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Kardinal Ladislav Német,
Pfingstdialog
Bild Copyright: © Kathpress/Paul Wuthe

Kardinal Nemet: Europas Werte aktiv verteidigen

22.05.2026 07:43
Österreich/Kirche/Gesellschaft/Demokratie/Politik
Erzbischof von Belgrad im Kathpress-Interview über Europas Werte, Ungarns Kirchen und Impulse der Synodalität
Graz, 22.05.2026 (KAP) Mit einem eindringlichen Appell zur Verteidigung demokratischer Grundwerte hat der Belgrader Kardinal Ladislav Nemet im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress für ein erneuertes Verständnis von Europa geworben. Die Demokratie, jedoch auch die Religionsfreiheit und die christlich geprägte Solidarität hätten für das mögliche "Friedensprojekt" EU eine vorrangige Bedeutunng. Über den "Kontinent der Hoffnung" hatte der Vorsitzende des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) auch bei den am Donnerstag beendeten Seggauer Pfingstdialogen referiert.

Der Kardinal verwies auf seine persönliche Doppelperspektive zwischen EU und Nicht-EU-Staat. Als ungarischer Staatsbürger mit Lebensmittelpunkt in Serbien stehe er "mit einem Bein in der Union, mit einem Bein in Serbien". Gerade deshalb sehe er die Stärke Europas darin, "ein sehr sichtbares gutes Beispiel" dafür zu geben, "was es bedeutet, in einer freien liberalen Gesellschaft zu leben".

Kirche durchlief Lernprozess

Besonders hob Nemet die Religionsfreiheit hervor. Diese sei "einer der sehr wichtigen Werte" Europas und Ausdruck einer historischen Entwicklung, die keineswegs selbstverständlich gewesen sei. Europa habe "jahrhundertelang religiöse Kriege geführt", erinnerte Nemet. Erst allmählich hätten sich die europäischen Staaten auf Verträge eingelassen, die Freiheit und Religionsfreiheit garantierten. Auch die katholische Kirche habe Demokratie nicht immer positiv gesehen. "Vor 100 Jahren wurde Demokratie verteufelt in katholischen Kreisen", erinnerte der Kardinal.

Heute sei es hingegen "die Stärke der katholischen Kirche", Demokratie als "normale, lebhafte und sehr lebensfreudige gesellschaftliche Form" anzuerkennen. Demokratie und ihre Grundwerte dürften jedoch nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Werte wie "Freiheit, Solidarität, Religionsfreiheit, Würde des Menschen" müssten aktiv "behalten und geschützt" werden.

Ungarn: "Innere Bekehrung" steht aus

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten äußerte sich Nemet auch zur Rolle der Kirchen in Ungarn während der vergangenen 16 Jahre unter Viktor Orban. Die Kirchen hätten "aus dem Auge verloren", dass "für Christentum Christus und das Evangelium das Kriterium des Lebens ist und nicht politische Unterstützung oder ein bequemes Leben". Kritik übte er am Schweigen vieler Kirchenvertreter angesichts von "Hassrede", "Kriegsschüren gegen die Ukraine", "falschen Nachrichten" und starker Medienkontrolle.

Zugleich betonte Nemet, dass es ihm nicht um pauschale Verurteilungen gehe. Vieles in den vergangenen Jahren sei "sehr gut" gewesen und müsse bewahrt werden. Dennoch brauche es eine "innere Bekehrung" der Kirchen. Viele Menschen seien durch politische Loyalitäten kirchlicher Akteure "enttäuscht worden" oder hätten die Kirche verlassen. Als Hinweis darauf verwies Nemet auf den Rückgang der Katholikenzahlen in Ungarn von knapp sechs Millionen im Jahr 2006 auf rund drei Millionen bei der Volkszählung 2021. "Das ist schon drastisch", sagte der Kardinal. "Und man müsste die Frage stellen, warum."

Synodalität als Vorzeigemodell

Als eigentlichen christlichen Beitrag zu Europa bezeichnete Nemet weniger institutionelle Modelle als vielmehr grundlegende Haltungen des Evangeliums. Christentum bedeute, Menschen als "Geschwister" zu sehen. Unter Verweis auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und Matthäus 25 sagte der Kardinal: "Jeder Mensch seit der Menschwerdung Jesu Christi ist ein Träger von Christus." Deshalb gehe christliches Denken über bloße Toleranz hinaus und verweise auf die Liebe.

Auch die Synodalität der Kirche sieht Nemet als möglichen Beitrag zur demokratischen Kultur Europas. Besonders prägend sei für ihn das kontinentale Synodentreffen in Prag gewesen, bei dem Vertreter von 39 europäischen Bischofskonferenzen gemeinsam mit zahlreichen Laien beraten hätten. Trotz großer Spannungen sei es gelungen, "miteinander zu reden und die Meinungen anzunehmen". Entscheidend sei dabei die Erfahrung echten Zuhörens gewesen. "Sehr oft in unserem politischen Diskurs haben wir kein Zuhören, jeder redet", sagte Nemet.

Gerade diese Gesprächsformen würden inzwischen auch außerhalb der Kirche Interesse wecken: Mitarbeitende des vatikanischen Synodensekretariats würden bereits eingeladen, "Seminare den führenden Managern zu geben", berichtete der Kardinal.
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