Ökumenischer Pfingstempfang in Innsbruck im Zeichen des Jubiläums "25 Jahre Allianz für den freien Sonntag" - Wiener evangelischer Superintendent Geist: "Gemeinsam Widerstand leisten, wo die Würde des Menschen und seines familiären Umfelds durch den totalen ökonomischen Zugriff in Gefahr ist"
Innsbruck, 22.05.2026 (KAP) Eine Lanze für den arbeitsfreien Sonntag haben der Tiroler Bischof Hermann Glettler und weitere führende Vertreter der christlichen Kirchen beim diesjährigen Ökumenischen Pfingstempfang in Innsbruck gebrochen. Die Sorge um den Sonntag sei ein Thema, "an dem sich die Zukunft unserer hochnervösen Gesellschaft mitentscheidet", sagte Glettler bei der Festveranstaltung am Donnerstagabend im Innsbrucker "Haus der Begegnung". Ohne den Sonntag "als verlässliche Auszeit innerhalb eines immer mehr auf Optimierung getrimmten Lebens, werden wir den Sinn unseres Menschseins verfehlen", mahnte der Bischof. Den freien Sonntag bezeichnete Glettler als "Weltkulturerbe der jüdisch-christlichen Tradition", das unbedingt geschützt und in seiner Bedeutung heute wieder erschlossen werden müsse.
Der vom Ökumenischen Arbeitskreis Tirol veranstaltete vorpfingstliche Empfang stand heuer im Zeichen des Jubiläums "25 Jahre Allianz für den freien Sonntag". Den Festvortrag hielt der Wiener evangelisch-lutherische Superintendent Matthias Geist. Er berichtete unter anderem von der Geschichte der "Sonntagsallianz", der sich mittlerweile 40 Gruppierungen und Institutionen über Konfessions- und Parteigrenzen angeschlossen haben.
Anwältin für Zusammenhalt und Lebensqualität
Die Allianz sei "eine schützende Anwältin für eine wirkliche Lebensqualität", die über jede arbeitsrechtliche Übereinkunft hinaus den Sonntag als "gemeinsames Aussetzen des permanenten Beansprucht-Seins" erhalten möchte, sagte Geist. "Wir leisten gemeinsam Widerstand, wo die Würde des Menschen und seines familiären Umfelds durch den totalen ökonomischen Zugriff in Gefahr ist", so der Superintendent. Durch den Sonntag werde allen bewusst, dass unser Leben mehr sei als die Summe von Arbeits- und Konsumzeit.
Nicht unerwähnt blieben die mehr als 400.000 Menschen, die in Österreich regelmäßig an Sonn- und Feiertagen arbeiten, etwa im Gesundheitswesen, beim Öffentlichen Verkehr, in Industrie, Gastronomie und Kultur sowie in unterschiedlichen Bereitschaftsdiensten. Geist dankte ihnen speziell für ihren Dienst für die Öffentlichkeit. Darüber hinaus bleibe es aber ein Anliegen, den Sonntag vor unnötigen Zugriffen und Liberalisierungstendenzen zu schützen, hielt er fest.
"Heilsamer Herzschlag des Wochenrhythmus"
"Jede Gesellschaft verliert den Zusammenhalt, wenn sie sich nicht zu einer gemeinsamen Auszeit verpflichtet", fasste der Superintendent das Kernanliegen der Sonntagsallianz zusammen. Der Sonntag müsse als "heilsamer Herzschlag des Wochenrhythmus" gesichert werden, als "ein Tag, der von Gott geschenkt ist und nicht dem Leistungsauftrag und Optimierungsdruck unterstellt".
Als besonders wichtig wurde laut Pressedienst der Diözese Innsbruck im Dialog beim Pfingstempfang die spirituelle Dimension des Sonntags benannt. Es sei gemeinsamer ökumenischer Auftrag, das Potenzial eines im Sieben-Tage-Rhythmus gemeinsam freigehaltenen Tages auch kirchlich distanzierten Menschen unserer Zeit zu erschließen. Letztlich könne dies nur gelingen, wenn die von der Kirche geprägte Kultur des Sonntags von Lebensfreude, Alltagsrelevanz und innerem Frieden geprägt sei und so die Menschen fasziniere. Auch in einer durch KI und möglicherweise neu entstehende "Arbeitslosen-Welten" geprägten Zukunft müsse die Seelsorge beherzt und kreativ den Menschen eine gute Begleitung anbieten.