezeichneten Aktivisten seien "keine Unschuldslämmer", doch Ben-Gvir habe sie zu Opfern gemacht. Damit habe er nicht die "Feinde Israels", sondern Israel selbst zur Zielscheibe gemacht. "Diese Flotilla war eine politische Inszenierung, organisiert von Personen und Gruppen, die der Hamas und nicht der Zivilbevölkerung Gazas dienen", so Deutsch. Die USA hätten die Organisatoren darum zu Recht bereits sanktioniert.
Auch Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger kritisierte Ben-Gvir scharf: "Die Videos, die der rechtsextreme Polizeiminister Ben-Gvir vom Umgang mit den Aktivisten verbreitet, sind absolut inakzeptabel", erklärte sie am MIttwoch. Man habe gegenüber der israelischen Botschaft in Wien bereits "unsere Empörung" ausgedrückt. Auch drei Österreicher befänden sich derzeit in israelischem Gewahrsam, informierte die Ministerin. Man habe von der Teilnahme einer Hilfsflotte dringend abgeraten, aber die Sicherheit der österreichischen Staatsbürger habe oberste Priorität. Und weiter: "Wir haben die israelische Seite schon im Vorfeld mehrmals aufgefordert, im Umgang mit der Hilfsflotte mit großer Zurückhaltung zu reagieren und das Völkerrecht einzuhalten."
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